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Politik

18. Dezember 2017 | 04:19 Uhr

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 28.Sep.2013 | 00:35 Uhr

Es wird wärmer und für Küstenbewohner feuchter – jedenfalls an den Füßen. Der neue Sachstandsbericht des Weltklimarates IPCC hat bestätigt, dass sowohl die Temperaturen, als auch der Meeresspiegel weiter steigen werden, sollte die Menschheit nicht drastische Maßnahmen einleiten, um den CO2-Ausstoß zu verringern. Die Projektionen des Weltklimarates, die in zusammengefasster Form gestern in Stockholm vorgestellt wurden, haben sich gegenüber den vorherigen Berichten kaum geändert: Abhängig von der Menge der Treibhausgasemissionen wird sich das Weltklima bis zum Ende des 21. Jahrhunderts wahrscheinlich um über zwei Grad Celsius erwärmen.

Was sich aber verändert hat, ist die Zuverlässigkeit, mit der die zahlreichen Computermodelle diese Werte errechnen. Der Klimarat gibt zum ersten Mal an, zu 95 Prozent sicher zu sein, dass die Menschheit die globale Erwärmung mit ihren Klimagasen verursacht. „Das sind Wahrscheinlichkeiten, mit denen man gerne mal Lotto spielen würde“, sagt Professor Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Leitautor des Kapitels über Meeresspiegelveränderungen in dem jüngsten IPCC-Bericht. Die Computermodelle, die das künftige Klima simulieren, sind nach Aussage des Klimarates in den vergangenen Jahren sehr viel genauer geworden und beziehen immer mehr Variablen mit ein.

Hinsichtlich des Meeresspiegelanstiegs sind laut Levermann in diesem Bericht zum ersten Mal konkrete Projektionen möglich, weil erstmals auch die Einflüsse durch Eisschilde in Grönland und der Antarktis einbezogen wurden. „Wenn die Menschheit weiter macht wie bisher, rechnen wir bis Ende des Jahrhunderts mit einem Anstieg von 53 bis 98 Zentimetern.“ Deichbauern an der Nordseeküste empfiehlt er allerdings, sich an den möglichen Höchstwerten zu orientieren, die in anderen Risikoabschätzungen errechnet werden müssen und eine Obergrenze von bis zu 1,50 Meter Meeresspiegelanstieg ergeben.

Eine klare Antwort hat der Weltklimarat gegenüber Skeptikern, die eine Erwärmung als Mythos bezeichnen, weil sie in den vergangen 15 Jahren nicht so stark fortgeschritten sei, wie in manchen Modellen berechnet. Messdaten belegen, dass das Jahrzehnt 2001-2010 das wärmste seit Beginn der Messungen war. Professor Levermann erklärt, Tiefengewässer im Pazifik – im Zusammenhang mit natürlichen Schwankungen – hätten überschüssige Wärme aufgenommen. Das bedeute aber nicht, dass uns durch die Ozeane die Oberflächenerwärmung erspart bliebe. „Die aufgestaute Wärme kann in Zukunft wieder in die Atmosphäre abgegeben werden und so potenziell zu einer noch stärkeren Erwärmung führen“, so Levermann.

Im Vorfeld oft gehörte Kritik am IPCC über fehlende Transparenz und Aktualität beantwortete der Vorsitzende Rajendra Pachauri mit Zahlen zum Entstehen des Sachstandberichts: Rund 9000 wissenschaftliche Artikel seien gesichtet worden, 831 Autoren seien an dem Prozess beteiligt und 54 000 Kommentare beantwortet worden. Außerdem seien 60 Prozent der Wissenschaftler zum ersten Mal an dem Report beteiligt gewesen.

Der endgültige Bericht über die wissenschaftliche Basis wird mehr als 2000 Seiten umfassen. Zusammen mit weiteren Kapiteln zur sozio-ökonomischen Bedeutung und Möglichkeiten zur Abmilderung des Klimawandels, die im Laufe des kommenden Jahres vervollständigt werden, wird dieser IPCC-Bericht die ausschlaggebende Basis für die anstehenden Klimaverhandlungen sein, wie UN-Generalsekretär Ban Ki Moon betonte. 2015 müssen die Politiker sich die Aussagen der Wissenschaftler zu Herzen nehmen, wenn sie erneut versuchen, einen bindenden Vertrag zu schaffen, der die Staaten der Welt verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen zu senken.

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