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Suchanfragen beim DRK : 20-mal mehr vermisste Flüchtlinge in Schleswig-Holstein

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Deutsche Rote Kreuz registriert seit zwei Jahren deutlich mehr Suchanfragen. Dabei gehen die Flüchtlingszahlen zurück.

Kiel | Die Flüchtlingswelle aus dem Jahr 2015 ist massiv beim Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) angekommen. Im Vergleich zum Jahr 2014 hat sich die Zahl der Suchanfragen beim DRK Schleswig-Holstein mehr als verzwanzigfacht. „Im Jahr 2014 hatten wir nur 14 Fälle, ein Jahr später schon 63, und im vergangenen Jahr waren es 311 Fälle“, sagt der Leiter des DRK-Suchdienstes in Schleswig-Holstein, Paul Herholz. Damit liegt Schleswig-Holstein deutlich über dem Bundestrend. Dort hat sich die Zahl der Suchanfragen im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2014 verdreifacht. 800 Fälle seien davon „positiv abgeschlossen“ worden, sagt Herholz. Das bedeutet, dass die Vermissten gefunden wurden und mit den Suchenden in Kontakt treten konnten. „Es kann aber auch bedeuten, dass der Vermisste tot ist“, sagt Herholz.

Die Flüchtlingszahlen sind im Norden weiter rückläufig. 2015 kamen 35.076 Flüchtlinge nach Schleswig-Holstein, im vergangenen Jahr waren es 9959, in den ersten Monaten dieses Jahres bislang 936.

Ob der Trend anhält, vermag Herholz noch nicht zu prognostizieren. „Wir haben in unseren drei Beratungsstellen im Land gut zu tun“, sagt der 60-Jährige. Ob das so bleibt, hänge auch davon ab, wie sich die Flüchtlingszahlen entwickeln. Allerdings meldeten sich die Flüchtlinge, die Freunde oder Angehörige auf der Flucht verloren haben, immer erst etwas mit Verzögerung beim Suchdienst.

„Das DRK sucht weltweit nach den Menschen, das kann auch bedeuten, dass ein Mitarbeiter einer internationalen Partnerorganisation zu einem Angehörigen in einer ganz entlegenen Region reist“, sagt Herholz. Der Datenschutz gehe dabei vor. „Wir nehmen auch darauf Rücksicht, wenn jemand nicht gefunden werden will.“

Besondere Freude macht es den Helfern, wenn es manchmal nach Jahren gelingt, Familien wieder zusammenzuführen, sagt Herholz. „Denn so eine Trennung ist mit das schlimmste Schicksal was man erfahren kann. Menschen können verzweifeln, wenn sie nicht wissen, wo ihre Angehörigen sind.“

Seit über 70 Jahren: Suche nach Vermissten

Der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) wurde im April 1945 in Flensburg gegründet. 2,5 Millionen Fälle von Kriegsvermissten hat der Suchdienst, der in Deutschland der älteste und größte ist, seitdem aufgenommen. Fast die Hälfte der Fälle konnte geklärt werden. Bei 1,3 Millionen Fällen herrscht weiter Ungewissheit über das konkrete Schicksal der Betroffenen. Stellt jemand in einer der drei Beratungsstellen des DRK-Suchdienstes in Schleswig-Holstein einen Antrag, wird er an die Zentrale nach München weitergeleitet. „Dort suchen die Mitarbeiter mit allen Möglichkeiten nach den Vermissten – in den vielen Akten, online oder auch persönlich“, sagt der Leiter des DRK-Suchdienstes in Schleswig-Holstein, Paul Herholz.

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erstellt am 05.Apr.2017 | 11:30 Uhr

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