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Nach Explosion in Thailand : Zweiter Sprengsatz in Bangkok - Ziel verfehlt

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Einen Tag nach dem Bombenanschlag in Bangkok hat ein Unbekannter eine Rohrbombe geworfen.  Die Polizei fahndet nach den Tätern.

shz.de von
erstellt am 18.Aug.2015 | 14:42 Uhr

Bangkok | Einen Tag nach dem blutigen Bombenanschlag in Bangkok ist in der thailändischen Hauptstadt nach Polizeiangaben ein zweiter Sprengsatz explodiert. Ein Unbekannter habe an einem Hafenanleger versucht, eine Rohrbombe auf Wartende zu schleudern, sagte Polizeisprecher Prawut Thavornsiri am Dienstag. Er habe das Ziel aber verfehlt und der Sprengsatz sei im Wasser explodiert. Verletzt wurde niemand.

Der Anleger Saphan Thaksin ist der wichtigste Pier für Ausflugsboote in Bangkok. Dort holen Luxushotels, die am Fluss Chao Praya liegen, ihre Gäste ab und Touristenboote fahren zu Sehenswürdigkeiten wie dem Königspalast.

Nach dem schwersten Anschlag in der Geschichte Bangkoks am Montag fahnden die Behörden nach einem Verdächtigen. Die Polizei veröffentlichte am Dienstag Fotos von einer Überwachungskamera. Sie zeigen einen jungen Mann in der Nähe des Tatorts, zuerst mit, dann ohne Rucksack. Er trug ein auffälliges gelbes T-Shirt und war unter den Einheimischen und Touristen am Erawa-Schrein direkt an der wichtigsten Einkaufsmeile der thailändischen Hauptstadt, wo am Montag ein Sprengsatz detoniert war. Die Behörden aktualisierten inzwischen ihre Angaben zu den Opfern: Danach starben 20 Menschen, 125 wurden verletzt. Nach Angaben aus dem Auswärtigen Amt gibt es keine Hinweise darauf, dass unter den Todesopfern und Verletzten Deutsche sind. Unter den Toten ist eine britischer Staatsbürgerin. Wie das Außenministerium in London am Dienstag bestätigte, lebte die Frau in Hongkong.

Nach der schweren Explosion in der thailändischen Hauptstadt hat sich auch das Auswärtige Amt eingeschaltet. Die deutsche Botschaft bemühte sich am Montag um Aufklärung, ob auch Deutsche unter den Opfern sind, wie aus dem Ministerium verlautete. Konkrete Hinweise auf deutsche Opfer lagen zunächst aber keine vor.

Das Auswärtige Amt hat nach der Bombenexplosion seine Reise- und Sicherheitshinweise für Thailand aktualisiert. „Reisenden wird empfohlen, besonders vorsichtig zu sein und diese Reisehinweise und die aktuelle Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen“, mahnte das AA in seinen Hinweisen am Montagabend. „Weitere Anschläge auch in anderen beliebten Feriengebieten können nicht ausgeschlossen werden.“ Das Amt empfiehlt, Demonstrationen und Menschenansammlungen zu meiden.

Die Suche nach dem Mann verlief zunächst erfolglos. Unklar war auch, ob er tatsächlich mit dem Anschlag etwas zu tun hatte. Bis Dienstag hatte sich niemand zu der Tat bekannt. „Es ist noch zu früh, um über die Gruppe zu spekulieren, die dafür verantwortlich sein könnte“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Werachon Sukhondhapatak. „Wir rufen alle zur Ruhe auf, damit die Sicherheitskräfte ihre Arbeit machen können.“

Mehrere Dutzend Verletzte waren am Dienstag noch im Krankenhaus, teils mit schweren Verbrennungen. Bei den ersten identifizierten Toten handelt es sich nach Angaben des Regierungssprechers um fünf Thailänder, vier Chinesen, zwei Malaysier und eine Frau aus Singapur.

Viele der Verletzten waren am Dienstag noch nicht in der Lage, sich zu äußern. „Bei vielen Verletzten konnten wir die Nationalität noch nicht feststellen“, sagte der Arzt Phetphong Kamjornjitjakarn. „Sie hatten keine Identifikationspapiere bei sich.“ Der jüngste Patient sei ein fünfjähriger Junge aus China, sagte der Staatssekretär des Ministeriums für öffentliche Gesundheit, Narong Sahametapat.

Nach vorläufigen Angaben der Bundesregierung sind keine Deutsche unter den Opfern. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es am Dienstag: „Uns liegen bislang keine Erkenntnisse vor, dass unter den Opfern auch deutsche Staatsangehörige sind.

Der Anschlag sei die schwerste Attacke dieser Art gewesen, die Thailand je erlebte hat, sagte Regierungschef Prayuth Chan-ocha. Die Behörden täten alles, um die Täter schnell zur Rechenschaft zu ziehen. „Sie wollen unsere Wirtschaft und den Tourismus zerstören,“ sagte Prayuth vor einer Dringlichkeitssitzung seines Kabinetts. Ob der oder die Täter Thailänder oder Ausländer waren, sei noch nicht bekannt. Prayuth hatte im Mai 2014 die gewählte Regierung gestürzt und regiert seitdem.

Die Kreuzung an dem Schrein wurde am Dienstag wieder für den Verkehr geöffnet. Der Schrein selbst blieb geschlossen. Auf dem Gelände war der Sprengsatz explodiert, nach Schätzung von Bombenexperten mit drei bis fünf Kilogramm Sprengstoff. Er riss ein Loch in den Boden. Rundum gingen durch die gewaltige Explosion Glasscheiben zu Bruch.

Am Dienstag herrschte in den umliegenden Einkaufszentren wieder Hochbetrieb. Touristen schossen Sefies mit dem Schrein im Hintergrund.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat den Anschlag in Bangkok „aufs Schärfste“ verurteilt. „Es kann keine Rechtfertigung für diese Gewalt geben“, sagte Steinmeier am Dienstag nach einem Treffen mit dem omanischen Außenminister Jussuf bin Abdullah in Berlin. Steinmeier versprach aber, die neue Sicherheitslage „sehr genau“ zu analysieren. Thailand gehört zu den wichtigsten Urlaubszielen von deutschen Touristen in Asien.

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