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Nach Tötung von 21 Christen : Ägypten fliegt Angriffe auf IS-Stellungen in Libyen

vom

Der Terror der Gruppe Islamischer Staat hat Libyen fest im Griff. Nach der Tötung von 21 Christen hat Ägypten Vergeltung angekündigt.

shz.de von
erstellt am 16.Feb.2015 | 08:43 Uhr

Kairo | Die ägyptische Luftwaffe hat am Montag nach Armeeangaben Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Libyen angegriffen. Dies sei als Reaktion auf die Ermordung von Ägyptern geschehen, hieß es in einer Mitteilung der Armee im ägyptischen Staatsfernsehen. Die Flugzeuge hätten Stellungen sowie Waffen- und Munitionslager der Terrormiliz bombardiert. Die Ziele seien präzise getroffen worden.

Der Stabschef der libyschen Luftwaffe sagte dem arabischen Nachrichtensender Al-Arabija, auch libysche Flugzeuge seien an dem Einsatz beteiligt gewesen. Ein Korrespondent des TV-Senders Al-Dschasira berichtete, Kampfjets hätten Ziele in der Umgebung der ostlibyschen Stadt Derna angegriffen. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Anhänger der Terrormiliz IS hatten ein Video veröffentlicht, das die Tötung von 21 christlichen Kopten aus Ägypten in Libyen zeigt. Der fünfminütige Film unter dem Titel „Eine in Blut geschriebene Nachricht an die Nation des Kreuzes“ wurde am Sonntagabend im Internet verbreitet. Erstmals richtet sich der IS damit direkt an Christen. Die auf Islamisten spezialisierte Beobachtergruppe Site bestätigte die Authentizität des Videos.

In dem Video ist zu sehen, wie Dutzende in Schwarz gekleidete Männer ihre Geiseln in orangen Overalls an einen Strand schleppen, der zur Mittelmeerküste gehören soll. Jeder Dschihadist führt eine Geisel, jeder hält ein Messer. Ein Sprecher der Gruppe sagt, sie stünden „heute im Süden Roms, in Libyen“. An den Westen gerichtet sagt er: „Wir werden das Meer mit eurem Blut tränken.“ Im Anschluss ist zu sehen, wie die Dschihadisten die Köpfe ihrer Geiseln abschneiden.

Bei den gezeigten Opfern soll es sich um insgesamt 21 ägyptische Kopten handeln, die zwischen Ende Dezember und Anfang Januar in Libyen verschwanden. Die Männer hatten als Gastarbeiter in dem Bürgerkriegsland gearbeitet. Bereits in der vergangenen Woche hatte der IS erklärt, die Christen in seiner Gewalt zu haben. Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi sprach nach Angaben von Staatsmedien am Sonntagabend den Familien der „Märtyrer dieses brutalen Terrors“ sein Beileid aus. Er habe eine siebentägige Staatstrauer angeordnet. Al-Sisi hatte ebenfalls eine „angemessene Reaktion“ angekündigt.

Das Enthauptungsvideo ist die erste als Video veröffentlichte Gräueltat des libyschen Ablegers der ursprünglich in Syrien und im Irak kämpfenden IS-Miliz. Ebenfalls am Sonntag veröffentlichten die libyschen Kämpfer Bilder, die die Einnahme eines strategisch wichtigen Küstenabschnittes nahe Sirte zeigen sollen. Im vergangenen Oktober hatten Dschihadisten aus dem zwischen mehreren Milizen umkämpften Land dem IS die Treue geschworen. Auch in Algerien und Ägypten hat der IS mittlerweile Ableger. Die ägyptischen Anhänger verbreiteten ebenfalls bereits Enthauptungsvideos aus dem Nordsinai.

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