Nachfolge als EU-Kommissionspräsident : Ex-Premier und Triathlet: Alexander Stubb will EVP-Spitzenkandidat werden

War bis 2015 finnischer Premier: Alexander Stubb will die EU-Kommission leiten. Foto: imago/Scanpix/Mihkel Maripuu
War bis 2015 finnischer Premier: Alexander Stubb will die EU-Kommission leiten. Foto: imago/Scanpix/Mihkel Maripuu

Wer die EVP in den Wahlkampf vor der Europawahl im Mai 2019 führen soll, will die Partei im November entscheiden.

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02. Oktober 2018, 13:05 Uhr

Straßburg | Alexander Stubb hat mit seinen 50 Jahren schon eine Menge Ex in seiner Biografie: Ex-Regierungschef von Finnland, Ex-Parteichef, Ex-Außenminister, Ex-Europaminister, Ex-Finanzminister – ganz zu schweigen von seiner Vergangenheit als ehemaliges Mitglied der finnischen Golf-Nationalmannschaft. Nun nimmt der Konservative vom nördlichsten Ende der Europäischen Union ein neues Ziel in den Blick: Stubb will EU-Kommissionspräsident werden – und macht damit dem CSU-Politiker Manfred Weber Konkurrenz.

Weber hat seine Bewerbung um die Spitzenkandidatur der Europäischen Volkspartei für die Europawahl 2019 bereits angemeldet. Am Dienstag stieg nun Stubb mit einem Brief an EVP-Mitglieder ins Rennen ein. Die EVP entscheidet am 8. November in Helsinki, wen sie tatsächlich nominiert. Der Kandidat darf sich Chancen ausrechnen, Jean-Claude Juncker an der Spitze der mächtigen EU-Kommission zu beerben.

Scharfer Kontrast zu Juncker

Stubb, der in der finnischen Koalitionsarithmetik seine Regierungsposten verlor und seit 2017 Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank ist, wäre rein äußerlich ein scharfer Kontrast zu Juncker. Der wirkte zuletzt gebrechlich. Der drahtige Finne dagegen ist Triathlet und Marathonläufer, den Cooper-Ausdauer-Test nennt er seine Version des Glücks.

Politisch unterscheidet sich der ehemalige Europaabgeordnete weniger von Juncker und auch nicht so sehr von Weber: Alle drei bewegen sich in der EVP mittig zwischen konservativen und wirtschaftsliberalen Ansichten, alle drei sind tiefenüberzeugte Verfechter der Europäischen Union. Als Prioritäten nennt Stubb unter anderem Sicherheit, Migration, Arbeit, Freihandel und Klimaschutz und betont: "Es ist Zeit, sich hinter dem Ziel eines starken Europa zu sammeln."

Weber gibt sich als Niederbayer heimattreu und bodenständig. Stubb dagegen, den es schon als Kind in die USA verschlug und der in South Carolina, Brüssel und London studierte, präsentiert sich als vielsprachiger, weltläufiger und technikverliebter Nerd. Auf Twitter hat der verheiratete Vater zweier Kinder mehr als 31 000 Nachrichten versandt, auf Youtube erklärt er seine Formel für das Glück.

Das meint Stubb übrigens wörtlich: Die Formel heißt 8+8+8. Acht Stunden Schlaf, acht Stunden Arbeit, acht Stunden für sich. Mehr zu arbeiten, hält er für Unsinn. Ob er das in der EU-Schaltzentrale in Brüssel durchhalten könnte? Erstmal hinkommen, ist wohl die Devise.

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