zur Navigation springen

Dieselgate : Abgasmanipulation auch bei Opel? Greenpeace fordert Dobrindts Rücktritt

vom

Droht Opel ein Abgas-Skandal wie VW? Werte sollen manipuliert worden sein. Das KBA prüft neue Vorwürfe.

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2016 | 10:24 Uhr

Berlin | Der Dieselgate-Skandal scheint kein Ende zu nehmen: Der Autobauer Opel soll die Abgaswerte seines Diesel-Modells Zafira 1.6 mit bislang unbekannten Abschalteinrichtungen manipuliert haben. Das berichten die Deutsche Umwelthilfe (DUH), das ARD-Magazin „Monitor“ und der „Spiegel“. Demnach soll eine Software die Abgasreinigung bei hohen Drehzahlen oder einem Tempo oberhalb von 145 Kilometern pro Stunde abschalten. Auch der Opel Astra soll betroffen sein, berichtet Spiegel Online. Opel wies dies zurück.

Angefangen hat alles mit VW. Doch mittlerweile sind auch andere Autobauer bekannt, die Abgaswerte manipuliert haben sollen. Autobesitzer sind teilweise von Rückrufaktionen betroffen.

Opel betonte, man habe keine Software eingesetzt, die feststellt, ob ein Auto einem Abgastest unterzogen wird. Das Unternehmen bekräftigte am Donnerstag in Rüsselsheim ein mehrfach wiederholtes Statement. Zu den weitergehenden Vorwürfen blieb Opel zurückhaltend. So könnten die Ergebnisse nicht bewertet werden, weil Methoden und Protokolle der Testaktivitäten nicht zur Verfügung gestellt worden seien, teilte die General-Motors-Tochter mit. Aufgrund eigener und unabhängiger Messungen glaube man aber nicht, dass die kritisierten Werte objektiv und wissenschaftlich fundiert seien.

Die Abschaltung soll den Berichten zufolge auch innerhalb des sogenannten Thermofensters geschehen, das bei den Untersuchungen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) bei vielen Modellen festgestellt worden war. Opel hatte gegenüber den Behörden eingeräumt, dass die Abgasreinigung beim Zafira nur bei Außentemperaturen zwischen 20 und 30 Grad im vollen Umfang arbeitet. Wie andere Hersteller hatte sich Opel dabei auf den von der EU akzeptierten Bauteilschutz berufen.

Was ist ein Thermofenster?

Bei bestimmten Umgebungstemperaturen reduziert die Motorsoftware die Abgasreinigung, sodass das Fahrzeug dann mehr Stickoxide (NOx) ausstößt. Viele Automodelle sind davon betroffen und überschreiten die erlaubte Grenze klar.

Verkehrsminister Alexander Dobrindt hält diese Regelung zwar nicht für illegal. Er räumte aber ein, dass die zugrundeliegende EU-Verordnung wohl zu viel Spielraum biete. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat angekündigt, jetzt auf EU-Ebene die Initiative zu ergreifen.

 

Frühere Vorwürfe der DUH wegen angeblich erhöhter Abgaswerte hatte Opel stets zurückgewiesen. Bisher hat in Deutschland einzig der Rivale Volkswagen im September 2015 gezielte Manipulationen bei Dieselfahrzeugen eingeräumt und damit den Abgas-Skandal ausgelöst. Auch bei anderen Herstellern waren seither auffällige Abgaswerte festgestellt worden - sie betonten aber stets, das geschehe innerhalb der geltenden Regeln.

Die DUH geht bei Opel nun davon aus, dass die Fahrzeuge offenbar gezielt so gebaut wurden, dass sie nur in Ausnahmefällen sauber erscheinen, kritisierte Umwelthilfe-Geschäftsführer Jürgen Resch. „Das Bundesverkehrsministerium hat in den letzten Monaten aktiv weggeschaut. Es wurde eben nicht nachgeprüft, ob tatsächlich Abschalteinrichtungen, die eindeutig verboten sind, zusätzlich zu den Temperaturabschaltungen verbaut sind“, sagte er.

Eine unzulässige Abschalteinrichtung hatte das KBA unter 53 untersuchten Modellen nur bei Volkswagen entdeckt. Der Opel Zafira war allerdings im Fahrbetrieb mit stark überhöhten Stickoxidwerten aufgefallen. Der Hersteller will die betroffenen Autos ab Juni in einer Serviceaktion neu einstellen. Das Bundesverkehrsministerium erklärte am Donnerstag, dass die neuerlichen Vorwürfe vom KBA überprüft würden und dafür detaillierte Unterlagen über die neuen Tests willkommen seien.

Verkehrsminister Dobrindt steht in der Kritik

Die Umweltorganisation Greenpeace forderte den Rücktritt von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). „Wenn Dobrindts jüngster Untersuchungsbericht sogar massive Schummeleien bei Opel übersieht, dann ist seine gesamte Aufklärungsarbeit der vergangenen sieben Monate wertlos. Dobrindt muss jetzt Platz machen für einen Verkehrsminister, der diesen Skandal tatsächlich aufklärt“, verlangte Greenpeace-Sprecher Tobias Riedl. Am Freitagnachmittag (13.25 Uhr) bringen die Fraktionen der Grünen und Linken ihren Antrag auf einen Untersuchungsausschuss zur Dieselaffäre in den Bundestag ein. Sie werfen Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) vor, die Autobranche in Schutz zu nehmen und die Aufklärung über zu hohe Schadstoffwerte bei Dieselautos zu verschleppen.

Der Untersuchungsausschuss soll bis 2007 zurückblicken. Wer genau vorgeladen wird, steht noch nicht fest. Die Opposition hofft, dass der Untersuchungsausschuss noch vor der Sommerpause im Juli zustande kommt. Leiten wird ihn voraussichtlich der Linke-Abgeordnete Herbert Behrens.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen