Zerrissene Partei : 16 Landesverbände, viele Meinungen: Der Graben durch die SPD

Die rheinland-pfälzische SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer und SPD-Chef Martin Schulz sprechen in Mainz vor Journalisten.
Die rheinland-pfälzische SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer und SPD-Chef Martin Schulz sprechen in Mainz vor Journalisten.

Sonntag wird ein Schicksalstag für Martin Schulz. Unermüdlich wirbt der SPD-Chef dafür, in Koalitionsverhandlungen mit der Union zu gehen. Die Entscheidung treffen 600 Delegierte und der 45-köpfige SPD-Vorstand in Bonn.

shz.de von
18. Januar 2018, 12:50 Uhr

Die Delegierten müssen sich nicht an Vorgaben der Parteispitze halten. Viele der 16 Landesverbände haben trotzdem offiziell Stellung bezogen. Dabei wird deutlich, wie zerrissen die Partei ist.

Nordrhein-Westfalen: 144 Delegierte

Der wichtige Landesverband mit den meisten Delegierten in Bonn will keine Vorab-Abstimmung - auch nicht im Vorstand. Sieben Arbeitsgemeinschaften haben aber «große Zweifel» gegenüber der Bildung einer weiteren Großen Koalition angemeldet.

Niedersachsen: 81 Delegierte

Der Landesvorstand stimmte bei drei Enthaltungen ohne Gegenstimme für Koalitionsverhandlungen.

Bayern: 78 Delegierte

Der bayerische SPD-Landesvorstand tagt erst am Freitagabend in Nürnberg. Eingeladen sind auch die 78 Parteitagsdelegierten. Landeschefin Natascha Kohnen wirbt für Koalitionsverhandlungen, auch der Vorstand der Landtagsfraktion ist dafür.

Hessen: 72 Delegierte

Aus Hessen wurden schon früh Wünsche nach Nachbesserungen laut. Der Landesvorstand empfiehlt seinen Delegierten aber, für Koalitionsverhandlungen zu stimmen. Für den Beschluss gab es am Mittwochabend zehn Ja- und drei Nein-Stimmen sowie zwei Enthaltungen.

Rheinland-Pfalz: 49 Delegierte

Der Landesvorstand berät erst am Freitagabend in Mainz. Offen ist aber, ob es einen Beschluss oder eine Empfehlung geben wird.

Baden-Württemberg: 47 Delegierte

Eine Abstimmung wird es im Südwesten nicht geben. Der Landesverband ist in der GroKo-Frage zerrissen - je basisnäher, desto kritischer.

Saarland: 24 Delegierte

Die Spitze der Saar-SPD empfiehlt die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der Union im Bund. Mit 18 zu 1 fiel das Votum am Mittwochabend eindeutig aus.

Schleswig-Holstein: 24 Delegierte

Formale oder Probe-Abstimmungen gibt es nicht. «In der SPD Schleswig-Holstein sind die Meinungen zum weiteren Vorgehen vielfältig und es gibt keine Voten», sagte SPD-Landeschef Ralf Stegner der dpa.

Berlin: 23 Delegierte

21 zu 8: Der Berliner Landesvorstand hat sich deutlich gegen Verhandlungen ausgesprochen und ist damit nicht der Empfehlung des Vorsitzenden und Regierenden Bürgermeisters Michael Müller gefolgt.

Hamburg: 15 Delegierte

Die Hamburger SPD hat sich für Gespräche über eine Neuauflage der großen Koalition im Bund ausgesprochen. Der Landesvorstand empfahl «einvernehmlich», Verhandlungen aufzunehmen.

Brandenburg: 10 Delegierte

Der Landesvorstand hatte sich klar mit neun zu zwei Stimmen für Koalitionsverhandlungen ausgesprochen.

Bremen: 8 Delegierte

Ein Probeabstimmung im SPD-Landesvorstand ist nicht geplant. Aber die acht Bundesparteitagsdelegierten des Bremer Landesverbandes treffen sich am Freitag zu einer parteiinternen Diskussion mit der Basis.

Sachsen-Anhalt: 6 Delegierte

Ein Landesparteitag hat gleich am Tag nach dem Sondierungsende gegen Koalitionsverhandlungen gestimmt - allerdings nur mit einer Stimme Mehrheit.

Thüringen: 7 Delegierte

Die Thüringer hatten sich als erster SPD-Landesverband bereits im Dezember gegen eine große Koalition ausgesprochen.

Sachsen: 7 Delegierte

Eine Abstimmung im Landesverband ist nicht geplant. Die Delegierten sind geteilter Meinung - Landeschef Martin Dulig sieht gar die Gefahr einer Spaltung.

Mecklenburg-Vorpommern: 5 Delegierte

Der erweiterte Landesvorstand berät am Freitag, auch die Landtagsfraktion ist dabei - aber eine Abstimmung ist bisher nicht geplant.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert