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Panorama

17. Dezember 2017 | 01:39 Uhr

Zum Schutz vor den Eltern

vom

Mehr als 40 000 Jungen und Mädchen mussten 2012 von Jugendämtern aufgenommen werden

shz.de von
erstellt am 08.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Wiesbaden | Immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland kommen zumindest zeitweise in staatliche Fürsorge: Im vergangenen Jahr haben die deutschen Jugendämter 40 200 Kinder zu ihrem eigenen Schutz in Obhut genommen. Das waren gut 1 700 Jungen und Mädchen (fünf Prozent) mehr als 2011, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden gestern mitteilte. Demnach hat die Zahl der Inobhutnahmen in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Gegenüber 2007, als es 28 200 Fälle gab, ist sie um 43 Prozent gestiegen.

Bei einer Inobhutnahme nehmen Jugendämter Kinder, deren Wohl akut gefährdet ist, kurzfristig auf und bringen sie in einer geeigneten Einrichtung unter, zum Beispiel in einem Heim. Das geschieht auf eigenen Wunsch der Minderjährigen oder aufgrund von Hinweisen, etwa von der Polizei oder von Erziehern. Der häufigste Anlass für das Einschreiten der Jugendämter war 2012 die Überforderung der Eltern. Dies traf nach Angaben der Statistiker bei 17 300 Minderjährigen (43 Prozent) zu.

Die meisten der in Obhut genommenen jungen Menschen, nämlich 27 800 (69 Prozent), lebten davor bei ihren Eltern oder einem Elternteil. Der Rest lebte unter anderem bei Verwandten, Pflegeeltern, im Heim, teilweise sogar in einer eigenen Wohnung oder auf der Straße. Nur 39 Prozent der in Obhut genommenen Kinder und Jugendlichen konnten danach wieder zu den Sorgeberechtigten zurückkehren. "Die aktuelle Statistik spiegelt auf drastische Weise wider, dass sich viele familiäre Strukturen unter einer Dauerbelastung befinden", sagte der Awo-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler mit Blick auf die aktuellen Zahlen. Der Wohlfahrtsverband forderte mehr Personal in Jugendämtern und eine größere Unterstützung freier Träger, die bei Eltern viel Vertrauen genießen würden. Ziel sollte laut Stadler sein, Notfallmaßnahmen wie Inobhutnahmen vorzubeugen. Es dürfe nicht ums Sparen gehen, sagte Stadler. Das Kindeswohl sei vorrangig.

Ebenfalls stark zugenommen hat die Zahl der Minderjährigen, die aufgrund einer unbegleiteten Einreise aus dem Ausland in Obhut genommen wurden. Insgesamt kamen 2012 rund 4 800 Kinder ohne Begleitung über die Grenze nach Deutschland, gut fünfmal mehr als im Jahr 2007.

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