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Superheld der Fußgänger : Peatónito: Ein Verkehrs-Zorro macht Mexikos Straßen sicher

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Aus der Onlineredaktion

Fußgänger haben in Mexiko-Stadt oft nur ein kurzes Leben. Der Aktivist Peatónito will das ändern.

Mexico-Stadt | 15 Millionen Fahrzeuge, kaum Infrastruktur und in all dem Chaos hupende Ignoranz: Fußgänger sind Entrechtete ohne Stimme auf den Straßen von Mexiko-Stadt. Wäre da nicht Peatónito, ein schwarzmaskierter Zorro-Verschnitt im Ringer-Umhang, der sich im wahrsten Sinne des Wortes gegen die platzfüllende Allmacht der tonnenschweren Motorisierung stemmt.

Wenn Peatónito („kleiner Fußgänger“) auf den Plan tritt, hilft er nicht nur Menschen über die Straße, die sonst keine Chance der Überquerung hätten. Er markiert spontan mit der Spraydose Fußwege, schiebt Autos mit bloßen Händen von den Fußwegen und stellt sich SUVs in den Weg, wenn die Grünphase zu kurz ist. Und er kann sich sicher sein, dass sie auch anhalten. Bevorzugt klettert über die Dächer der Fahrzeuge – bekannt als „Carwalking“ – , sollten sie auf den raren Fußgängerübergängen auch noch Halt machen.

Der Aktivist, der sich selbst als „Superheld für Fußgänger“ bezeichnet, setzt auf symbolische Aktionen. An ihm sollen sich die benachteiligten Verkehrsteilnehmer aufrichten und im Kollektiv ihre Rechte einfordern, stellte er jüngst in einem Interview mit dem Magazin „Fußverkehr Schweiz“ klar. Wenn er zwei Stunden auf der Straße verbringe, würde er mit seinen Aktionen außerdem Dutzende Autofahrer sensiblisieren. Sein Ziel sei die „Revolution des Zufußgehens“.

Haben die Polizisten nichts gegen einen maskierten Straßenkämpfer, wenn er mit der Spraydose unterwegs ist? Nicht immer. Es herrsche Willkür und vieles hänge von der Laune der Beamten ab, sagt Peatónito, der mit bürgerlichem Namen Jorge Cañez heißt. Es sei auch schon vorgekommen, dass ein Polizist ihm half. Beim Carwalking achte er darauf, die Fahrzeuge nicht zu beschädigen, aber natürlich gebe es ab und Aggressionen bei den Autobesitzern. Peatónito antwortet dann freundlich, dass sie sich auf fremdem Terrain befinden.

Erfolgreich ist der Politik-Student mit seinen Aktionen durchaus, sofern man angesichts immernoch 500 toter Fußgänger alljährlich auf den Straßen der Stadt von Erfolg reden kann. Jedenfalls ist es dem 29-jährigen gelungen, die Stadtverwaltung für das Thema zu sensibilisieren. Diese sorgt derzeit dafür, die gefährlichsten Fußgängerübergänge sicherer zu machen.

 

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erstellt am 23.Dez.2015 | 07:42 Uhr

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