Protest gegen Braunkohleabbau : Erneuter Protest: Hundertschaften räumen besetzte Häuser in Hambach

Der Konflikt um den Braunkohletagebau in Hambach nimmt nicht ab.
Der Konflikt um den Braunkohletagebau in Hambach nimmt nicht ab.

Die besetzten Gebäude gehören dem Energiekonzern RWE – der hat Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs gestellt.

shz.de von
08. November 2018, 13:51 Uhr

Kerpen | Die Polizei hat erneut Aktivisten aus zwei besetzten Häusern am Braunkohletagebau Hambach geholt. Die Beamten hätten die Besetzer am Donnerstag zunächst per Lautsprecherdurchsage aufgefordert, die Gebäude im Kerpener Ortsteil Manheim freiwillig zu verlassen, sagte ein Polizeisprecher.

Als die Braunkohlegegner das nicht taten, hätten Polizisten die knapp zehn Besetzer aus den Häusern geholt. Eine Person sei aus Protest auf ein Dach geklettert. Mehrere Hundertschaften seien im Einsatz gewesen.

Gebäude gehören Energiekonzern RWE

Das Dorf Manheim soll dem Tagebau weichen. Die besetzten Gebäude gehören dem Energiekonzern RWE, der Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs bei der Aachener Polizei gestellt hatte. (Weiterlesen: Kampf um Hambacher Forst: Riesiger Bagger von Aktivisten besetzt)

Ende Oktober hatte die Polizei bereits 13 besetzte Häuser geräumt und 23 Besetzer herausgeholt. Seit Wochen gibt es Konflikte zwischen der Polizei und Braunkohlegegnern, die die Ausweitung des Tagebaus Hambach verhindern wollen.

Seit Ende der Räumung der Baumhäuser im Hambacher Forst Anfang Oktober konzentriert sich die Besetzerszene offenbar auf leerstehende Häuser in Manheim. Binnen eines Monats seien dort mehr als 20 Strafanzeigen gestellt worden – zumeist wegen Hausfriedensbruchs, aber auch wegen Diebstahls oder Bedrohung. Das geht aus einem Bericht für den Innenausschuss des Landtags hervor. 13 Tatverdächtige seien auf frischer Tat ertappt worden. Die Polizei habe ihre Präsenz in Manheim intensiviert.

"Die Landesregierung duldet keine rechtsfreien Räume, auch nicht im Hambacher Forst", heißt es in einem Bericht von Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) für den Innenausschuss. Die Regierung werde auch "dafür Sorge tragen, dass keine Verfestigung unrechtmäßiger Zustände auf den Waldflächen eintritt".

Die Polizei hatte bis Anfang Oktober mehr als 80 Baumhäuser im Hambacher Forst geräumt und entfernt. Schon kurz darauf begannen Aktivisten mit der Errichtung neuer Baumhäuser. Mitte Oktober seien dort zwei seit Jahren polizeibekannte Angehörige der Waldbesetzerszene aufgespürt worden, hieß es weiter.

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