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"Star Trek" : Zurück zu den Wurzeln des Klassikers

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"Star Trek" schlägt ein neues Kapitel im großen Epos der Popkultur auf: Der neue Film erzählt, wie sich Captain James T. Kirk und Mister Spock kennenlernten.

In der Enterprise werden die Uhren zurückgedreht: Nach mehreren hundert TV-Episoden und zehn Kinoproduktionen kommt jetzt die Frühgeschichte von "Star Trek" in die Kinos. Regisseur J.J. Abrams, der Erfinder der innovativen Fernsehserie "Lost", zeigt die Anfänge der legendären Raumschiff-Besatzung.
So erlebt der Zuschauer mit, wie Captain Kirk geboren wird. Seine hochschwangere Mutter muss pressen, als das Schiff, auf dem sie sich gerade befindet, von Romulanern zerstört wird. Während Kirks Vater sich in Kamikaze-Manier opfert, wird die Crew in Sicherheit gebracht, und der kleine James T. erblickt das Licht der Serienwelt.
Der furiose Einstieg konfrontiert die Filmproduktion allerdings mit einem kleinen Problem: Eingeführt werden nun bekannte, populäre Figuren, deren Charaktere jedoch kompatibel gemacht werden müssen mit den Erwartungen jener Zielgruppe, die mit Internet, den "Matrix"-Filmen und Ego-Shooter-Computerspielen aufgewachsen ist. Entsprechend inhomogen wirkt das alte, neue Weltraumabenteuer. Der Spagat zwischen Nostalgie und Actionfeuerwerk gelingt nicht immer.
Nebenfiguren sind interessanter
Chris Pine, den man sich auch in einer Parfümreklame vorstellen könnte, wirkt blass in der Rolle des jungen Kirk, der als Frauenheld und Heißsporn in Erscheinung tritt. Doch wie schon in der TV-Serie sind die Nebenfiguren sowieso interessanter. Anton Yelchin gibt Mr. Chekov einen unwiderstehlichen russischen Akzent, der wahrscheinlich von einem extraterrestrischen Virus namens Synchronisation eliminiert werden wird. Bei den weiblichen Figuren ist die Entwicklung leider rückläufig. Zoe Saldana als Uhura wird in ihrem kurzen Rock auf den üblichen Blickfang reduziert.
Die interessanteste Figur ist und bleibt aber der schillernde Mr. Spock. Obwohl ihm nicht mehr diese unnachahmlichen Wortspiele vergönnt sind wie: "Schlagen Sie sich das aus dem Kopf." - "Ich sehe keinen Grund zur Selbstverstümmelung. Zachary Quinto setzt dennoch Akzente als jugendliches Langohr, das auf seinem Heimatplaneten von gleichaltrigen Vulkaniern wegen seiner irdischen Mutter gemobbt wird. Warum er sie geheiratet habe, fragt der junge Spock seinen Vater. Und der antwortet: "Weil es logisch war." Das erscheint auch dem Zuschauer logisch.
Alles nicht unbedingt logisch
Nicht ganz so überzeugend ist der Handlungsteil mit der obligatorischen Zeitschleife: Durch die Zerstörung des romulanischen Heimatplaneten entsteht eine Art Wurmloch, durch welches ein gigantisches Schiff der Romulaner in jene Vergangenheit geschleudert wird, in der der Film spielt. Auch Spock, der irrtümlich für diese Zerstörung verantwortlich gemacht wird, reist mit in die Jetztzeit - und beschert dem alten Leonard Nimoy einen überraschenden Auftritt. Doch wenn der alte und der junge Spock, Zachary Quinto und Leonard Nimoy, sich tatsächlich begegnen, dann ist das, in der Sprache der Vulkanier gesprochen, nicht unbedingt logisch.
Die Zielgruppe dürfte das weniger stören. Für diejenigen aber, die mit dem alten "Raumschiff Enterprise" schon ein paar Lichtjahre auf dem Buckel haben, offenbart das zweistündige Spektakel gewisse Längen, und so mancher "Star-Trek"-Nostalgiker fühlt sich irgendwann "lost", verloren wie die Hauptfiguren in Abrams" bekannter gleichnamiger Fernsehserie. In den gelungenen Momenten entsteht der Eindruck, als sei der Film eine Neuauflage von Bully Herbigs "Star Trek"-Parodie "Traumschiff Surprise".

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erstellt am 06.Mai.2009 | 08:34 Uhr

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