„Nur die Spitze des Eisbergs“ : Neue Auswertung: Wie sich die Zahl der Angriffe auf Muslime entwickelt

Zu den erfassten Straftaten zählen auch Nazi-Schmierereien an Häusern und Moscheen.
Zu den erfassten Straftaten zählen auch Nazi-Schmierereien an Häusern und Moscheen.

Die Zahl der Straftaten in Deutschland ist erneut angestiegen. Die Linken-Innenexpertin Ulla Jelpke warnt.

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08. Februar 2021, 01:13 Uhr

Berlin | Mindestens 901 islamfeindliche und antimuslimische Straftaten registrierten die Behörden bundesweit, das war ein Plus von knapp zwei Prozent gegenüber dem Jahr 2019 mit 884 Übergriffen. Das geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Die endgültigen Zahlen für 2020 dürften laut Links-Fraktion noch steigen, weil erfahrungsgemäß in den nächsten Wochen noch etliche Nachmeldungen dazu kommen.

Bei den Taten wurden 48 Menschen verletzt. Das waren deutlich mehr als 2019, als 34 Menschen Verletzungen davontrugen, allerdings auch zwei Menschen starben. Die Behörden registrierten alleine in 77 Fällen Anschläge, Schmierereien und Schändungen auf Moscheen. In den meisten Fällen waren die Täter Rechtsextreme.

Von Hetze bis Nazi-Schmierereien

Damit hat sich der seit zwei Jahren anhaltende Anstieg fortgesetzt. 2018 waren es 824 Taten gewesen, 2019 genau 884. Nur zuvor, im Jahr 2017, als die Behörden zum ersten Mal Daten zu islamfeindlichen Straftaten ausgewertet haben, hatten die Behörden mit 950 Straftaten noch deutlich mehr registriert.

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Zu den erfassten Straftaten zählen etwa Hetze gegen Muslime oder muslimische Flüchtlinge im Netz (sogenannte Hasskommentare), Drohbriefe und Angriffe auf Kopftuch tragende Frauen oder erkennbar muslimische Männer auf der Straße. Zudem gehören auch Sachbeschädigung und Nazi-Schmierereien an Häusern und Moscheen dazu. Über die Höhe des Schadens hatten die Behörden keine Erkenntnisse. Der Generalbundesanwalt leitete zwei Ermittlungsverfahren gegen Täter ein, die Brandanschläge auf Muslime und Moscheen geplant hatten.

Linke warnt: "Nur die Spitze des Eisbergs"

Zudem wurden 2020 insgesamt 16 Kundgebungen gegen die vermeintliche „Islamisierung Deutschlands“ gezählt. Wegen der Corona-Auflagen waren diese Zahlen – wie allerdings auch schon in den Vorjahren – rückläufig. In diesen Zahlen sind nun seit vergangenem Jahr auch die Pegida-Aufmärsche in Sachsen erfasst.

Nach Ansicht der Linken-Innenexpertin Ulla Jelpke lag die Hasskriminalität gegen Muslime im vergangenen Jahr noch viel deutlicher über dem Niveau der Vorjahre, als die Statistik zeigt. Denn die Taten stiegen an, obwohl das öffentliche Leben durch die Corona-Auflagen deutlich eingeschränkt war und es somit weniger Gelegenheit für Straftaten gab. Jelpke sagte unserer Redaktion: „Wir haben es bei den gemeldeten Straftaten nur mit der Spitze des Eisberges zu tun.“ Zudem werde ein Großteil der Übergriffe von Betroffenen aus Scham oder Scheu vor den Behörden gar nicht erst zur Anzeige gebracht.

Jelpke forderte zudem ein wirksames Antidiskriminierungsrecht, „damit es nicht nur bei Lippenbekenntnissen im Kampf gegen die Diskriminierung von Muslimen bleibt.“ Denn der Hass von in der Regel rechtsextremen und rassistischen Tätern auf Muslime „äußert sich auf vielfältige Weise“, sagte die Linken-Politikerin. Dazu zählten Morddrohungen gegen Imame und tätliche Angriffe, Steine auf Moscheen, heruntergerissene Kopftücher bei Muslimas oder auch hinterher gerufene Beleidigungen.

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