Gegen Unwissenheit über Landwirtschaft : Landfrauen-Präsidentin fordert Pflichtbesuche auf Bauernhöfen

Ein Mädchen besucht einen Bauernhof. Geht es nach der Präsidentin des Landfrauenverbandes sollte das Pflicht in den Lehrplänen werden. Foto: Patrick Pleul/dpa
Ein Mädchen besucht einen Bauernhof. Geht es nach der Präsidentin des Landfrauenverbandes sollte das Pflicht in den Lehrplänen werden. Foto: Patrick Pleul/dpa

Die Kuh ist lila und die Milch kommt aus dem Supermarkt – viele Landwirte beklagen, dass die Gesellschaft den Bezug zur Lebensmittelproduktion verloren hat. Petra Bentkämper, Präsidentin des Deutschen Landfrauenverbandes, hat eine Idee, wie sich das ändern lässt: Sie will Schulklassen auf Bauernhöfe schicken.

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09. November 2019, 03:22 Uhr

Osnabrück | Im Interview mit unserer Redaktion forderte Bentkämper entsprechende Pflichtbesuche: „Jedes Kind müsste mindestens einmal in der Schulzeit einen Bauernhof besuchen. Das muss sich doch in den Lehrplan integrieren lassen.“ Die Präsidentin des 500.000 Mitglieder zählenden Verbandes kritisierte die Entfremdung der Menschen von der Nahrungsmittelproduktion, da gebe es oft „null Beziehung“. Das mache sie häufig fassungslos, so Bentkämper (Foto).

Foto: imago images/Metodi Popow
M. Popow via www.imago-images.de
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Bundesagrarministerin Julia Klöckner pflichtete ihr auf Anfrage unserer Redaktion bei: Der Bezug zur Urproduktion sei vielen verloren gegangen, teilte die CDU-Politikerin mit. Ein Besuch auf Bauernhöfen sei wichtig, „denn das vermittelte Wissen aus Büchern oder Medien hat häufig nichts mit der Realität auf einem modernen Bauernhof zu tun.“

Bentkämper fordert Aufwandsentschädigung für Bauern

Klöckner verwies auf die Initiative „Lernort Bauernhof“, über die Kitas oder Schulen und Landwirte zusammengeführt werden. Das Projekt werde vom Bundesministerium unterstützt. „Jeder Schüler, der einen Bauernhof in jungen Jahren kennengelernt hat, denkt anders, mehr wertschätzend“, befand Klöckner.

Lehrpläne sind indes Sache der Bundesländer. Als Vorbild nannte Bentkämper im Interview Bayern: „Da bekommt die entsprechend ausgebildete Bäuerin einen kleinen dreistelligen Betrag als Aufwandsentschädigung. Das fordere ich auch für den Rest der Republik.“ Kostenlos könnten die Betriebe die Zusatzaufgaben durch die Betreuung des Nachwuchses nämlich nicht stemmen, findet die Landfrauenpräsidentin.

So regeln es die Nordländer

Schleswig-Holstein fördert Besuche im Zuge des Projekts „Schulklassen auf dem Bauernhof“. Bis Ende 2020 stehen 35.000 Euro für teilnehmende Betriebe zur Verfügung – 100 Euro Zuschuss sollen Landwirte pro Besuch erhalten. Laut Kultusministerin Karin Prien (SPD) wecke das Projekt nicht nur Verständnis für Landwirtschaft, sondern „kann auch dazu beitragen, dass weniger Lebensmittel weggeworfen werden“.

Foto: dpa/Patrick Pleul
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Das Agrarministerium in Mecklenburg-Vorpommern verwies auf das Projekt „Lernen auf dem Bauernhof“, das im Mai 2018 gestartet worden ist. In dem Rahmen fanden organisiert über Kreisbauernverbände 47 Hofbesuche statt, an denen 3155 Schüler teilnahmen. Zum Vergleich: etwa viereinhalb Mal so viele Schüler wurden zuletzt in Mecklenburg-Vorpommern eingeschult.

Kritisch bewertet das Schweriner Ministerium indes eine verpflichtende Einbindung der Bauernhofbesuche in den Lehrplan. Auch die Landesregierung in Niedersachsen reagiert zurückhaltend. Vom Kultusministerium in Hannover heißt es, die Themen Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion gehörten zum Bildungsauftrag und seien „selbstverständlicher Teil von Schule“.

Bauernhofbesuche regelten Schulen und Landwirte aber „in bewährter Art und Weise“ eigenverantwortlich, das Ministerium wolle sich hier nicht einmischen. „Von einer Verpflichtung halten wir nichts", so die Rückmeldung aus Hannover.

Das vollständige Interview mit Landfrauen-Präsidentin Petra Bentkämper lesen Sie hier.

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