"Mord in sieben Minuten" : Fall Khashoggi: Türkei bestätigt grausame Details aus Tonaufnahmen

Türkeis Außenminister Mevlut Cavusoglu berichtet von entsetzlichen Tonaufnahmen.
Türkeis Außenminister Mevlut Cavusoglu berichtet von entsetzlichen Tonaufnahmen.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hat sich den Mitschnitt angehört, sagt er in einem Zeitungsinterview.

shz.de von
27. November 2018, 11:37 Uhr

Istanbul/Buenos Aires/Tunis | Wenige Tage vor Beginn des G20-Gipfels hat die Türkei Details im Mordfall des kritischen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi genannt. "Er wurde innerhalb von sieben Minuten getötet. Es war vorsätzlicher Mord", sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstag). Er selbst habe sich die Tonaufnahmen angehört, die den Mord im saudischen Konsulat in Istanbul belegen sollen.

"Es ist zu hören, wie der Gerichtsmediziner die anderen instruiert: Sie sollten Musik hören, während er den Körper zerteilt. Man merkt, dass er es genießt." Weiter sagte Cavusoglu: "Er zerteilt gerne Menschen. Es ist ekelhaft." Details, wie die türkischen Behörden an die Aufzeichnungen aus dem saudischen Konsulat gekommen seien, nannte Cavusoglu nicht.

Khashoggi plante Heirat

In türkischen Medien waren bereits zuvor Details aus den Tonaufnahmen – wie etwa über die Zerteilung der Leiche – veröffentlicht worden. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte Mitte November zwar bestätigt, dass seine Regierung im Besitz von Aufnahmen aus dem Konsulat zum Mord an Khashoggi sei, selbst aber keine Einzelheiten preisgegeben.

Der im US-Exil lebende Journalist Khashoggi war Anfang Oktober ins saudische Konsulat in Istanbul gegangen, um Papiere für seine Hochzeit abzuholen und kam nicht mehr heraus. Erst unter immensem internationalen Druck gab Saudi-Arabien die Tötung des Journalisten zu. Die Leiche Khashoggis wurde noch nicht gefunden.

Inzwischen häufen sich Hinweise auf eine Verwicklung des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman in den Fall. Am Montag hatten die türkischen Ermittler zwei Luxusvillen eines Saudis in der Provinz Yalova südlich von Istanbul durchsucht. Die Zeitung "Hürriyet" berichtete am Dienstag, die beiden Villen gehörten einem "sehr engen Freund" des Kronprinzen.

Türkei verdächtigt Führung der Saudis

Saudi-Arabien weist eine Verwicklung des Thronfolgers zurück. Erdogan sieht "höchste Kreise" in Saudi-Arabien involviert. Auf dem G20-Gipfel in Buenos Aires, der am Freitag beginnt, könnte es zum ersten Mal nach dem Tod Khashoggis zu einem Treffen zwischen dem Kronprinzen und Erdogan kommen. Cavusoglu sagte der "Süddeutschen Zeitung", es gebe "keinen Grund", den Kronprinzen nicht zu treffen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat unterdessen in Argentinien Anzeige gegen Mohammed bin Salman erstattet. Der Prinz solle wegen der Folterung und Tötung Khashoggis bei seiner Teilnahme am bevorstehenden G20-Gipfel in Buenos Aires verhaftet werden, beantragte die Organisation bei einem Bundesgericht der argentinischen Hauptstadt.

Der saudische Kronprinz befindet sich derzeit noch auf einer Reise zu mehreren "befreundeten" arabischen Staaten. Nach Aufenthalten in Bahrain und Ägypten stand am Dienstag ein Zwischenstopp in Tunesien auf dem Programm. Ein breites Bündnis von Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften protestierte gegen den Besuch.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen