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Angriffe der Taliban : 64 afghanische Soldaten und Polizisten an einem Tag getötet

vom

Es ist die zweite Serie von Talibanangriffen in 48 Stunden. Die radikalen Islamisten greifen in fünf Provinzen an.

shz.de von
erstellt am 19.Okt.2017 | 15:47 Uhr

Überfälle auf Patrouillen, Autobomben, Stürme auf Sicherheitsposten: Die radikalislamischen Taliban haben am Donnerstag mit einer Vielzahl von Angriffen in insgesamt fünf Provinzen mindestens 64 afghanische Sicherheitskräfte getötet.

Trotz der drastisch verschlechterten Sicherheitslage in Afghanistan gibt es weiterhin Abschiebungen aus Deutschland. Allerdings wurden diese auf drei Gruppen beschränkt: Straftäter, Gefährder - also Menschen, denen die Polizei einen Terrorakt zutraut -, und jene, die „hartnäckig ihre Mitarbeit an der Identitätsfeststellung“ verweigern. Der nächste Flug soll am 24. Oktober von Leipzig-Halle starten.

Bei dem blutigsten Vorfall hatten Taliban in der Südprovinz Kandahar am frühen Morgen eine Militärbasis angegriffen und 43 Soldaten getötet. Neun seien verletzt worden, sechs würden vermisst - nur zwei Soldaten der Einheit von knapp 60 Mann seien dem Anschlag unverletzt entkommen.

Der Anschlag habe gegen 2.30 Uhr morgens (Ortszeit) mit der Explosion zweier Autobomben am Tor der Basis begonnen, sagte ein Parlamentarier aus Kandahar, Chalid Paschtun. Dann sei ein Trupp Kämpfer auf das Gelände vorgedrungen.

Am Nachmittag wurden weitere Angriffe bekannt, die illustrieren, wie weit gefächert die Aktivitäten der Taliban sind. In der westafghanischen Provinz Farah starben sechs Sicherheitskräfte bei einem Sturm auf ihren Posten, in der nordafghanischen Provinz Balkh kamen sechs Polizisten in einem Überfall auf eine Patrouille ums Leben. Im südafghanischen Nimroz griffen Taliban einen weiteren Sicherheitsposten an und töteten fünf Polizisten. In der ostafghanischen Provinz Gasni halten Gefechte um das Bezirkszentrum von Andar an - bisher vier tote Sicherheitskräfte.

Es war bereits die zweite Serie von Talibanangriffen in 48 Stunden. Erst am Dienstag hatten die Taliban bei Angriffen in vier Provinzen mindestens 78 Sicherheitskräfte und Zivilisten getötet. Bei dem schwersten Überfall auf ein Trainingszentrum der Polizei im ostafghanischen Paktia waren allein 48 Menschen ums Leben gekommen, darunter der Polizeichef und mindestens 20 Zivilisten.

Die Taliban attackieren seit Monaten wöchentlich, manchmal täglich, Posten und Stützpunkte von Sicherheitskräften. Westliche Militärs sehen seit dem Ende der Nato-Kampfmission und dem Abzug der Soldaten im Dezember 2014 „atemberaubende Verluste“ unter Soldaten und Polizisten. Allein 2016 starben mehr als 8000, mehr als 14.000 wurden verletzt. Der Sender Tolo TV berichtete jüngst, allein im September seien knapp 800 Soldaten und Polizisten getötet worden.

Auch deshalb schicken die USA und einige Nato-Staaten nun wieder Tausende zusätzliche Soldaten nach Afghanistan. Die USA haben außerdem ihre Luftangriffe auf Taliban erheblich verschärft.

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