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"Liebe Mauer" : Zwischen Liebes-Drama und Komödie

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Ostalgie und Retro-Romantik - eine "politische Komödie" mit Felicitas Woll ruft viele Klischees und Bilder aus dem Herbst 1989 wieder in Erinnerung.

shz.de von
erstellt am 17.Nov.2009 | 04:42 Uhr

Deutsch-deutsche Liebesgeschichten haben derzeit Hochkonjunktur - reale wie fiktionale. Der Film "Liebe Mauer" erzählt eine der letzteren: Die naiv bis nassforsche Studentin Franzi (gewohnt komisch und immer eine Spur zu gut gelaunt Felicitas Woll) kommt aus dem Westen nach Berlin und verliebt sich ausgerechnet in den wenig DDR-linientreuen, dafür umso furchtloseren NVA- Grenzsoldaten Sascha (Maxim Mehmet). Dumm nur, dass diese Mauer und zwei Gesellschaftssysteme den beiden im Wege stehen. Gut aber, dass sie sich im Herbst 1989 treffen.

Dank viel Ostalgie, Retro-Romantik, den üblichen Verwicklungen zwischen Ost und West und vielen grandiosen Schauspielern (allen voran Anna Fischer) gelingt Peter Timm damit ein sehr witziger Film, der sowohl Zutaten einer Komödie als auch Elemente eines historischen Dramas enthält. "Ich wollte den vielen Dramen etwas entgegensetzen", sagt der Regisseur, der sein Werk eine "politische Komödie" nennt.
Berliner Göre trifft DDR-Soldaten

Mit gerade mal einem Rucksack bepackt kommt Franzi aus der niedersächsischen Provinz nach West-Berlin, um so "dem Regime ihres Vaters zu entkommen". Für eine Monatsmiete von 100 Mark bezieht sie eine Wohnung direkt am Grenzübergang, der für die Dreharbeiten vor allem in Halle nachgebaut wurde. Ihr erster Blick aus dem Mansardenfenster trifft - wie sollte es anders sein - auf Sascha, der im Kontrollturm gerade Dienst schiebt. Von ihrem neuen Nachbarn ins "Einkaufsparadies", wo die Schrippen nur fünf Pfennig kosten, geschickt, macht Franzi ihre ersten Erfahrungen mit dem Osten - und gibt dabei die typische Berliner Göre ab, die sich vor nichts fürchtet - nicht mal vor bohrenden Fragen der DDR-Soldaten.

Schwer mit Lebensmittel bepackt und von den Soldaten beäugt, kehrt sie in den Westen zurück - da passiert es: Nur wenige Schritte hinter dem Schlagbaum reißen die Tüten und Eier, Schrippen, Nudeln und Porree landen auf der Straße. Ohne zu überlegen stürzt Sascha los, rennt in den Westen und kehrt ihre Lebensmittel zusammen, die Gewehrläufe seiner Kameraden auf sich gerichtet. Franzi ist hin und weg und Sascha bekommt nicht nur mächtig Ärger, sondern wird fortan auch noch von tölpeligen Stasi-Beamten oberserviert. Und damit nicht genug, während sich die zarten Bande zwischen den beiden spannen, interessieren sich irgendwann Stasi, CIA und Staatsschutz für Franzi und Sascha. Der wird gezwungen, Franzi zu bespitzeln, Franzi wird vom CIA und dem Staatsschutz engagiert. Vor lauter Geheimdiensten blickt man irgendwann kaum noch durch.
Echte Komik trifft auf gezwungenen Tiefgang

Das alles ist urkomisch und dank der kindlich-naiven Art der beiden Hauptdarsteller mitunter herzzerreißend. Vor allem die Szenen, als Saschas Jugendfreundin Uschi - grandios gespielt Anna Fischer - statt Franzi zurück in den Westen reist, dort mit den westlichen Geheimdiensten und Franzis lebensfroher Tante Jutta zusammenstößt, sind extrem witzig. Dabei sagt Uschi keinen Ton - wegen ihres starken sächsischen Dialekts.

Doch diesen großartigen Szenen folgt häufig allzu bemühter Tiefgang. So macht Sascha seiner Franzi deutlich, dass er die DDR gar nicht verlassen will. "Hier ist meine Heimat, ich bin hier zuhause, ich will hier nicht weg." Eine junge Kellnerin im Osten versucht Franzi mit den Worten "Kalter Krieg und heiße Herzen - das gibt Schmerzen" zu trösten. Und als Hansi, der Wellensittich von Saschas Oma (liebenswert schrullig Gisela Trowe) in einem unbeobachten Moment aus dem Fenster fliegt, prognostiziert diese dem Vogel kein langes Überleben - manchen bekommt die Freiheit eben nicht. Hansi schafft es bis in den Westen und wird von seinen Findern wieder in den Osten gebracht.

Die Kaltschnäuzigkeit und Furchtlosigkeit, die Franzi, Sascha und Uschi an den Tag legen, wenn es im wahrsten Sinne des Wortes um Leben und Tod geht, ist zwar sehr amüsant, doch auf den zweiten Blick dann doch ein wenig zu platt und unglaubwürdig. Hinzu kommt eine Felicitas Woll, die fast jede brenzlige, peinliche oder unangenehme Situation weglächelt, wenn sie sie nicht mit weit aufgerissenen, tränennassen Augen verfolgt. Und trotzdem ist "Liebe Mauer" ein durchaus sehenswerter Film, der viele Klischees und Bilder aus dem Herbst 1989 wieder in Erinnerung ruft - und das auf eine äußert unterhaltsame Art.

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