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Vorwürfe gegen Kraftfahrtbundesamt : Abgas-Skandal bei Volkswagen: KBA-Chef wehrt sich

vom

Allein in Deutschland sind 2,8 Millionen Fahrzeuge betroffen. Eine Mitverantwortung schließt KBA-Chef Ekhard Zinke aus.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2015 | 19:20 Uhr

Flensburg | Der Präsident des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) in Flensburg, Ekhard Zinke, hat sich gegen Vorwürfe gewehrt, seine Behörde sei durch zu schwache Kontrollen für den VW-Abgas-Skandal mitverantwortlich. Das KBA habe keine Kenntnis von den Täuschungen haben können, sagte Zinke gegenüber shz.de. Ein wie auch immer geartetes, möglicherweise vorwerfbares Fehlverhalten auf Seiten des Amtes sei nicht gegeben. Damit äußert sich der Behördenchef zum ersten Mal nach Bekanntwerden der Manipulationen öffentlich.

Der Volkswagen-Konzern steht seit rund drei Wochen wegen des Skandals um manipulierte Abgaswerte unter großem Druck. Vor allem in den USA drohen hohe Straf- und Schadenersatzzahlungen. Darüber hinaus gilt der Imageschaden als enorm. Weltweit sind nach Konzernangaben rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen, davon rund 2,8 Millionen auch in Deutschland. VW hatte bereits mitgeteilt, alleine fünf Millionen Fahrzeuge der Konzern-Kernmarke VW in die Werkstätten holen zu wollen.

Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer hatte zuvor dem KBA eine Mitschuld am Skandal um manipulierte Schadstoffbilanzen unterstellt. Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, hatte das KBA als „Bettvorleger der Autoindustrie“ bezeichnet. Resch kündigte zudem eine Klage an, sollte das KBA Volkswagen einen freiwilligen Rückruf der von der Abgasaffäre betroffenen Autos erlauben. Das einzige, das ihn in seinem Handeln bestimme, sei Recht und Gesetz – und nichts anderes, sagte der KBA-Chef. Er sei bestürzt gewesen, als er von den Manipulationen erfuhr.

Volkswagen hatte dem KBA am Mittwoch seinen Zeit- und Maßnahmenplan zur Bewältigung des Abgas-Skandals vorgelegt. Da unterschiedliche Motoren betroffen sind, seien laut VW unterschiedliche Maßnahmen erforderlich. Es gebe unterschiedlich gestaffelte Zeitpläne für die jeweiligen Motoren. In dem umfangreichen VW-Schreiben würden Lösungen aufgezeigt, die wahrscheinlich ausreichend sein könnten.

Zudem betonte der KBA-Chef, dass das Genehmigungsverfahren für neue Autos streng nach detaillierten Vorgaben des europäischen Rechts ablaufe. Das KBA habe wie vorgeschrieben die Angaben der Hersteller und der technischen Dienste geprüft. Die Überprüfung erfolgt in Papierform.

Nach Bekanntwerden des VW-Abgas-Skandals testet das KBA nun auch Modelle anderer Hersteller. Es sei zutreffend, dass sich das KBA durch diesen Anlass gezwungen sehe, den Markt genauer anzuschauen, sagte Zinke. Die Überprüfung erfolge durch technische Dienste. Anders als bei dem Genehmigungsverfahren für neue Modelle, deren Überprüfung auf dem Rollenprüfstand erfolgt, werden diese Tests auf der Straße durchgeführt. Das KBA wolle sich einen Überblick verschaffen, wie es tatsächlich im Feld aussehe. Zinke betonte, dass damit nicht gesagt sei, dass eine ganze Industrie unter Generalverdacht stehe. Die Überprüfung sei noch nicht abgeschlossen.

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