Indizien zu Skripal- und MH17-Verstrickung : Niederlande: Hackerangriff russischer Spione auf OPCW vereitelt

Ziel von Hackern: Der Sitz der OPCW in Den Haag. Foto: imago/Laurens van Putten / Hollandse Hoogte
Ziel von Hackern: Der Sitz der OPCW in Den Haag. Foto: imago/Laurens van Putten / Hollandse Hoogte

Die niederländische Regierung hat vier Russen ausgewiesen, die umfangreiche Cyberangriffe geplant haben sollen.

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04. Oktober 2018, 13:20 Uhr

Amsterdam | Die Niederlande haben nach eigenen Angaben einen Angriff des russischen Geheimdienstes auf die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) in Den Haag vereitelt. Vier russische Spione seien bereits im April aus dem Land ausgewiesen worden, teilte Verteidigungsministerin Ank Bijleveld am Donnerstag in Den Haag mit. Die vier Spione hatten den Angaben zufolge geplant, in das Computernetzwerk der OPCW einzudringen.

Bereits im September war bekannt geworden, dass zwei russische Spione im April aus den Niederlanden ausgewiesen wurden. Sie sollen auf dem Weg in die Schweiz gewesen seien, um dort ein Labor der OPCW zu hacken. Der niederländische militärische Geheimdienst machte nun die Fotos und Namen der insgesamt vier Männer bekannt.

Sie waren den Angaben zufolge am 10. April mit Diplomatenpässen in die Niederlande eingereist und dort von einem Angehörigen der russischen Botschaft empfangen worden. Die Verbindung zum russischen Geheimdienst GRU legten zudem eine Taxiquittung und verdächtige Handy-Aktivitäten nahe, berichtet der Sender BBC.

Spionage-Hardware im Auto

Die Organisation OPCW ermittelt im Zuge des Giftanschlags auf den Ex-Spion Sergeij Skripal in Großbritannien und dem Giftgas-Angriff im syrischen Douma. In beiden Fällen hatte der Kreml eine Verstrickung in die chemischen Attacken abgestritten. Die GRU-Agenten hätten ein Auto gemietet und seien mehrfach in der Nähe der OPCW-Zentrale geortet worden. Am 13. April wurden sie vorläufig festgenommen. Im Kofferraum des Autos fanden die Ermittler Spezialgeräte für Hacker-Angriffe.

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Auf dem Laptop eines Verdächtigen hätten sich zudem Indizien befunden, die auf eine Verstrickung des russischen Nachrichtendienstes mit dem Abschuss des Passagierflugzeugs MH17 hinweisen. Das Flugzeug der Malaysia Airlines war am 17. Juli 2014 von Amsterdam nach Kuala Lumpur unterwegs und in der Ukraine abgestürzt. Laut BBC war der Laptop in einem malaysischen Hotel benutzt worden, wo auch die Ermittler nächtigte, die den Absturz untersuchten. Die Hacker hätten von dort versucht, in die Ermittlungen zum MH17-Crash einzugreifen.

Den kompletten Bericht des Verteidigungsministeriums finden Sie hier (Niederländisch)

Am Donnerstagnachmittag solle Anklage gegen die vier Männer erhoben werden. Der russische Botschafter sei bereits ins niederländische Außenministerium einberufen worden.

London: Russen verübten Hackerangriff auf Bundestag

Hinter den Hackerangriffen auf den Deutschen Bundestag und das Datennetzwerk des Bundes soll nach Erkenntnissen der britischen Cyberabwehr ebenfalls der russische Militärgeheimdienst GRU stecken. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Liste des National Cyber Security Centre steht der GRU in Verbindung mit der Hackergruppe "APT 28", die für die Attacken in Deutschland verantwortlich gemacht wird. Experten gingen bereits davon aus, die offizielle Anschuldigung aus London untermauert nun den Verdacht. Russland wies den Vorwurf umgehend zurück.

Bei dem Angriff auf den Bundestag im Jahr 2015 hatten sich Angreifer so weitreichenden Zugang verschafft, dass die Bundestags-IT ausgetauscht werden musste. Bei dem im Februar bekannt gewordenen Angriff auf das sensible Datennetzwerk des Bundes und der Sicherheitsbehörden hatten Cyberspione unter anderem erfolgreich das deutsche Außen- und das Verteidigungsministerium attackiert. Dabei sollen sie auch Daten erbeutet haben.

Großbritannien veröffentlichte eine Liste von zwölf Hackergruppen, hinter den der GRU stecke, und warf Russland damit vor, für eine weltweite Serie von Cyberangriffen verantwortlich zu sein. Das britische National Cyber Security Center hat nach eigenen Angaben herausgefunden, dass der russische Geheimdienst GRU "so gut wie sicher" für Attacken gegen die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA und die US-Präsidentschaftswahlen 2016 verantwortlich ist. Zudem schreibt es dem GRU auch Angriffe zu, die unter anderem einen Flughafen in der Ukraine sowie eine TV-Station in Großbritannien trafen.

Klare Worte auch von Nato-Generalsekretär

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat Russland aufgefordert, unverzüglich die Hackerangriffe auf ausländische Computer und Datennetze einzustellen. "Moskau muss seine rücksichtlose Verhaltensweise beenden", sagte der Norweger am Donnerstag nach Beratungen bei einem Verteidigungsministertreffen in Brüssel. Er verwies zudem darauf, dass Großbritannien und die Niederlande bei ihrem Vorgehen gegen derartige Angriffe die Solidarität der Bündnispartner haben.

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