Hintergrund : Abbild der Gesellschaft: Die «Unwörter» vergangener Jahre

Zum «Unwort des Jahres» wird seit 1991 jedes Jahr ein Begriff gekürt, der gegen das «Prinzip der Menschenwürde» oder gegen «Prinzipien der Demokratie» verstößt.  
Zum «Unwort des Jahres» wird seit 1991 jedes Jahr ein Begriff gekürt, der gegen das «Prinzip der Menschenwürde» oder gegen «Prinzipien der Demokratie» verstößt.  

Sprachwissenschaftler bilden mit den «Unwörtern» des Jahres aktuelle Diskussionen ab. Eine Auswahl:

shz.de von
16. Januar 2018, 15:31 Uhr

2016, «Volksverräter»: Das Wort sei ein «Erbe von Diktaturen» unter anderem der Nationalsozialisten.

2015, «Gutmensch»: Der Vorwurf diffamiere Hilfsbereitschaft und Toleranz pauschal als naiv und dumm, begründet die «Unwort»-Jury.

2014, «Lügenpresse»: Diese pauschale Verurteilung «verhindert fundierte Medienkritik und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie so wichtigen Pressefreiheit», so die Jury.

2013, «Sozialtourismus»: Der Ausdruck diskriminiert laut Jury Menschen, «die aus purer Not in Deutschland eine bessere Zukunft suchen, und verschleiert ihr prinzipielles Recht hierzu».

2012, «Opfer-Abo»: Die «Unwort»-Jury kritisiert, der Begriff stelle Frauen pauschal unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und damit selbst Täterin zu sein. Wetter-Unternehmer Jörg Kachelmann hatte die Wortschöpfung, die seine Frau Miriam erfunden habe, unter anderem in einem «Spiegel»-Interview verwendet. Darin ergänzte er: «Frauen sind immer Opfer, selbst wenn sie Täterinnen wurden.»

2011, «Döner-Morde»: Dieser Begriff ist für die Mordserie der rechtsextremistischen NSU-Terroristen verwendet worden. Mit der «sachlich unangemessenen, folkloristisch-stereotypen Etikettierung» würden ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt, erklärt die Jury.

2010, «alternativlos»: Das Wort suggeriere zu Unrecht, dass keine Diskussion mehr notwendig sei.

2009, «betriebsratsverseucht»: Damit würden Arbeitnehmer-Interessen in völlig unangemessener Weise als Seuche dargestellt.

2008, «notleidende Banken»: Der Begriff stelle das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise auf den Kopf.

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