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Chronologie einer Terrorzelle : Plädoyers im NSU-Prozess beginnen am Mittwoch

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Aus der Onlineredaktion

Der Prozess gegen die Hauptangeklagte Beate Zschäpe geht ins Finale. Das Plädoyer der Anklage werden 22 Stunden dauern.

shz.de von
erstellt am 18.Jul.2017 | 16:39 Uhr

München | Mehr als vier Jahre nach Beginn des NSU-Prozesses sollen an diesem Mittwoch die Plädoyers in dem Mammutverfahren beginnen. Das hat das Oberlandesgericht München am Dienstag bekanntgegeben. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl hatte am Morgen erklärt, dass als erste Partei die Bundesanwaltschaft plädieren soll.

Bundesanwalt Herbert Diemer hatte mitgeteilt, er sei bereit. Das Plädoyer der Anklage werde schätzungsweise 22 Stunden dauern. Götzl sagte, nach der Bundesanwaltschaft erhielten die Nebenkläger das Wort für ihre Plädoyers, anschließend die Verteidiger. Das werde voraussichtlich aber erst nach der Sommerpause passieren. Letzter bisher geplanter Verhandlungstag davor ist der 1. August.

Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe lebte fast 14 Jahre mit den Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund. Die beiden Männer sollen während dieser Zeit zehn Menschen ermordet haben, neun aus rassistischen Motiven. Zschäpe ist als drittes und einzig überlebendes Mitglied des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ wegen Mittäterschaft an allen Verbrechen angeklagt. 

4. November 2011

Nach einem missglückten Banküberfall werden Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt tot in einem ausgebrannten Wohnmobil in Thüringen gefunden. Bei ihnen sind die Waffen zweier Polizisten, die 2007 in Heilbronn getötet beziehungsweise schwer verletzt wurden.

8. November 2011

Beate Zschäpe stellt sich der Polizei in Jena.

11. November 2011

Zum Polizistenmord von Heilbronn übernimmt die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen. Es gibt offenbar Verbindungen zu weiteren Morden.

13. November

Der Bundesgerichtshof erlässt Haftbefehl gegen die mutmaßliche NSU-Terroristin Zschäpe.

8. November 2012

Die Bundesanwaltschaft erhebt Anklage gegen sie.

6. Mai 2013

In München beginnt der Prozess. Hauptangeklagte ist Beate Zschäpe.

22. August 2013

Ein Untersuchungsausschuss des Bundestages legt seinen Abschlussbericht vor. Er wirft den Sicherheitsbehörden schwere Versäumnisse bei den Ermittlungen gegen die Terrorzelle vor.

21. August 2014

Ein Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags kommt zu der Einschätzung, die Mordserie hätte verhindert werden können, wenn die Ermittlungsbehörden nicht so gravierende Fehler begangen hätten.

6. Juli 2015

Das Oberlandesgericht München ordnet Zschäpe auf eigenen Wunsch den Anwalt Mathias Grasel als vierten Pflichtverteidiger bei.

31. Juli 2015

Zschäpe scheitert zum dritten Mal mit ihrem Ansinnen, ihre ursprünglichen Verteidiger loszuwerden.

10. November 2015

Die eigentlich für den 11. November angekündigte Aussage Zschäpes wird verschoben - bisher hat sie im Prozess geschwiegen. Neben Grasel wird der Münchner Anwalt Hermann Borchert Zschäpe als Wahlverteidiger an bestimmten Tagen im Prozess vertreten.

11. November 2015

Der Bundestag beschließt einen neuen NSU-Untersuchungsausschuss.

24. November 2015

Ein Befangenheitsantrag des Mitangeklagten Ralf Wohlleben gegen alle Richter scheitert. Das Gericht lehnt zudem den erneuten Antrag von Zschäpes drei Alt-Verteidigern ab, von ihren Pflichtmandaten entbunden zu werden. Sie waren bereits im Juli mit einem solchen Ansinnen gescheitert.

29. November 2015

Auch Ralf Wohlleben will aussagen, kündigen seine Anwälte an.

9. Dezember 2015

Zschäpe bricht ihr Schweigen im Prozess erstmals, Fragen des Gerichts an sie will Zschäpe nur schriftlich beantworten. Sie bestreitet eine Beteiligung an den Morden und Sprengstoffanschlägen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU).

29. September 2016

Nach dreieinhalb Jahren ergreift Zschäpe zum ersten Mal persönlich das Wort - für eine kurze Erklärung. Sie bedauere ihr „Fehlverhalten“, sagt sie, und sie verurteile, was ihre Freunde Mundlos und Böhnhardt ihren Opfern „angetan haben“.

17. Januar 2017

Der psychiatrische Sachverständige Henning Saß ist am Zug. Er bescheinigt Zschäpe am Ende volle Schuldfähigkeit - und macht deutlich, sie sei möglicherweise noch immer gefährlich.

3. Mai 2017

Der von Zschäpes Vertrauens-Anwälten benannte Gutachter Joachim Bauer attestiert Zschäpe verminderte Schuldfähigkeit. Doch das Gericht lehnt Bauer später wegen befürchteter Parteilichkeit ab.18. Juli 2017: Der Vorsitzende Richter schließt die Beweisaufnahme.

 
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