Jugendlicher stellt sich : 17-Jähriger nach tödlichem Messerangriff festgenommen

Absperrband und Markierungen sind am Tatort in Viersen zu sehen.
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Absperrband und Markierungen sind am Tatort in Viersen zu sehen.

Ein Mädchen wird niedergestochen - mitten am Tag, in einem Park am Niederrhein. Nach dem tödlichen Messerangriff führen erste Zeugenaussagen die Ermittler auf eine falsche Spur. Dann stellt sich ein Jugendlicher der Polizei.

shz.de von
12. Juni 2018, 22:25 Uhr

Einen Tag nach der Messerattacke von Viersen hat sich ein 17 Jahre alter Bekannter des getöteten Mädchens der Polizei gestellt. Der Bulgare, der auch in Viersen wohnt, wurde festgenommen.

Der Druck war wohl zu hoch - der junge Mann kam mit seiner Anwältin zu einer Polizeiwache in Mönchengladbach. Die Ermittler verdächtigen ihn, die 15-Jährige am Montagmittag in einem Viersener Park erstochen zu haben.

Der Jugendliche und das Mädchen kannten sich, das steht den Angaben zufolge fest. Ob sie enger befreundet waren, müssen nun die Ermittlungen zeigen. Die Festnahme ist der vorläufige Schlusspunkt nach 24 erschütternden Stunden mit einigen Wendungen.

Zuvor hatten die Ermittler einen 25-jährigen Mann auf freien Fuß gesetzt, der unter falschen Verdacht geraten war. Die Angaben von Zeugen seien zweifelhaft und hätten die Ermittler zunächst in die falsche Richtung geführt, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

In den sozialen Medien waberte in der Zwischenzeit derweil ein so dichter Nebel aus Spekulationen und Gerüchten, dass Polizei und Staatsanwaltschaft zu Besonnenheit aufriefen: «Wir bitten darum, davon Abstand zu nehmen.» Auch Viersens Bürgermeisterin Sabine Anemüller betonte, im Angesicht des furchtbaren Geschehens sei kein Platz für Hass und pauschale Verurteilung ganzer Bevölkerungsgruppen.

Das Opfer: ein Teenager. Die Bilder auf der Facebook-Seite zeigen ein Mädchen mit langen Haaren und fröhlicher Ausstrahlung. Die 15-Jährige wurde in dem Viersener Park mit einem Messer attackiert, sie starb kurz danach im Krankenhaus.

Der Park mit alten Bäumen, Bänken und einer Boule-Bahn liegt mitten in der Stadt am Niederrhein; er ist beliebt und auch belebt. Die Tat selbst hat anscheinend zwar niemand beobachtet, aber mittelbar wollen eine Reihe von Zeugen etwas mitbekommen haben, wie die Staatsanwaltschaft sagte. Einige davon haben Stunden nach der Tat bereitwillig davon erzählt. Aber was kann man glauben?

Zentrale Aussagen halten die Ermittler für zweifelhaft. Beispielsweise die Täterbeschreibung. Die Polizei hatte zunächst konkret nach einem Mann mit nordafrikanischem Aussehen gefahndet. «Wer diese Personenbeschreibung abgegeben hat, weiß ich nicht. Aber es dürfte sich nicht um den Täter handeln», sagt Staatsanwalt Stefan Lingens am Tag danach.

Bei einem 25-Jährigen schöpften Beamte allerdings Verdacht. Als die Polizei ihn kontrollieren wollte, ergriff er die Flucht, stellte sich danach der Behörde. «Der hatte aus einem völlig anderen Grund Angst vor der Kontrolle und ist deswegen laufen gegangen», erklärte eine Polizeisprecherin.

Alkohol dürfte bei den «Fehlinformationen» eine Rolle gespielt haben, hieß es am Dienstag. Diese Angaben hätten dazu geführt, dass in viele, zumeist falsche Richtungen ermittelt worden sei.

Auch wenn sich der 17-Jährige jetzt gestellt hat - für den Leiter der Mönchengladbacher Mordkommission, Ingo Thiel, und sein Team dürfte jetzt wohl entscheidend sein, ob und wie sich der junge Mann zu der Tat äußert.

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