Nahles-Kritiker Marco Bülow : Bundestagsabgeordneter erklärt SPD-Austritt: "Woanders besser aufgehoben"

Marco Bülow ist ein starker Kritiker der Großen Koalition.
Marco Bülow ist ein starker Kritiker der Großen Koalition.

Er gilt als einer der schärfsten Kritiker von Andrea Nahles.

shz.de von
26. November 2018, 22:45 Uhr

Berlin | Der SPD-Abgeordnete Marco Bülow tritt aus der SPD aus. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Parteikreisen. Der 47-Jährige will dem Bundestag aber offenbar weiter als fraktionsloser Abgeordneter angehören. Bülow ist seit Wochen ein scharfer Kritiker des Kurses von Parteichefin Andrea Nahles. Er hatte sich auch der "Aufstehen"-Bewegung von Linksfraktionschef Sahra Wagenknecht angeschlossen.

Auf seinem Blog veröffentlichte Bülow eine Stellungnahme. Darin erklärt er ausführlich die Beweggründe für seinen Austritt. Er bedauert die "Selbstzerstörung" der Partei, beobachtet eine "Entsozialdemokratisierung" und "Orientierungslosigkeit". Er betont, dass er Sozialdemokrat bleibe, meine aber, die Partei binde "Kräfte und Energie, die so viel zu wenig bewirken und woanders besser aufgehoben wären."

Ich war in der SPD, weil sie sich vor allem für die sozialen Belange der Menschen einsetzt und nicht, weil sie sich mit einem neoliberalen System abfindet, nur noch an Symptomen rumdoktert und sich häufig mächtigen Lobbyinteressen beugt, die nur Wenigen nutzt.

Marco Bülow

Für die ohnehin schon unter Druck stehende Nahles ist der Parteiaustritt eine weitere Hiobsbotschaft. Einzelheiten will Bülow an diesem Dienstag in einer Pressekonferenz in Berlin bekannt geben. Der gelernte Journalist vertritt den Wahlkreis Dortmund I. Er sitzt seit 2002 im Bundestag und ist seit 26 Jahren Parteimitglied.

Marco Bülow (vorne rechts), Andrea Nahles mit Andrea Nahles und Klaas Hübner während einer Diskussionsrunde 2004.
imago/Götz Schleser
Marco Bülow (vorne rechts), Andrea Nahles mit Andrea Nahles und Klaas Hübner während einer Diskussionsrunde 2004.

"Für viele keine Überraschung"

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Achim Post forderte ihn auf, sein Mandat zurückzugeben. "Die Entscheidung von Marco Bülow ist der Schlusspunkt einer längeren Entwicklung, die für viele keine Überraschung ist", sagte Post dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

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