Parteitag in Bremen : AFD: Ärger bei der Wahl des Präsidiums

Protestrufe und Gegenanträge: Zu Beginn des AFD-Parteitags zeigt sich die Partei uneinig.

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30. Januar 2015, 19:29 Uhr

Bremen | Begleitet von Gegenanträgen und Protestrufen hat der Bundesparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) in Bremen begonnen. Die Co-Vorsitzende Frauke Petry appellierte zwar am Freitagabend an die mehr als 1.000 Teilnehmer, die Einheit der Partei nicht zu gefährden. Dennoch gab es schon bei der Wahl des Parteitags-Präsidiums - eigentlich eine Routinesache - zahlreiche Protestrufe und Gegenanträge.

Den stärksten Applaus kassierte der Vorsitzende Bernd Lucke. Konrad Adam, der neben Lucke und Petry das dritte Mitglied der AfD-Führungsspitze ist, rief den Teilnehmern zu: „Wir sind zu Tausenden nach Bremen gekommen, um den Altparteien den Marsch zu blasen, genauer gesagt den Abmarsch.“ 

Lucke betonte noch vor der Eröffnung, Zuwanderung und Asyl sei „nicht das dominante Thema der AfD“. Im Mittelpunkt steht in Bremen die Debatte am Samstag über eine neue Satzung, zu der mehr als 2.000 Mitglieder erwartet werden. Da der Saal des Tagungshotels nicht genug Platz bietet, hat die Partei zusätzlich für den zweiten Tag zusätzlich ein Musicaltheater angemietet. Beide Veranstaltungsorte sind durch Videotechnik miteinander verbunden. Für Samstag ist eine Demonstration gegen die rechtskonservative AfD mit mehreren tausend Teilnehmern angekündigt.

Kurz vor dem offiziellen Beginn des Bundesparteitages hat der Parteivorsitzende Bernd Lucke versucht, den innerparteilichen Streit über Zuwanderung und Islam zu entschärfen. Zuwanderung, Asyl und die Integrationsfähigkeit muslimischer Zuwanderer seien zwar Fragen, mit denen sich seine Partei auseinandersetze, sagte er am Freitag vor Journalisten im Bremer Parteitags-Hotel. Lucke, der einer von drei Parteivorständen ist, betonte jedoch: „Das ist nicht das dominante Thema für die AfD.“ Wichtiger seien Wirtschaftspolitik, Steuerfragen und Sozialpolitik.

Der stellvertretende Bundesvorsitzende, Alexander Gauland, bemühte sich ebenfalls, die Wogen zu glätten. Er sagte, er habe nie einen Stopp für die Einwanderung von Muslimen aus dem Nahen Osten gefordert. Ein syrischer Arzt mit Deutschkenntnissen passe aber sicher besser zu Deutschland als etwa eine Bäuerin aus dem Jemen, fügte er hinzu. Laut Gauland gibt es zwei Anträge, auf dem Parteitag auch über das Verhältnis der AfD zur islamkritischen Pegida-Bewegung aus Dresden zu diskutieren.

In den vergangenen Wochen hatten einige Mitglieder der AfD den Rücken gekehrt, weil sie ein Erstarken des rechten Flügels festgestellt hatten. Die AfD war 2013 als eurokritische Partei gegründet worden.

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