Fahrrad-Trip : Per Zufall zur Droge: Vor 75 Jahren entdeckte Albert Hofmann das LSD

Albert Hofmann ist der Entdecker des LSD

Albert Hofmann 1976 im Alter von 70 Jahren.

Medikament, Droge und Stoff für Songtexte: Die Geschichte des LSD hat viele Facetten.

shz.de von
16. April 2018, 18:05 Uhr

Eigentlich wollte der Chemiker 1938 eine Kreislaufstimulans entwickeln. Nachdem Tierversuche aber keine Wirkung zeigten, ließ Albert Hofmann seine Ergebnisse erst einmal brachliegen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Hofmann bereits unwissentlich Lysergsäurediethylamid (LSD) hergestellt.

Erst fünf Jahre später nahm er sein Experiment wieder auf und stellte am 16. April versehentlich eine halluzinogene Wirkung des Stoffs fest. Er vermutete, dass die Substanz durch unsauberes Arbeiten von seiner Haut aufgenommen worden war.

Am 19. April 1943 nahm er die Substanz bewusst zu sich und fuhr anschließend mit dem Fahrrad nach Hause. In seinem Protokoll dokumentierte er, dass er das Gefühl hatte, nicht vorwärts zu kommen – seine Begleitung allerdings erzählte, dass die beiden sehr schnell unterwegs gewesen seien. Diesen Tag feiern LSD-Anhänger seither als „Fahrradtag“.

Medizinischer Nutzen

Schon kurz nach der Entdeckung versuchte man, sich die psychischen Wirkungen der Droge zunutze zu machen: Im Rahmen der Psychotherapie sollte LSD dafür sorgen, dass Patienten ihre Abwehrmechanismen verlieren, damit sie sich dem Behandelnden öffnen. Diese Methode wurde auch Psycholyse genannt.

Die Hippie-Ära

Zur Hochphase des Psychedelic Rock und des Woodstock Festivals der 60er und 70er Jahre spielte die Droge eine große Rolle. Da LSD zunächst noch legal war, entwickelte es sich zu einem prägenden Bestandteil der Hippie-Bewegung. Der Konsum bewirkt einen Rausch gefolgt von Schwindel, Sehstörungen und Lachreiz, sowie eine Umgebungswahrnehmung wie durch einen verzerrten Spiegel.

Einige Bands und Solokünstler haben verschiedene Drogen in ihren Songs thematisiert. Aber auch heute noch werden immer wieder Lieder über die berauschenden Wirkungen aufgenommen:

„Mr. Brownstone“ von Guns N' Roses

„Wir haben mit Mr. Brownstone getanzt.
Er hat geklopft.
Er wird mich nicht alleine lassen.“

Mit Mr. Brownstone ist Heroin gemeint.

„The Pusher“ von Steppenwolf

„Weißt du, ich habe viel Gras geraucht.
Oh Herr, ich habe viele Pillen geschluckt.
Aber ich habe niemals etwas angerührt,
was meinen Geist töten könnte.“

„White Rabbit“ von Jefferson Airplane

„Eine Pille lässt dich größer werden.
Eine Pille macht dich klein. [...]
Und wenn du Hasen jagen gehst
und weißt, dass du fallen wirst,
sag ihnen, dass eine Wasserpfeife rauchende Raupe
Dich gerufen hat.“

Die Band schafft eine Parallele zwischen Drogenkonsum und Alice im Wunderland.

 

„Legend Of A Mind“ von The Moody Blues

„Timothy Leary ist tot. Nein, nein, nein, nein, er ist da draußen und guckt herein.“

Timothy Leary war ein US-amerikanischer Psychologe, der den Konsum und die Verbreitung von LSD propagiert hat.

„Lucy In The Sky With Diamonds“ von The Beatles

„Jemand ruft nach dir, du antwortest ziemlich langsam,
einem Mädchen mit Kaleidoskopaugen.

Cellophanblumen so gelb und grün,
türmen sich über deinem Kopf.
Schau nach dem Mädchen mit der Sonne in den Augen,
und sie ist fort.

Lucy am Himmel mit Diamanten.“

Die drei Nomen des Songtitels sind L, S und D. Der Songtext handelt von den Phantasien nach Konsum der Modedroge LSD.

„Feel Good Hit Of The Summer“ von Queens of the Stone Age

„Nikotin, Valium, Vicodin, Marihuana, Ecstasy und Alkohol“

„Heroin“ von The Velvet Underground

„Denn es gibt mir das Gefühl ich wär' ein Mann,
wenn ich die Spitze in meine Vene bohre
und ich sag' dir, die Dinge sind nicht mehr die gleichen,
wenn ich mich beeile auf meiner Flucht
und ich mich wie Jesu' Sohn fühle.“

Der Kritiker Mar Deming schrieb dazu: „Obwohl Heroin kaum den Gebrauch der Droge befürwortet, verurteilt es aber auch nicht klar, und das macht es in den Augen mancher Hörer noch verstörender.

„Sister Morphine“ von The Rolling Stones

„Und weiter geht die Show.
Die Dinge sind nicht so, wie sie scheinen.
Bitte, Schwester Morphium,
verwandle meinen Horrortrip in einen schönen Traum.“

„Cocaine“ von Eric Clapton

„Wenn du runter kommen willst,
runter auf den Boden – Kokain.“

„I Don’t Like The Drugs“ von Marilyn Manson

„Ich mag die Drogen nicht, aber die Drogen mögen mich.
Ich mag die Drogen nicht, die Drogen, die Drogen.“

„Purple Pills“ von D12

„Ich nehme 'ne Menge Aufputscher,
ich knall mir 'ne Menge Beruhigungsmittel rein.
Aber nichts kann man vergleichen
mit diesen blauen und gelben, lila Pillen.“

„I Took A Pill In Ibiza“ von Mike Posner

„Ich nahm auf Ibiza eine Pille,
um Avicii zu zeigen, dass ich cool bin.
Und als ich endlich wieder nüchtern war, fühlte ich mich zehn Jahre älter.
Aber scheiß drauf, das muss man schließlich mal gemacht haben.“

 

Hilfe für Suchtkranke

Trotz der musikalischen Verharmlosung des Drogenkosums ist das Anbauen, der Besitz und die Einnahme von Stoffen wie LSD, Ecstasy, Heroin, Cannabis, Marihuana und vielen mehr in Deutschland verboten – sie können den Körper negativ beinflussen. Wer diesbezüglich Hilfe in Anspruch nehmen möchten, findet hier ein Verzeichnis von Suchtberatungsstellen. Grundsätzlich kann jeder Mensch in Krisensituationen bei der Telefonseelsorge unter den kostenlosen Rufnummern 0800/1110111 und 0800/1110222 anrufen.

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