Hambacher Forst : Nach Rodungsstopp: Umweltschützer fordern Öffnung der Fledermaushöhlen

Umweltschützer sehen die Blechsteinfledermaus im Hambacher Forst bedroht.
Umweltschützer sehen die Blechsteinfledermaus im Hambacher Forst bedroht.

Noch immer sind die Quartiere der Bechsteinfledermäuse verschlossen. Der BUND sieht dafür aber keinen Grund mehr.

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14. Oktober 2018, 17:36 Uhr

Kerpen | Umweltschützer sehen auch nach dem vorläufigen Rodungsstopp im Hambacher Forst die streng geschützte Bechsteinfledermaus in Gefahr. Über eine Woche nach der Entscheidung des OVG Münster seien Fledermausquartiere immer noch mit Folien verschlossen, teilte der Umweltverband BUND mit. Das verstoße gegen den Artenschutz. Der Landesverband Nordrhein-Westfalen forderte die zuständigen Behörden auf, den Energiekonzern RWE zur Öffnung der Höhlen bis zum 15. Oktober zu verpflichten.

Die Höhlen der Fledermäuse sind mit Plastikfolie verschlossen.
dpa/Henning Kaiser
Die Höhlen der Fledermäuse sind mit Plastikfolie verschlossen.

Der Verschluss sei nur im Zusammenhang mit unmittelbar bevorstehenden Rodungen erlaubt, stellte der BUND fest. Das OVG Münster hatte die geplanten Rodungen aber vorläufig gestoppt.

Öffnung erst für Frühjahr 2019 vorgesehen

RWE erklärte am Sonntag, die verschlossenen Baumhöhlen würden rechtzeitig vor Wiederkehr der Fledermäuse im Frühjahr 2019 wieder geöffnet. Voraussetzung hierfür sei, dass die notwendigen Kletterarbeiten sicher ausgeführt werden könnten und nicht wie in der Vergangenheit durch Störer massiv verhindert würden. Die Höhlen seien vor dem Verschluss mit speziellen Kameras überprüft worden. Aus biologischer Sicht sei ein Öffnen derzeit nicht notwendig, da die Fledermäuse in ihr Winterquartier übergesiedelt seien, erklärte RWE.

Umweltamt schaltet sich ein

Der Kreis Düren kündigte an, den Sachverhalt mit RWE zu klären. Das Umweltamt gehe davon aus, dass RWE verschlossene Baumhöhlen öffnen werde, teilte ein Behördensprecher mit. Der Rhein-Erft-Kreis ist nach eigenen Angaben in der Klärung, in welchen Teilbereichen die Bruthöhlen verschlossen sind und wann Bruthöhlen gegebenenfalls wieder freigegeben werden müssen.

RWE hatte die Quartiere verschließen lassen, damit Fledermäuse beim Abholzen nicht getötet werden und umsiedeln können. Das wissenschaftlich begleitete Artenschutzkonzept des Tagebaus Hambach sieht nach früheren RWE-Angaben den Erhalt und die Umsiedlung der Fledermäuse in andere Lebensräume vor.

"Wir machen uns wirklich Sorgen, dass der Wald durch so kleine Nadelstiche weiter beeinträchtigt wird, um den ökologischen Wert möglichst schnell kaputtzukriegen", sagte der Fledermausexperte und stellvertretende BUND-Vorsitzender in NRW, Thomas Krämerkämper. Die Fledermaus werde durch den Verschluss der Quartiere vertrieben wie bei einer Rodung. Da es in der Nähe aber keinen alternativen Lebensraum gebe, würden viele Tiere sterben.

Aktivisten dringen in Tagebau vor

Braunkohle-Gegner haben am Sonntag kurzzeitig den Abbau im Hambacher Tagebau gestoppt. Nach Angaben der Polizei in Aachen waren am Morgen mehr als 30 Menschen in das Tagebauloch eingedrungen. Aus Sicherheitsgründen sei der Betrieb etwa eine Stunde lang eingestellt worden, sagte ein Polizeisprecher. Etwa ein Drittel der Aktivisten habe das Gelände dann von sich aus verlassen. Die übrigen seien von der Polizei herausgeführt worden und hätten eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs bekommen.

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Leerstehende Häuser besetzt

Seit Samstag halten sich am Rande des Braunkohletagebaus Aktivisten in drei leerstehenden Häusern auf. Die Gebäude, aus denen die Bewohner bereits ausgezogen sind und die inzwischen dem Energiekonzern RWE gehören, sollen künftig dem Tagebau weichen. Sie befinden sich im Kerpener Stadtteil Manheim. Die Protestgruppe hängte ein beschriftetes Stofftuch an das Garagentor eines gelb getünchten Hauses. «Manheim lebt. Hambi bleibt», stand darauf.

Aktivisten haben drei leerstehende Häuser besetzt.
dpa/Henning Kaiser
Aktivisten haben drei leerstehende Häuser besetzt.

RWE sprach am Sonntag in einer Mitteilung von vier besetzten Häusern und erklärte: «Die widerrechtliche Besetzung ... werden wir nicht dulden». Alle damit in Zusammenhang stehenden Straftaten würden zur Anzeige gebracht.

In den vergangenen Wochen hatte die Polizei in Nordrhein-Westfalen im Hambacher Forst bei Köln mit großem Aufwand 86 von Umwelt-Aktivisten gebaute Baumhäuser abgebaut. Das Oberverwaltungsgericht Münster verfügte Anfang Oktober einen Rodungsstopp.

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