Nach Hurrikan "Michael" : Donald Trump ändert seine Meinung zum Klimawandel: "Kein Scherz"

US-Präsident Donald Trump ändert seine Meinung zum Klimawandel.
US-Präsident Donald Trump ändert seine Meinung zum Klimawandel.

US-Präsident Donald Trump leugnet den Klimawandel nicht mehr. Die Schäden durch Hurrikan "Michael" bewogen ihn offenbar zum Umdenken.

shz.de von
15. Oktober 2018, 08:55 Uhr

Washington | US-Präsident Donald Trump hält den Klimawandel inzwischen für Realität, zweifelt aber an einer Verantwortung der Menschheit dafür. "Ich bestreite Klimawandel nicht", sagte Trump in einem am Sonntagabend (Ortszeit) ausgestrahlten Interview des US-Senders "CBS". "Aber er könnte sehr wohl wieder zurückgehen." Er wisse zudem nicht, ob Analysen von Wissenschaftlern zuträfen, wonach die Menschheit für die globale Erderwärmung verantwortlich sei. "Wissenschaftler haben eine politische Agenda", sagte Trump.

In der Zeit vor seiner Präsidentschaft hatte Trump wiederholt über Warnungen vor dem Klimawandel gespottet. So hatte er beispielsweise Ende 2013 auf Twitter geschrieben: "Globale Erderwärmung ist ein totaler, und sehr teurer, Scherz!"

Im vergangenen Jahr hatte er als Präsident den Ausstieg der USA aus dem von seinem Vorgänger Barack Obama mitverhandelten Pariser Klimaschutzabkommen angekündigt. In den vergangenen Tagen hatte der ungewöhnlich heftige Hurrikan "Michael" schwere Verwüstung in mehreren US-Bundesstaaten angerichtet.

Trump sagte "CBS": "Man sagt, dass wir Hurrikane hatten, die viel schlimmer waren, als was wir gerade mit ,Michael' hatten." Auf die Frage danach, wen er mit "man" meine, erwiderte Trump: "Leute sagen." Auf seine frühere Haltung zur Erderwärmung angesprochen, antwortete der Präsident: "Ich denke nicht, dass es ein Scherz ist." Trump betonte aber, er wolle durch Klimaschutzmaßnahmen nicht Millionen Jobs und Milliarden Dollar verlieren.

Erst vergangene Woche hatte der Weltklimarat der Vereinten Nationen in einem Sonderbericht rasches Handeln in allen Bereichen gefordert, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Zwar seien die Folgen für die Weltbevölkerung dann immer noch dramatisch. Eine Erwärmung um zwei Grad würde die Lebensgrundlagen für Hunderte Millionen Menschen aber noch viel stärker bedrohen, warnen die Experten.

Trump sieht russische Verwicklung in Attentate

In dem Interview äußerte sich Trump auch über eine mögliche Verstrickung des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Attentate. Der EU warf er erneut feindseliges Verhalten in Handelsfragen vor.

Auf die Frage, ob er zustimme, dass der russische Präsident in Attentate etwa durch Vergiftungen verwickelt sei, sagte Trump: "Wahrscheinlich ist er es, ja. Wahrscheinlich." Im persönlichen Umgang mit Putin trete er "sehr hart" auf, betonte der US-Präsident.

Trump war im Juli für einen Auftritt mit Putin nach einem Gipfeltreffen der beiden Präsidenten in Helsinki in die Kritik geraten. Für Entrüstung in den USA sorgte damals, dass sich Trump bei der Pressekonferenz mit Putin nicht klar hinter die eigenen Sicherheitsbehörden stellte, die Russland Einmischung in die US-Präsidentenwahl 2016 vorwerfen. Trump sagte in dem CBS-Interview, die Russen hätten sich eingemischt. "Aber ich denke, dass China sich auch eingemischt hat." Er halte China für das "größere Problem".

Der frühere russische Spion Sergej Skripal und seine Tochter Julia waren im März in Großbritannien mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet worden und nur knapp dem Tod entkommen. Großbritannien macht russische Agenten für den Giftanschlag verantwortlich.

Immer mehr Amerikaner glauben an zweite Amtszeit von Trump

Die USA, Deutschland, Frankreich und Kanada hatten im vergangenen Monat erklärt, dass sie den britischen Ermittlungsergebnissen voll vertrauten. Diese Ergebnisse beinhalten auch, dass "diese Operation mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auf hoher Regierungsebene gebilligt wurde". Russland dementiert jede Verantwortung für den Anschlag.

Der EU warf Trump erneut vor, die USA beim Handel zu benachteiligen. "Die Europäische Union wurde gebildet, um uns beim Handel auszunutzen", sagte der US-Präsient. Trump und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatten sich im Juli darauf geeinigt, den Handelskonflikt beilegen zu wollen. Eine konkrete Vereinbarung dazu gibt es bisher nicht.

Laut einer aktuellen Umfrage für den Sender CNN trauen immer mehr Amerikaner Trump eine Wiederwahl im Jahr 2020 zu. Demnach glauben 46 Prozent an eine weitere Amtszeit Trumps, 47 Prozent sehen seine Chancen dagegen skeptisch. Im März hatten noch 54 Prozent der Amerikaner an einer zweiten Amtszeit gezweifelt.

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