Kommentar : Von der Leyens EU-Kommission: Warum so nicht früher?

Ursula von der Leyen präsentiert ihr europäisches Spitzenpersonal. Foto: Kenzo Tribouillard
Ursula von der Leyen präsentiert ihr europäisches Spitzenpersonal. Foto: Kenzo Tribouillard

Wer in diesen Zeiten eine EU-Kommission zusammenstellt, kann wenig richtig machen, aber vieles falsch. Das hat Ursula von der Leyen vermieden. Sie hat ein ebenso durchdachtes wie starkes Personaltableau vorgestellt – Respekt dafür.

Avatar_shz von
10. September 2019, 17:43 Uhr

Osnabrück | An der Schwerpunktsetzung aufs Klima kommt derzeit keiner vorbei, sie ist ein inhaltlicher Gruß an die Grünen und die Jugend. Die Sozialdemokraten holt die Christdemokratin personell überproportional ins Boot, ohne Frage als Dank dafür, dass diese ihr den Weg an die Spitze der EU-Kommission nicht verwehrt haben. Auch die Osteuropäer werden bedacht und sind für Fragen zuständig, die zuletzt so häufig für Streit zwischen ihnen und Brüssel gesorgt haben.

Das Thema Euro hat Von der Leyen geschickt aufgeteilt, so dass hier kein krasser Paradigmenwechsel in Richtung Schulden zu erwarten ist. Mit der Dänin Margrethe Vestager gelang es ihr, eine Sympathieträgerin einzubinden, die ebenfalls Ambitionen auf ihr Amt hatte, nun aber die US-Internetriesen nicht vom Haken lassen wird. Die Akzente bei der Verteidigungspolitik, französisch gefärbt, könnten wegen der gigantischen Ineffizienz des Militärs der Mitgliedstaaten zu einem echten Gewinnerthema werden, zumal sie künftig in einer Behörde verknüpft sind mit dem Binnenmarkt – Rüstung und Wirtschaft lassen sich nicht trennen.

In der Summe setzt Von der Leyen also klare Akzente. Sie platziert zudem den spürbaren Wunsch nach Versöhnung zwischen den nationalen Regierungen und der EU-Spitze. Auf einen ähnlichen Effekt hofft sie bei den Bürgern, wenn sie die Bedeutung der Regionen im Unterschied zu den Metropolen betont. Die Niedersächsin weiß um die existenzielle Gefahr, die der EU von innen droht, sie kennt den wachsenden Unmut über Anmaßung und Einmischung in regionale Sicht- und Lebensweisen.

Warum eine solch besonnen komponierte Kommission nicht schon vor Jahren? Vielleicht wäre manches anders gekommen.

Folgen Sie unserem Autoren gerne bei Twitter.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen