Kommentar : Ibiza-Affäre: Strache ist nicht allein

Krachend gescheitert: Heinz-Christian Strache (FPÖ) ist als österreichischer Vizekanzler zurückgetreten und die Regierung gescheitert. Das Land steht vor Neuwahlen. Foto: Ronald Zak/AP/dpa.
Krachend gescheitert: Heinz-Christian Strache (FPÖ) ist als österreichischer Vizekanzler zurückgetreten und die Regierung gescheitert. Das Land steht vor Neuwahlen. Foto: Ronald Zak/AP/dpa.

Den "Saubermann" Strache traf es zurecht. Trotzdem bleiben Fragen. Warum ist in seinem Fall edle Aufklärung, was ansonsten auch schon mal üble Kampagne war? Ein Kommentar.

shz.de von
21. Mai 2019, 16:41 Uhr

Flensburg | Das sollen diese Saubermänner sein, die den ach so verrotteten Altparteien den Marsch blasen wollen? Heinz-Christian Straches Unbedarftheit mag man noch verstehen, vielleicht sogar verzeihen. Mit einer perfiden Falle wie der, in die er tappte, sollte im politischen Raum keiner rechnen müssen. Unentschuldbar aber sind die charakterlichen Schwächen und die latente Korruptheit, die durch die Veröffentlichungen offenbar wurden.

Mit dem Ex-Chef der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) traf es also den Richtigen. Trotzdem beschleicht einen der Verdacht, dass es mit falschen Mitteln geschah. Man denke an Jürgen Möllemann, der unter der Last halbseidener Geldflüsse, aber auch maßloser Feme zusammenbrach und den Freitod wählte. Man denke an Uwe Barschel. Ein Privatdetektiv sollte zu seinem Nutzen in Björn Engholms Leben nach Schwachstellen suchen. Damals galt das als Schmutzkampagne. Welcher Art ist dann die Kampagne, Verfehlungen eines Gegners unter dessen Täuschung selbst zu provozieren, heimlich zu dokumentieren und erst lange später zum genehmen Termin zu dessen Schaden zu verwenden? Vielleicht nur deshalb, weil eine Erpressung nicht anschlug? Wer weiß das denn?

Auch Hillary Clinton fällt einem ein. Sie hatte als US-Außenministerin zahllose intrigante E-Mails von privaten Konten aus geschrieben. So konnte sie die Verpflichtung umgehen, ihren dienstlichen Schriftverkehr gegebenenfalls offenlegen zu müssen. Als Wikileaks die Korrespondenz veröffentlichte, sah darin die halbe Welt eine unbotmäßige und potenziell illegale Wahlbeeinflussung. Beeinflusst das Ibiza-Video die EU-Wahl in Österreich denn nicht? Und wenn es hier in seiner entlarvenden Wirkung ganz zurecht geschieht, wieso war es in den USA ein Skandal? Geht es um Aufklärung, oder um Macht?

So sehr einem Straches Auftritt die Augen öffnet oder das bestehende Urteil über ihn bestätigte, so sehr muss klar sein, dass die Mittel kein Ruhmesblatt sind und der FPÖ-Politiker kein Einzelfall ist.

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