Kinder- und Jugendarztpräsident : Thomas Fischbach gegen „Großelternverbot“ wegen Corona

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Mit den Großeltern schmusen, das birgt in Zeiten der Corona-Verbreitung das Risiko einer Ansteckung.
Mit den Großeltern schmusen, das birgt in Zeiten der Corona-Verbreitung das Risiko einer Ansteckung.

Großeltern gehörten aufgrund von Alter oder Vorerkrankungen zwar zur Risikogruppe, aber Kuschel-Zurückhaltung reiche.

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13. März 2020, 06:00 Uhr

Berlin | Ältere Menschen sterben besonders häufig am Corona-Virus. Sollten Enkelkinder deswegen nicht mehr von ihren Großeltern betreut werden, wie es Virologen fordern? Kinder- und Jugendarztpräsident Thomas Fischbach widerspricht energisch.

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"Es gibt so wenige Kinder, die an Corona erkrankt sind, dass ich so eine pauschale Forderung für übertrieben halte“, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) im Interview mit sh:z. Großeltern gehörten aufgrund von Alter oder Vorerkrankungen zwar zur Risikogruppe. „Als Kinder- und Jugendarzt halte ich diese Maßnahme zurzeit dennoch nicht für erforderlich.“
 

Kinder- und Jugendarztpräsident Thomas Fischbach hält ein 'Großelternverbot' wegen des Coronavirus für 'übertrieben'.
dpa/BVJK
Kinder- und Jugendarztpräsident Thomas Fischbach hält ein "Großelternverbot" wegen des Coronavirus für "übertrieben".


Fischbach reagierte auf Forderungen unter anderem von Charité-Chefvirologe Christian Drosten, der in einem Rundfunkinterview unter Verweis auf die hohe Sterblichkeitsrate bei älteren Corona-Erkrankten gesagt hatte: „Kinder sollten bis September, Oktober nicht mehr zu Oma und Opa zur Betreuung gegeben werden."

Weiterlesen: Christian Drosten: Das Corona-Frühwarnsystem der Republik

BVKJ-Präsident Fischbach sagte dazu: „Es würde wohl ausreichen, die Kinder zu bitten, nicht mit Oma oder Opa zu kuscheln und sich oft die Hände zu waschen.“ In vielen Familien würden Großeltern bei der Kinderbetreuung helfen, wenn die Eltern arbeiten, gab Fischbach zu bedenken. Es gehe nicht nur um Familienbesuche. „Hier sollten wir Maß und Mitte im Auge behalten. Klar ist: Wenn die Kinder krank sind, bitte nicht zu Oma oder Opa schicken. Die Regel sollte man ganz unabhängig von Corona befolgen.“

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