Bauernverband und CDU dagegen : Weniger Schweine und Co. für besseres Klima und bessere Tierhaltung?

Zwei Schweine im Stall. Foto: Gert Westdörp
Zwei Schweine im Stall. Foto: Gert Westdörp

Die Grünen haben die Bundesregierung vor der Sitzung des Klimakabinetts am Freitag aufgefordert, den Tierbestand in Deutschland zu reduzieren. Bauern, die weniger Schweine, Rinder oder Geflügel in ihren Ställen halten, sollten finanziell entschädigt werden. Das findet zumindest der agrarpolitische Sprecher Friedrich Ostendorff. Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied hält dagegen.

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19. September 2019, 03:33 Uhr

Osnabrück | „Damit die Tierhaltung ökologisch verträglicher wird, muss die Zahl der gehaltenen Tiere runter“, sagt Ostendorff. Den Bauern müsse dabei geholfen werden, „die Anstrengungen für den Klimaschutz mitzutragen“. Landwirte „brauchen eine verlässliche Unterstützung, wenn sie sich für mehr Tierschutz entscheiden und dafür weniger Tiere halten“. Ostendorff forderte eine entsprechende Strategie von der Regierung.

Bauernpräsident Joachim Rukwied entgegnete: „Wenn wir die Tierhaltung in Deutschland umbauen wollen, brauchen wir zum einen eine umfassende Unterstützung vom Gesetzgeber, zum anderen die Honorierung am Markt.“ Die Verbraucher müssten am Ende bereit sein, im Supermarkt mehr fürs Fleisch aus umweltfreundlicherer und tiergerechterer Haltung zu bezahlen.

SPD offen, Union dagegen

Unionsfraktionsvize Gitta Connemann (CDU) wurde deutlicher. Den Vorschlag der Grünen nannte sie auf Anfrage „scheinheilig“. Die Agrarexpertin sagte: „Es bringt nichts, das Hohelied der kleinen Betriebe in Sonntagsreden zu singen. Entscheidend ist das Alltagshandeln – auch der Politik.“ Jede weitere Auflage sorge indes dafür, dass weitere Bauern aufgäben würden. „Wer das will, muss es genauso deutlich sagen. Wir wollen das nicht.“

Die SPD scheint hingegen offen gegenüber einer Reduktion der Tierzahlen. Der agrarpolitische Sprecher Rainer Spiering sagte, die Landwirtschaft müsse zurück zu einer Flächenbindung. Pro Hektar Land sollte ein Betrieb nicht mehr als zwei Kühe halten.

Bauernverband lehnt Ausstiegsprogramm ab

Noch weiter gehende Vorschläge wie beispielsweise ein Ausstiegsprogramm für Tierhalter lehnte Bauernpräsident Rukwied ab. So etwas könne „weder im Sinne der Verbraucher noch der Politik sein“. Am Ende käme das Fleisch im Supermarkt aus dem Ausland, wo keiner mehr sagen könnte, wie Tiere gehalten worden seien.

In den Niederlanden hat die Regierung ein Ausstiegsprogramm aufgelegt, das Sauenhalter in gewissen Regionen subventioniert, wenn sie ihre Ställe abreißen. So soll die Umweltbelastung durch Treibhausgase und Gülle gesenkt werden. Den Haag will eine neunstellige Summe aufwenden. Der Bund teilte auf Anfrage der Grünen mit, ein Förderprogramm zur Abstockung von Tierbeständen sei in Deutschland nicht geplant.

25,9 Millionen Schweine in Deutschland

Hierzulande werden nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes 25,9 Millionen Schweine, 11,8 Millionen Rinder und 4,8 Millionen Milchkühe sowie 174 Millionen Hühner, Puten, Gänse oder Enten gehalten. Die Zahlen sind insgesamt rückläufig.

Auch die Zahl der tierhaltenden Bauernhöfe nimmt ab. Die verbleibendenden Betriebe hingegen werden seit Jahren immer größer. Die Viehdichte ist im Bundesvergleich sehr unterschiedlich. Besonders hoch sind sie in den Regionen Weser-Ems in Niedersachsen sowie Westfalen.

Etwa sieben Prozent Anteil an Emissionen

Laut Umweltbundesamt hat die Landwirtschaft einen Anteil von etwas mehr als sieben Prozent am Ausstoß von Klimagasen in Deutschland – ein großer Teil davon stammt aus der Tierhaltung. Zum Vergleich: Der Anteil der Haushalte liegt bei neun Prozent. Den größten Anteil hat der Energiesektor (34 Prozent). Seite 3

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