Kommentar : Der Westen verlor Afghanistan, weil er eigener Propaganda glaubte

Avatar_shz von 20. August 2021, 06:00 Uhr

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Musste einräumen, dass er die Lage falsch eingeschätzt hat: Außenminister Heiko Maas (SPD).
Musste einräumen, dass er die Lage falsch eingeschätzt hat: Außenminister Heiko Maas (SPD).

Kabul ist gefallen, Afghanistan verloren. Und wie reagiert der Westen? Der Triumph der Taliban sei nicht absehbar gewesen, behaupten Regierungen und Geheimdienste. Das ist dreist und legt eine Vermutung nahe.

Hamburg | Wie konnte es zu diesem Systemversagen in Afghanistan kommen? Viel spricht dafür, dass westliche Spitzenpolitiker Opfer der eigenen Propaganda geworden sind. Offensichtlich haben sie tatsächlich an die Erfolgsmeldungen aus den eigenen Reihen geglaubt. Opinary Iframe Auch der deutschen Öffentlichkeit wurde über Jahre vorgegaukelt, dass es in Afghanistan eine schlagkräftige Armee und Polizei gebe, die den Taliban Paroli bietet. Aber wie so oft in den 20 Jahren des Einsatzes war das Wunschdenken. Die afghanische Polizei war korrupt Die afghanische Polizei galt vielmehr als korrupt und in der Bevölkerung verhasst. Die Armee besaß weder Kampfmoral noch Disziplin. Sie hat nicht eine nennenswerte Schlacht ohne westliche Hilfe gewonnen. Schon mit Bidens Rückzugsankündigung hätte klar sein müssen, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Kabul fällt. Die Taliban haben 20 Jahre gegen das mächtigste Militärbündnis der Welt gekämpft und dafür viele Tote in Kauf genommen. Lächerlich, wie der Außenminister drohte Es ist deshalb keineswegs überraschend, wie der BND jetzt behauptet, dass die Radikalislamisten nicht vor den Toren Kabuls stoppten, als ein deutscher Außenminister damit drohte, Afghanistan die Entwicklungshilfe zu streichen. Related content Diese Mischung aus Naivität, Fehleinschätzungen und Unvermögen des Westens in der Endphase des Krieges hat verheerende Folgen, die jetzt leider viele Afghanen bitterlich zu spüren bekommen. Das Trauerspiel von Afghanistan Die Wut etlicher Veteranen über die gescheiterte Rückzugsstrategie ist verständlich. Viele Jahre beklagte die Bundeswehr ohnehin eine mangelnde Unterstützung und Desinteresse der Öffentlichkeit an ihrem Einsatz. Bei der Rückkehr der letzten Einheit war nicht einmal die Verteidigungsministerin vor Ort. Es gab kein Willkommen, keinen Dank, nichts. Dabei können die Soldaten, die ihr Leben riskiert haben, am wenigsten für das Trauerspiel von Afghanistan. Dass irgendwann ein Zapfenstreich nachgeholt werden soll, macht die Sache fast noch schlimmer. ...

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