Kommentar zur Trecker-Kundgebung : Bauerndemo in Berlin: Heute einer für alle, morgen wieder jeder gegen jeden

Bauern-Demo in Berlin. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka
Bauern-Demo in Berlin. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Tausende Trecker in Berlin: Landwirte demonstrieren in der Bundeshauptstadt gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung und für Anerkennung. Aber was kann das bringen? Dazu ein Kommentar.

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26. November 2019, 18:12 Uhr

Osnabrück | Der Treckerprotest der Landwirte war für die Hauptstädter eine Erinnerung daran, dass es eine Lebenswelt außerhalb der Berliner Großstadtblase gibt. In dieser Lebenswelt ist die Mehrheit der Deutschen zu Hause. Hier interessiert nicht, ob E-Scooter nun mit oder ohne Helm gefahren werden.

Nein, hier geht es um ernste Probleme. Etwa die Existenzängste, die derzeit viele Bauern umtreiben: Weil einerseits die Anforderungen an die Produktion aufgrund von Umweltauflagen steigen. Andererseits aber die wirtschaftliche Lage schlecht und die gefühlte gesellschaftliche Missachtung der ehrenwerten Arbeit groß ist.

Diese Gemengelage hat zur nunmehr dritten Großdemo von Landwirten geführt. Doch was bringen die Aktionen? Außer imposanten Bildern von Treckerfuhrparks recht wenig. Und das wird sich kaum ändern. Denn die Politik – Hauptadressat des Unmuts – hat keinen Bewegungsspielraum: Beim Grundwasser hat Berlin die Regelwächter der EU im Nacken, beim Umbau der Schweinehaltung die Gerichte.

In der Politik kursiert die Idee eines Gesellschaftsvertrages mit der Landwirtschaft – eine Worthülse, mehr nicht! Denn wie soll dieser Vertrag aussehen? Mit wem soll er geschlossen werden? Die Branche selbst ist über die weitere Ausrichtung tief gespalten.

In Berlin hieß es zwar: alle für einen. Aber zurück auf den Höfen gilt wieder: jeder gegen jeden. Die Landwirtschaft müsste aus sich heraus eine Idee entwickeln, wie es weitergehen soll. Die Aufmerksamkeit ist derzeit groß. Zeit also für ein Angebot, keine Anklage. Dann kann aus der Bewegung ein Erfolg werden. Für alle.

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