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Fünfte Jahreszeit : Zwölf Gründe, warum Karneval nervt

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Jedes Jahr dasselbe: In Köln und Mainz herrscht Ausnahmezustand, Karnevalsflüchtige retten sich nach Schleswig-Hostein. shz.de erklärt, warum die fünfte Jahreszeit die schlimmste ist.

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erstellt am 26.Feb.2014 | 16:40 Uhr

Kölle Alaaf | Karneval. Die einen lieben es und feiern die „höchsten Feiertage“ im Jahr, die anderen hassen das Treiben der Jecken und Narren. Nun sind wir im Norden relativ unberührt vor dem Ausnahmezustand im Süd-Westen, aber auch hier gibt es Karneval und der mediale Einfluss ist auch in Schleswig-Holstein zu spüren. Trotzdem verzeichnet die Tourismusgesellschaft „Nordsee Tourismus Service“ in Husum viele Buchungen von Karnevalsflüchtigen aus den närrischen Zentren in Köln, Düsseldorf und Mainz. Die großen Nordseebäder wie St. Peter-Ording (Kreis Nordfriesland) melden bereits eine gute Buchungsauslastung. Herzlich willkommen, liebe Karnevalshasser. Wir verstehen das gut. Zwölf Gründe, warum Karneval nervt. 

1. Wir müssen arbeiten: Urlaub haben nur die Jecken.

 

Zwar sind weder Weiberfastnacht, Rosenmontag oder Aschermittwoch gesetzliche Feiertage oder müssen seitens des Arbeitgebers aus regionalem Gewohnheitsrecht freigegeben werden, einige Betriebe geben ihren Mitarbeitern jedoch frei. Dies ist in Tarifverträgen oder Sonderregelungen festgehalten. Ein Freifahrtsschein ist die „Betriebliche Übung“. Gab es in den letzten Jahren vom Arbeitgeber frei, dann ist das auch in diesem Jahr so. Für die Karnevalisten sind tollen Tage schließlich das Highlight in jedem Jahr. Auch an Schulen vor allem in Baden-Württemberg gibt es häufig Faschingsferien. Üblich ist der Zeitaum 3.-7. März, was „heilige“ drei Tage umfasst.

2. Büttenreden: Wo ein Witz mit „Da-daa“ beendet werden muss, damit auch alle wissen, dass es lustig war.

Michael Emrich bei Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht.
Michael Emrich bei Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht. Foto: Imago

Auf der Bühne werden die Witze am Fließband produziert, einer flacher als der andere. Der Tusch macht den Witz: Alles lacht, vielleicht aus Anstand, vielleicht wegen eines anderen Humors, vielleicht muss man dafür auch einfach Karnevalist sein. Ist der Tusch eigentlich ein „Da-daa“ oder ein „Tätää“? Die Redaktion war uneins.

3 Jeder ist fröhlich: Eine witzige Minderheit nervt die Mehrheit

 

„Helau!“ auf das aufgesetzte fröhlich sein. Schon Heinrich Böll hat das Thema gestört: "Humor verpflichtet, und ich kann mir keine schrecklichere Pflicht vorstellen als die Pflicht zum Humor." Wenn am Rosenmontag wieder tausende verkleidete Jecken über Deutschland hereinbrechen, die zum bedingungslosen Spaß aufrufen, wird sich der ein oder andere sicher verstecken, Kurzurlaub im Norden oder im Ausland machen oder einfach die Jalousien unten lassen.

4. Es kommt nichts im Fernsehen: Mer losse d’r Äujelskess (Fernseher) us

Prunksitzung des Mainzer Karnevals
Eine der Prunksitzungen, wie sie im Fernsehen übertragen wird. Foto: Imago
 

Prunksitzung, Büttenreden, Umzug:  Während der Karnevalszeit ist das Fernsehprogramm in gefühlt allen Programmen zu vernachlässigen. Um "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" kommt man ebenso wenig herum, wie wenn es wieder heißt: „Mer losse d’r Dom in Kölle.“

5. Vorsicht Kamelle: Auf den Kopf getroffen

2300 Kilogramm Bonbons werden beim Rosenmontags-Umzug in Marne wieder unters Volk gebracht.
2300 Kilogramm Bonbons werden beim Rosenmontags-Umzug in Marne wieder unters Volk gebracht. Foto: Ruff Foto: Ruff
 

Bei den Umzügen fliegen Bonbons, geschmissen von fröhlichen Nonnen, Clowns oder Cowboys. Die schmeißen alles weg, was sie vorher teuer gekauft haben. Absolute Geldverschwendung mit integriertem Verletzungsrisiko. Wer nicht aufpasst, bekommt volle Kamelle auf die Zwölf. Lebensgefahr.

6. Die Musik des Karnevals: Höhner, Bläck Fööss und Co.

Die Höhner bei einem Auftritt zum Karneval in Köln
Die Höhner bei einem Auftritt zum Karneval in Köln Foto: Imago

„Da simma dabei, dat is pri-hi-ma, Vi-vaaa Coloniaa“. Und alle: NEIN! Heute nicht. Die Musik der Umzüge und bei Fernseh- Liveübertragungen von Schunkelveranstaltungen sorgt immer wieder für Krach zwischen Befürwortern und Gegnern der fröhlichen Karnevals-Schunkelei.

7. Pappmaché-Protest: Lustig-politische Wagen-Umzüge

Der iranische Präsident Ahmadineschad und die Atompolitik seines Landes einmal auf 'karnevalistisch.' Foto: Roland Weihrauch dpa/lnw
Der iranische Präsident Ahmadineschad und die Atompolitik seines Landes einmal auf "karnevalistisch." Foto: Roland Weihrauch dpa/lnw Foto: Foto: Roland Weihrauch

Sie werden über Wochen mühevoll gebaut, einmal durch die Stadt gefahren und am Tag darauf teils schon wieder zerstört: die Karnevalswagen. Die häufig sehr aufwändigen und teuren Wagen aus Holz- und Drahtgeflecht mit Pappmaché-Kleid sind kleine Kunstwerke, die fast immer eine politische Botschaft mitliefern. Kreativer Protest ist ja schön, blöd nur, wenn der als Randnotiz im Narrentreiben untergeht. Ist ja alles nur Spaß. 

8. Erst Rosenmontag: Noch eine Ewigkeit bis Aschermittwoch.

 

Wenn am Donnerstag vor Aschermittwoch die „Weiberfastnacht“ offiziell den Übergang vom Sitzungs- zum Straßenkarneval einläutet, ist noch lange nicht Rosenmontag. Wer Karneval traditionell ablehnt, muss also Geduld haben. Im Norden kann man sich dem fast entziehen. Nur nicht, wenn der Fernseher läuft.

9. Unkreative Kostüme: Immer das Gleiche aus Fernost.

Ein lustiger Clown.  
Ein lustiger Clown.   Foto: Herbert Spies

Die Kostüme zur Karnevalszeit sind in jedem Jahr gleich. Die Mehrheit auf der Straße trägt den günstigen China-Cowboy-Anzug, geht als kranke Schwester oder im Jack-Sparrow-Outfit. Richtig schön ist da nur der echte venezianische Karneval oder die schwäbisch-alemannische Variante mit aufwändigen, teils sogar gruseligen Kostümen und Masken, die barock anmuten und so gar nicht „billig“ wirken.

10. Spaßiger Fachjargon:  Jecken und Narren, Helau und Alaaf

Jede Karnevalshochburg hat ihren eigenen Schlachtruf.
Jede Karnevalshochburg hat ihren eigenen Schlachtruf. Foto: Imago
 

Narrenrufe sind Tradition. Jede Karnevalshochburg hat ihren eigenen. „Helau!“ ist der am weitesten Verbreitete. Auch „Ahoi!“ ist weit verbreitet. Sogar in Bayern. Im Rheinland ruft man „Alaaf!“ (alles weg). Der Ursprung liegt in der beginnenden Fastenzeit, vor der in Bezug auf Lebensmittel „alles weg“ muss. Insgesamt gibt es tausende Schlachtrufe, von „Wauwau!“ bis „Quiekpiep!“ Wie witzig!    

11. Karneval in Schleswig-Holstein: Man kommt nicht drum herum

Rosenmontagsumzug in Marne: Die kleine Stadt in Dithmarschen gilt an diesem Tag als Karnevals-Hochburg Schleswig-Holsteins.
Rosenmontagsumzug in Marne: Die kleine Stadt in Dithmarschen gilt an diesem Tag als Karnevals-Hochburg Schleswig-Holsteins. Foto: Marcus Dewanger
 

Während in Süddeutschland, also alles unter Hamburg, die Karnevalshochburgen mit „Helau!“ und „Alaaf!“  in verschiedenen Kombinationen die Straßen unsicher machen, ist es in Schleswig-Holstein ruhiger. Aber auch hier gibt es kleine Karnevalszentren. So rufen die Narren in Marne (Kreis Dithmarschen) „Marn hol fast!“ und in Morrege im Kreis Pinneberg heißt es bei den Karnevalisten „Moorrege Ahoi!“. Typisch nordisch eben. In Elmshorn ist Christian Senger, der Initiator des Elmenhorster Karnevals, verantwortlich für den inzwischen traditionellen Ausruf „Fisch-Elm!“. Auch für SH heißt es also: Die fünfte Jahreszeit kommt, ob man will oder nicht!

12. Karnevalisten haben keinen echten Humor

Jecke beim Rosenmontagszug in Düsseldorf.
Jecke beim Rosenmontagszug in Düsseldorf. Foto: Federico Gambarini
 

Wir hoffen doch. Kreativen Protest gegen diesen Artikel akzeptieren wir aber nur in Reimform oder als Büttenrede mit Tusch am Ende. In diesem Sinne „Kiel Ahoi!“ und Happy Fasching!

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