17.57 Uhr – Der Lenz ist da

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19. März 2014, 12:01 Uhr

Ab heute –17.57 Uhr – flattert das blaue Band wieder offiziell. Zum 185. Mal. „Süße, wohlbekannte Düfte“ vernahm Eduard Mörike bei der Niederschrift seines berühmtesten Gedichts. Anno 1829 wurde der Frühling auch noch mit keiner Extraration Gülle begrüßt. Ein paar Jahre zuvor hatte schon der Kollege Ludwig Uhland nicht nur den „frischen Duft“ und „neuen Klang“ gerühmt, sondern auch versprochen, mit Frühlingsbeginn werde die Welt „schöner mit jedem Tag“. Man kann trefflich streiten, ob sich diese Prognose bewahrheitet hat. „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden, belebenden Blick“, berichtet Goethe in seinem „Osterspaziergang“ und ist aus heutiger Sicht zum Opfer der Klimaveränderung geworden; denn selbst wenn Ostern diesmal recht spät ist, der gute Frühling ist derzeit keine Erlösung vom bösen Winter. Da musste nichts von Eis und Schnee befreit werden. Geht es mit den Temperaturen so weiter, dann kann der Winter als Jahreszeit bald ganz eingespart werden.

Auffallend ist, dass der Frühling ziemlich gleichgültig aufgenommen wird. Ein paar lockere Sprüche der Wetterfrösche in Radio und TV, das war’s. Offenbar hat der gern als 5. Jahreszeit bezeichnete Karneval alle Energie verbraucht. In anderen Ländern wird die angenehmste, da nicht zu warme und nicht zu kühle Jahreszeit ausgelassen begrüßt. Die Inder bewerfen sich mit buntem Farbstaub und spritzen sich dann ab. Dagegen ist der Dichter Clemens Brentano mit „Wenn der Frühling draußen lauert, kommt die Angstflut angeronnen“ ein echter Stimmungstöter.

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