Langjährige Haftstrafen : So reagiert Puigdemont auf Urteile gegen Separatistenführer

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Die Angeklagten: Joaquim Form (erste Reihe, l-r), Raul Romeva, Oriol Junquera, Josep Rull (zweite Reihe, l-r), Jordi Turull, Jordi Sanchez, Dolors Bassa (dritte Reihe, l-r), Carmen Forcadell, Jordi Cuixart, Meritxell Borras (hintere Reihe, l-r), Santiago Vila und Carles Mundo.
Die Angeklagten: Joaquim Form (erste Reihe, l-r), Raul Romeva, Oriol Junquera, Josep Rull (zweite Reihe, l-r), Jordi Turull, Jordi Sanchez, Dolors Bassa (dritte Reihe, l-r), Carmen Forcadell, Jordi Cuixart, Meritxell Borras (hintere Reihe, l-r), Santiago Vila und Carles Mundo.

Neun der zwölf angeklagten katalanischen Separatistenführer sind zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

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14. Oktober 2019, 09:51 Uhr

Madrid | Im historischen Prozess gegen die katalanischen Separatistenführer hat das Oberste Gericht in Madrid neun der Angeklagten am Montag des Aufruhrs für schuldig gesprochen. Von einer Verurteilung wegen des von der Staatsanwaltschaft eingebrachten Vorwurfs der Rebellion, der mit Gefängnisstrafen von bis zu 25 Jahren geahndet wird, sahen die Richter ab.

Die Angeklagten wurden zu langjährigen Haftstrafen von bis zu 13 Jahren verurteilt. Zudem seien einige von ihnen der Veruntreuung öffentlicher Gelder schuldig, hieß es. Drei weitere angeklagte Ex-Politiker wurden des Ungehorsams schuldig gesprochen.

Der frühere katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont übte scharfe Kritik an dem Urteil. "Eine Ungeheuerlichkeit", schrieb Puigdemont am Montag im Kurzbotschaftendienst Twitter. Nun müsse reagiert werden wie nie zuvor. "Für die Zukunft unserer Söhne und Töchter", fügte er hinzu.


Verbotenes Unabhängigkeitsreferendum

Bei dem Verfahren ging es um die Rolle der Separatistenführer bei dem verbotenen Unabhängigkeitsreferendum vom 1. Oktober 2017 und einem daraus resultierenden Unabhängigkeitsbeschluss der Regionalregierung in Barcelona. Hauptangeklagter war der frühere stellvertretende Regionalpräsident Oriol Junqueras. Der Großteil der Angeklagten sitzt bereits seit zwei Jahren in Untersuchungshaft.

Der Prozess war Mitte Juni nach vier Monaten mit den Schlussplädoyers der Angeklagten zu Ende gegangen. Diese riefen dabei fast ausnahmslos dazu auf, den Dialog zu suchen und eine politische Lösung für den Konflikt in der Region im Nordosten des Landes zu finden.

Carles Puigdemont nach Belgien geflohen

Insgesamt wurden in dem Mammutprozess fast 600 Zeugen vernommen, darunter der konservative frühere Ministerpräsident Mariano Rajoy, in dessen Amtszeit das Referendum fiel. Im Herbst 2017 hatte Rajoy die Regionalregierung abgesetzt und Katalonien monatelang unter Zwangsverwaltung gestellt. Der damalige Regionalchef Carles Puigdemont und andere Politiker flohen nach Belgien, um einer Festnahme zu entgehen.

Foto: AFP/Kenzo Tribouillard
AFP/Kenzo Tribouillard
Foto: AFP/Kenzo Tribouillard


In Katalonien werden nun heftige Proteste von Unabhängigkeitsbefürwortern befürchtet. Diese hatten der Justiz vorgeworfen, ein Exempel statuieren zu wollen, und betrachten die Verurteilten als "politische Gefangene". Auch Puigdemonts Nachfolger Quim Torra gibt sich kämpferisch und hat zu einer "massiven Mobilisierung" aufgerufen. Am Flughafen von Barcelona sowie in den Bahnhöfen und Häfen der Region wurde die Zahl der Sicherheitskräfte schon im Vorfeld des Urteils massiv erhöht.

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