zur Navigation springen

Deportation von Dänemark nach Kabul : Abgeschobene Afghanen wurden bei Ankunft von Polizei-Chef geschlagen

vom
Aus der Onlineredaktion

Ein vertraulicher Bericht der dänischen Polizei offenbart polizeiliche Brutalität in einem Abschiebeflieger.

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2017 | 13:20 Uhr

Kopenhagen/Kabul | Wie hart die Wiederkehr nach Kabul für abgewiesene Flüchtlinge aus Europa sein kann, davon können nicht nur zwei abgeschobene Afghanen, sondern auch dänische Beamte berichten. Die dänische Zeitung „Politiken“ berichtet unter Berufung auf einen vertraulichen Polizeibericht, wie zwei zwangsabgeschobene Afghanen noch im eben gelandeten Flugzeug in Kabul von der örtlichen Grenzpolizei mit harten Schlägen bedacht wurden.

Afghanistan wird von den meisten Parteien in Deutschland als sicheres Herkunftsland tituliert, obgleich das UN-Flüchtlingshilfswerk dem widerspricht. Vor allem Kabul sei eine Stadt, in der das staatliche Gewaltmonopol hergestellt sei, heißt es von den Befürwortern. Schleswig-Holsteins Noch-Landesregierung verhängte im Februar einen Abschiebe-Stop nach Afghanistan, der laut Innenminister Studt jetzt verlängert werden soll.

Das Ereignis trug sich am 1. März zu, als ein von der dänischen Reichspolizei gechartertes Flugzeug mit 16 Deportierten und 50 bediensteten Dänen in der afghanischen Hauptstadt gelandet war. Im Bericht ist die Rede von einer „zugespitzten Situation“. Eine halbe Stunde nach der Landung verließen zunächst elf der Abgeschobenen ihre Plätze im Flugzeug. Zwei Passagiere wiederum weigerten sich, ihre Plätze zu verlassen. Dies führte laut dem Bericht zu einer lautstarken Auseinandersetzung zwischen den Männern und dem Chef der afghanischen Grenzpolizei, der an Bord gekommen war, um die Männer in Gewahrsam zu nehmen. Die Situation geriet außer Kontrolle. Der Chef griff zu Mitteln, die die dänische Polizei für ihr Hoheitsgebiet als unangebracht bezeichnet. Im Beisein von dänischen Polizeioffizieren soll der Chef die Männer kräftig an den Haaren gepackt haben, um sie aus ihren Sitzen zu zerren. Doch das funktionierte nicht.

Laut des Berichts verteilte der Polizeichef dann „vier bis sechs kräftige Schläge gegen Körper und Kopf“ eines der Afghanen. Laut den elf Zeugen waren darunter auch Schläge mit einer Plastiktüte unbekannten Inhaltes. Der andere Mann wurde mit mehreren Faustschlägen ins Gesicht verletzt.

Experten sehen die anwesenden dänischen Polizeibeamten in der Mitverantwortung, da sie den Übergriff nicht verhinderten. Die Ohrfeigen verstoßen nicht nur gegen dänisches Recht sondern laut dem Menschenrechtsforscher Peter Vedel Kessing auch klar gegen die Europäische Menschenrechtskonvention. Es gebe keine polizeifachliche Begründung für die Anwendung einer solchen Form der Gewalt, sagt Kessind gegenüber „Politiken“. Es gelte das zentrale Prinzip, dass Flüchtlinge nicht in Länder ausgeliefert werden dürfen, wo ihnen Folter und Unterdrückung wiederfährt.

Eine Frage um die es in Dänemark nun geht ist, was die dänische Polizei hätte unternehmen müssen, um diesen Menschenrechtsverstoß in einem von der dänischen Polizei gecharterten Flugzeug auf afghanischem Grund zu unterbinden. Und die ist nicht so leicht zu beantworten. Laut Experten hätten die Beamten eingreifen müssen, sobald eine Gefahr für die Schutzbefohlenen bestanden hätte. Es ist allerdings nicht klar, ob und inwieweit sie überhaupt einschritten. Sie sollen den Polizeichef insoweit unterstützt haben, als dass sie den Deportierten nach den Schlägen Kabelbinder anlegten. Danach kamen weitere afghanischen Beamte und erfüllten ihren Dienst: Sie führten die Männer ab.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen