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Am Jahrestag von „Charlie Hebdo“ : Paris: Polizei schießt Mann mit Bombenattrappe nieder

vom
Aus der Onlineredaktion

Französische Sicherheitsbehörden sprechen von einem „Angriff“. Sprengstoff wurde bei dem Mann, der offenbar Marokkaner ist, nicht gefunden.

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2016 | 15:37 Uhr

Paris | Der vor einem Pariser Polizeikommissariat getötete Angreifer ist nach Berichten französischer Medien identifiziert. Am Jahrestag des islamistischen Mordanschlags auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ hatten Pariser Polizisten einen sie angreifenden Mann erschossen. Der Täter hatte eine Bombenattrappe bei sich. Er lief vor einem Kommissariat mit einem Schlachterbeil bewaffnet auf die Polizisten zu und rief dabei auf Arabisch „Allah ist groß!“, wie die Pariser Staatsanwaltschaft mitteilte. Der 20-Jährige soll im Zusammenhang mit einem gemeinschaftlichen Raub 2013 in Südfrankreich polizeibekannt sein. Als Geburtsort wird Casablanca in Marokko genannt, wie der französische Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Vor genau einem Jahr griffen Terroristen die Redaktion des Satire-Magazins „Charlie Hebdo“ an. Am 7. Januar 2015 wurden elf Menschen getötet, auf ihrer Flucht ermordeten die Täter noch einen Polizisten. Die Opfer gehörten zu den berühmtesten Karikaturisten Frankreichs. In den folgenden Monaten war Frankreich immer wieder das Ziel islamistischer Terroristen. Gewalttätiger Höhepunkt war die Mordserie in Paris und Saint-Denis im November, bei der 130 Menschen getötet wurden. Seitdem gilt in Frankreich der Ausnahmezustand.

Ob er zur islamistischen Szene gehört, war zunächst unklar. Ermittler fanden bei dem Mann aber eine Abbildung der Flagge der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Neben einem Mobiltelefon entdeckten sie zudem ein „eindeutiges“ handschriftliches Bekenntnis in arabischer Sprache. Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Untersuchungsverfahren wegen Terrorismus.

Zunächst war von einem möglichen Sprengstoffgürtel die Rede gewesen. Die Leiche wurde deshalb nach dem Angriff auf dem Bürgersteig vor dem Kommissariat im Norden der französischen Hauptstadt von einem Roboter untersucht. Der Gegenstand stellte sich als eine Attrappe heraus; er bestand aus einer Tasche mit Klebeband, aus der ein Kabel herausragte, wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Justizkreise meldete. Sprengstoff wurde nicht gefunden.

Ein Bericht des Nachrichtensenders BFMTV, wonach auf dem Handy des Mannes Nachrichten auf Arabisch und Deutsch gespeichert waren, wurden zunächst offiziell nicht bestätigt. Der Tatort nahe dem bei Touristen beliebten Viertel Montmartre wurde weiträumig abgesperrt. Viele Geschäfte und Restaurants mussten zwischenzeitlich schließen, auch Metro-Linien wurden unterbrochen.

„In einem Land, in dem das Bedrohungsniveau extrem hoch ist, stehen Polizisten, Gendarmen und Sicherheitskräfte in vorderster Linie“, sagte Innenminister Bernard Cazeneuve am Tatort. Auch der für Terrordelikte zuständige Staatsanwalt François Molins machte sich ein Bild von der Lage.

In dieser Woche wird mit zahlreichen Gedenkveranstaltungen an die Opfer der Januar-Anschläge erinnert. Am Donnerstag warb Präsident François Hollande vor Vertretern von Polizei, Gendarmerie und Militär erneut für eine Verschärfung der Sicherheitsgesetze. Auch die Leitlinien der Sicherheitskräfte müssten an die terroristische Bedrohung angepasst werden. Informationen sollten besser zwischen den verschiedenen Behörden ausgetauscht werden.

Die Regierung bereitet derzeit ein Gesetz vor, das den Behörden neue Kompetenzen gibt. Zudem sollen die Regelungen für den Ausnahmezustand in die Verfassung aufgenommen werden.

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