Regierung: Prüfung wird noch Jahre dauern : Parkinson durch Pestizide: Linke fordert Anerkennung als Berufskrankheit

Haben Gärtner und Bauern ein höheres Risiko an Parkinson zu erkranken, weil sie viel mit Pestiziden hantieren? Foto: dpa
Haben Gärtner und Bauern ein höheres Risiko an Parkinson zu erkranken, weil sie viel mit Pestiziden hantieren? Foto: dpa

Wer durch seine Arbeit krank wird, dem hilft der Staat. 80 sogenannte Berufskrankheiten gibt es. Parkinson bei Bauern, Winzern und Gärtnern gehört nicht dazu. Zumindest in Deutschland – in Frankreich schon. Die Linken fordern auch hierzulande die Anerkennung.

shz.de von
14. August 2019, 02:44 Uhr

Osnabrück | Osnabrück. In Frankreich ist Parkinson als Berufskrankheit bei Landwirten, Winzern und Gärtnern bereits anerkannt, in Deutschland wird die entsprechende Prüfung noch einige Jahre dauern. Das hat die Bundesregierung jetzt auf Anfrage der Links-Partei mitgeteilt.

Linken-Agrarexpertin Kirsten Tackmann dauert das zu lange. Sie sagte dem Blatt: „Die Linke fordert nicht nur einen Abschluss des Prüfvorgangs innerhalb eines Jahres, sondern endlich auch die längst überfällige Anerkennung als Berufskrankheit.“ Es sei zynisch, Betroffenen weiter Hilfe zu verweigern, so Tackmann.

Überprüfung läuft - dauert aber noch

Im Juni hatte der zuständige Ärztliche Sachverständigenbeirat der Bundesregierung in einem ersten Schritt die „generelle Geeignetheit“ von Parkinson als Berufskrankheit bei Agrarberufen festgestellt. Jetzt soll in einem zweiten Schritt wissenschaftlich ergründet werden, ob Berufsvertreter aufgrund ihres Umgangs mit Pestiziden ein „erheblich höheres Erkrankungsrisiko gegenüber der Allgemeinbevölkerung aufweisen“, schreibt das Bundesarbeitsministerium. Es sei von einem „mehrjährigen Beratungszeitraum auszugehen“.

Frankreich hat die entsprechende Anerkennung bereits 2012 per Dekret vollzogen. Die Bearbeitungszeiten in Deutschland seien „inakzeptabel lang“, so Tackmann.

Wissenschaftlerin: Zusammenhang unstrittig

Studien hatten in den vergangenen Jahren einen Zusammenhang zwischen Parkinson und Pestiziden erkannt, die im Agrarsektor verwendet werden oder worden sind. Beate Ritz, Professorin für Epidemiologie an der Universität Kalifornien sagte unserer Redaktion: „Es gibt reichlich Hinweise darauf in der Forschung. Das ist meiner Meinung nach unstrittig.“ Parkinson müsse als Berufskrankheit im Agrarsektor anerkannt werden, so ihre Schlussfolgerung.

Bei einer entsprechenden Anerkennung haben Betroffene Anrecht auf Leistungen aus der Gesetzlichen Unfallversicherung. Das können beispielsweise Reha-Kosten oder Rentenzahlungen sein.

Verdacht auf Berufskrankheit – was zu tun ist PGRpdj5TdMOkbmRpZ2VyIEF1c3NjaGxhZyBhbiBkZW4gSMOkbmRlbiBvZGVyIEFzdGhtYTogQmVpIG1hbmNoZW0gQmV0cm9mZmVuZW4gbWl0IHNvbGNoZW4gU3ltcHRvbWVuIGxpZWd0IGRlciBWZXJkYWNodCBuYWhlLCBkYXNzIGRpZSBHZXN1bmRoZWl0c3Byb2JsZW1lIGlocmUgVXJzYWNoZSBpbiBkZW4gQXJiZWl0c2JlZGluZ3VuZ2VuIGhhYmVuLiBEZXIgYmVoYW5kZWxuZGUgQXJ6dCBrYW5uIGRlbiBGYWxsIGRhbm4gYmVpIGRlciB6dXN0w6RuZGlnZW4gQmVydWZzZ2Vub3NzZW5zY2hhZnQgb2RlciBVbmZhbGxrYXNzZSBtZWxkZW4sIGVybMOkdXRlcnQgRWxrZSBCaWVzZWwgdm9uIGRlciBEZXV0c2NoZW4gR2VzZXR6bGljaGVuIFVuZmFsbHZlcnNpY2hlcnVuZy4gRWluZSBhbmRlcmUgTcO2Z2xpY2hrZWl0IGlzdCBlcywgc2ljaCBkaXJla3QgYW4gZGllIEJlcnVmc2dlbm9zc2Vuc2NoYWZ0IG9kZXIgZGllIFVuZmFsbGthc3NlIHp1IHdlbmRlbi4gSW0gSmFociAyMDE1IGdhYiBlcyBpbiBEZXV0c2NobGFuZCBpbnNnZXNhbXQgNzYgOTkxIEFuemVpZ2VuIG1pdCBkZW0gVmVyZGFjaHQgYXVmIGVpbmUgQmVydWZza3JhbmtoZWl0LiBEZXIgVmVyZGFjaHQgd3VyZGUgaW4ga25hcHAgZGVyIEjDpGxmdGUgZGVyIEbDpGxsZSAoMzcgMTQ5KSBiZXN0w6R0aWd0LiZuYnNwOzxicj48L2Rpdj48ZGl2Pk5hY2ggZGVtIEdlc2V0eiBnaWx0IGVpbmUgRXJrcmFua3VuZyBudXIgZGFubiBhbHMgYmVydWZsaWNoIGJlZGluZ3QsIHdlbm4gc2llIGluIGRlciBCZXJ1ZnNrcmFua2hlaXRlbi1MaXN0ZSBhdWZnZWbDvGhydCBpc3QuIEluIGRlciBkZXJ6ZWl0aWdlbiBGYXNzdW5nIHNpbmQgZG9ydCA4MCBLcmFua2hlaXRlbiBhdWZnZW5vbW1lbi4KPC9kaXY+PGRpdj5OYWNoIGRlciBBbnplaWdlIGRlcyBWZXJkYWNodHMgYmVnaW5udCBkZXIgVW5mYWxsdmVyc2ljaGVydW5nc3Ryw6RnZXIgenUgZXJtaXR0ZWxuLiBMaWVndCBlaW5lIEJlcnVmc2tyYW5raGVpdCB2b3IsIHdpcmQgYXVmIHZlcnNjaGllZGVuZW4gV2VnZW4gdmVyc3VjaHQsIHNpZSB6dSBtaWxkZXJuIHVuZCB6dW1pbmRlc3QgZWluZW4gc2NobGltbWVyIHdlcmRlbmRlbiBWZXJsYXVmIGF1Znp1aGFsdGVuLiBCZWkgZWluZXIgQmVlaW50csOkY2h0aWd1bmcgbWl0IGVpbmVyIE1pbmRlcnVuZyBkZXIgRXJ3ZXJic2bDpGhpZ2tlaXQgdm9uIG1pbmRlc3RlbnMgMjAgUHJvemVudCB3aXJkIHp1ZGVtIGVpbmUgUmVudGUgZ2V6YWhsdC4gRGFzIGlzdCBhbGxlcmRpbmdzIGVoZXIgc2VsdGVuIGRlciBGYWxsOiBWb24gZGVuCjwvZGl2PjxkaXY+MzcgMTQ5IEbDpGxsZW4sIGJlaSBkZW5lbiBzaWNoIDIwMTUgZGVyIEJlcnVmc2tyYW5raGVpdHN2ZXJkYWNodCBiZXN0w6R0aWd0IGhhdCwgd3VyZGUgaW4gNTA0OSBGw6RsbGVuIGVpbmUgUmVudGUgenVlcmthbm50Lgo8L2Rpdj48ZGl2PkRvY2ggd2FzIGlzdCwgd2VubiBkZXIgVW5mYWxsdmVyc2ljaGVydW5nc3Ryw6RnZXIgZGllIEJlcnVmc2tyYW5raGVpdCBlcnN0IGdhciBuaWNodCBhbmVya2VubnQ/IEluIGRpZXNlbSBGYWxsIGvDtm5uZW4gQmV0cm9mZmVuZSB6dW7DpGNoc3QgZWluZW4gV2lkZXJzcHJ1Y2ggZWlubGVnZW4uIEJyaW5ndCBkaWVzZXIgbmljaHRzIGVpbiwgZ2lidCBlcyBub2NoIGRpZSBNw7ZnbGljaGtlaXQgZGVyIEtsYWdlIHZvciBkZW0gU296aWFsZ2VyaWNodC4gKGRwYSk8L2Rpdj4=


Insgesamt 80 Krankheiten stehen derzeit auf der Berufskrankheiten-Liste. Parkinson zählt nicht dazu. Aus der Antwort der Bundesregierung geht hervor, dass in den vergangenen Jahren insgesamt 47 „ärztliche Verdachtsanzeigen aufgrund von Pestizid-Exposition“ bei der für Agrarberufe zuständigen Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) eingegangen sind. In keinem Fall erfolgte die Anerkennung als Berufskrankheit.

Betroffenen bleibt noch die Möglichkeit, eine Anerkennung als „Wie Berufskrankheit“ zu stellen. So sollen auch Einzelfälle bei nachweislichem Zusammenhang zwischen Erkrankung und Beruf zu ihrem Recht kommen. Zwischen 2001 und 2007 gelang das vier Beschäftigten aus dem Bereich Landwirtschaft. Seitdem niemandem mehr. Wie die Bundesregierung mitteilt, haben die vier Erkrankten seit dem Jahr 2013 Zahlungen in Höhe von fast 550.000 Euro für Reha oder Rente erhalten. ^

Ein Gärtner aus Hagen im Osnabrücker Land versucht die Anerkennung vor Gericht zu erzwingen. Im Juni hatte Ulrich Elixmann (Foto) mit unserer Redaktion gesprochen und unter anderem davon berichtet, wie damals mit Pflanzenschutzmitteln hantiert wurde.

Foto: Dirk Fisser
Foto: Dirk Fisser


Elixmann sagte: „Heute kann man sich gar nicht mehr vorstellen, wie sorglos mit den Pestiziden umgegangen wurde." Handschuhe und Mundschutz seien nicht verwendet worden. Andere Betroffene aus der Landwirtschaft schilderten, dass verstopfte Düsen von Giftspritzen mit dem Mund frei gepustet wurden. Einige der damals eingesetzten Stoffe sind in Europa mittlerweile nicht mehr zugelassen.

Auf welche Wirkstoffe sich die Prüfung des Expertengremiums der Bundesregierung konzentriert, ist indes unklar. Das Bundesarbeitsministerium wollte das auf Anfrage nicht mitteilen.


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