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Anuthida Ploypetch : Zu dick, zu alt: Ex-Kandidatin spricht über Germany's Next Topmodel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Donnerstag startet die Show erneut. Die Lübeckerin Anuthida erinnert sich im Interview an ihre GNTM-Zeit zurück.

shz.de von
erstellt am 04.Feb.2017 | 17:07 Uhr

Donnerstag startet die zwölfte Staffel der Castingshow „Germany’s Next Topmodel“. Die Lübeckerin Anuthida Ploypetch (19) wurde bei der Show 2015 Zweite. Mit shz.de sprach sie über Zickereien, eiskaltes Feedback und ihre Versuche, an Schokolade zu kommen.

Frau Ploypetch, kommende Woche geht „Germany’s Next Topmodel“ wieder los. Würden Sie einer Freundin raten dort mitzumachen?

Ich würde es nur empfehlen, wenn ich wüsste, dass sie es psychisch aushält, denn es ist schon ziemlich viel Druck. Überall sind Kameras, du hast kaum Privatsphäre, die Mädels um dich rum sind jeden Tag am Streiten und du musst jede Woche perfekt sein, damit du weiterkommst. Du vermisst deine Familie und Freunde und kannst dich auch nicht bei ihnen ausheulen, weil du kein Handy hast und die Telefongespräche aufgezeichnet werden.

Klingt schlimm...

Nein, es war trotzdem eine supertolle Zeit. Wir haben in einer Riesenvilla in Los Angeles gewohnt und diese schönen Shootings gemacht, bei denen ich mich mal ganz anders gesehen habe. Ich hatte mich vorher nie geschminkt! Ich habe viele coole Menschen kennengelernt, bin gereist. Das war schon eine Mega-Erfahrung.

Die 19-jährige Anuthida Ploypetch ist in Lübeck aufgewachsen, inzwischen wohnt sie in Köln. 2015 wurde sie Zweite bei „Germany’s Next Topmodel“.
Die 19-jährige Anuthida Ploypetch ist in Lübeck aufgewachsen, inzwischen wohnt sie in Köln. 2015 wurde sie Zweite bei „Germany’s Next Topmodel“. Foto: Levi's Silk Relations
 

GNTM soll ja im besten Fall aufs wahre Modelleben vorbereiten. Tut es das?

Naja, GNTM ist in erster Linie eine Show. Die Shootings sind nicht normal, sondern sehr anspruchsvoll und künstlerisch. Da hängt man zum Beispiel in der Luft. Und bei GNTM sitzt du bei Castings nur mit ein paar Mädels. Im wahren Leben sind es manchmal hunderte, die den ganzen Tag warten, um teilweise 30 Sekunden zu laufen, ein ,Danke’ zu hören und wieder rauszugehen. Sonst laufen Castings aber schon so ab wie in der Sendung.

Wie ging es denn für Sie im wahren Modelleben weiter?

Ich habe nach der Sendung erstmal meine mittlere Reife nachgeholt und wollte mich dann aufs Modeln konzentrieren. Aber ich wurde immer nur auf die Berliner Fashion Week geschickt, ab und zu gab es mal ein Shooting. Es passierte nicht viel, war immer das Gleiche. Und wenn ich mich international beworben habe, hieß es: Sie ist zu dick, sie ist zu alt, sie ist kein „new face“ mehr. Internationale Kunden sind eher kritisch, wenn du „von Heidi“ kommst und kein New-Face-Model bist. Und sie wollen sehr dünne Mädchen, die am liebsten erst 15 oder 16 sind. Ich möchte aber auf keinen Fall noch mehr abnehmen, denn ich finde mich jetzt schon relativ dünn. Das ist es mir nicht wert.

Nicht abnehmen, wenn der Kunde es wünscht? Da würde Heidi Klum aber mit Ihnen schimpfen, oder?

Ich glaube, Heidi würde es schon verstehen. Sie hat auch mal gesagt: ,Das Wichtigste ist, gesund zu sein und sich nicht für alles und jeden abzumagern.’ Ob sie meine Entscheidung gut finden würde, weiß ich nicht.

Das Paradoxe ist ja, dass wahrscheinlich niemand so viel Kritik für sein Aussehen einstecken muss wie Models. Wie ist das, sowas zu hören?

Das hat mich schon mitgenommen, auch wenn ich meistens drüberstehe. Man darf es sich nicht zu Herzen nehmen, denn als Model wird man ständig kritisiert. „Zu dünn, zu dick, deine Ohren passen mir nicht, deine Nase gefällt mir nicht“ – jeder Kunde hat irgendetwas auszusetzen. Einer hat mal eiskalt zu mir gesagt: „Wir nehmen dich nicht, wir finden dich hässlich.“ Ich habe Models kennengelernt, die sich wegen einer einzigen Aussage total fertiggemacht haben.

Ganz so hart ist die GNTM-Jury dann ja nicht. Wie waren Heidi Klum, Thomas Hayo und Wolfgang Joop denn so?

Mit der Jury hatten wir gar nicht so viel zu tun. Nur Thomas hat sehr viel Zeit mit uns am Set verbracht, kam auch in den Pausen oder nach dem Dreh. Er ist sehr lässig und bodenständig, einfach eine coole Socke. Heidi hatte wenig Zeit. Wenn die Kameras aus waren, war sie sofort weg. Am Anfang hat mich das enttäuscht, aber sie hat ja auch echt viel am Hut. Und der Wolfgang! Der war megalieb. Er war so der Papi bei uns, wir hatten ihn alle lieb. Insgesamt waren alle drei sehr sympathisch.

Auch noch, wenn sie über die Kandidatinnen geurteilt haben?

Im Feedback war die Jury knallhart. Aber ich fand es gut so, sonst hätte ich mich nicht weiterentwickeln können. Von den Mädels kriegt man keine ehrliche Meinung, die sagen ja immer: „Das war voll toll!“

In Ihrer Staffel gab es besonders viel Streit unter den Teilnehmerinnen...

Ja, die Zickereien waren krass. Am Anfang war noch alles cool, aber irgendwann gab es jeden Tag nur Streit und jede hat vor der Kamera über die Andere gelästert. Ich fand das so schrecklich! Zum Glück hatte ich damit nichts zu tun. Ein bisschen wurde das vom Produktionsteam auch provoziert, wenn es etwa einer Kandidatin gesteckt hat, was eine andere über sie gesagt haben soll. Bei mir haben sie das auch versucht, aber darauf habe ich mich nicht eingelassen.

Gab es Regieanweisungen?

Ich werde oft gefragt, ob es ein Drehbuch gab. Am liebsten würde ich antworten: „Ja, es gab ein Drehbuch!“, weil ich nicht wahrhaben will, dass diese ganzen Streitereien wirklich echt waren. Aber nein: Es gibt kein Drehbuch. Das ging alles von uns selbst aus. Es wurde aber natürlich viel geschnitten.

Was zum Beispiel?

Ich wurde sehr als Schüchterne dargestellt, die sich zurückgezogen hat. In der Presse hieß es immer „die schüchterne Anuthida“. Aber eigentlich bin ich so gar nicht. Ich bin offen, habe bei GNTM getanzt, gesungen und viel über mich erzählt. Aber das wurde nicht gezeigt. Manchmal sah es im Fernsehen auch so aus, als ob drei Tage eine ganze Woche waren, oder sie haben Szenen zusammengeschnitten, die nichts miteinander zu tun hatten. Besonders krass fand ich, als einmal ein Mädel mit den Augen gerollt hat und das dann zur Aussage einer anderen Kandidatin gesetzt wurde, obwohl das gar nicht zusammengehörte.

Wie oft waren die Kameras denn dabei?

Eigentlich den ganzen Tag. Oft kamen sie um 9 Uhr, und wenn es spannend bei uns war und Streit gab, blieben sie sogar bis Mitternacht. Zwischendurch gab es nur mal kurze Pausen. Viele Mädels meinten immer: „Oh nein, die Kameras kommen!“ Einige haben auch keine richtigen O-Töne gegeben, damit es nicht verwendet wird. Mich haben die Kameras aber nicht gestört, weil ich mich auch nicht verstellt habe.

Sie waren monatelang unterwegs, die Zuschauer sehen nur Ausschnitte. Was haben Sie den Rest der Zeit gemacht?

Wir hatten die Shootings, Challenges, Castings, und es gab zwei Interview-Tage in der Woche. Dann gab es Off-Days, an denen wir mal zum Shoppen oder an den Strand fuhren, aber immer mit Betreuer. Oft haben wir auch nur in der Villa oder am Pool gechillt oder Fernsehen geguckt. Manchmal war das schon ziemlich öde. Dann haben wir gefragt, ob wir irgendwo hinfahren können, aber meistens ging das nicht.

Und das Essen?

Wir haben eine Einkaufsliste geschrieben, die Sachen wurden dann für uns besorgt. Ich habe jedes Mal „Schokolade“ auf die Liste geschrieben, die gab es aber nie. Stattdessen Vollkornnudeln, fettarme Milch, viel Obst und Gemüse... Wir haben selbst gekocht, aber selten alle zusammen gegessen. Ich habe mir meistens Asia-Fertignudeln gemacht. Hungern mussten wir jedenfalls nicht.

Wie alle GNTM-Finalistinnen waren Sie bei der Agentur „one eins“ von Günther Klum, die wegen angeblicher Knebelverträge und schlechter Job-Aussichten immer wieder kritisiert wird. Auch Sie haben „one eins“ verlassen. Warum?

Ach, ich hab den Vertrag einfach nicht verlängert. Es kamen nicht die richtigen Angebote. Aber man muss schon dankbar sein. Man darf nicht vergessen, dass wir von der Show kommen. Die haben uns gemacht und sich um uns gekümmert. Es ist auch bei anderen Modelagenturen nicht so einfach. Das sind oft Massenagenturen, die nicht auf dich eingehen, da kannst du „verschwinden“ und kriegst auch keine Jobs.

Was machen Sie jetzt?

Vor ein paar Monaten bin ich von Lübeck nach Köln gezogen. Ich war schon immer musikalisch, früher hab ich mit meinen Freunden Straßenmusik gemacht. Jetzt möchte ich mich im Singen probieren. Es ist schon etwas in Arbeit, mehr darf ich aber nicht verraten. Mal sehen, wie es ankommt.

Haben Sie sich eigentlich je als „normales“ Model gefühlt oder immer als GNTM-Kandidatin?

Als normales Model habe ich mich nie gefühlt. Ich werde immer noch oft drauf angesprochen: „Bist du nicht die von GNTM?“ Das ist auch ok, und ich freue mich, wenn ich jemandem mit einem Selfie eine Freude machen kann. Trotzdem arbeite ich daran, von dem Image wegzukommen. Damit es heißt: „Die Anuthida, die macht jetzt Musik!“

...und geht vielleicht irgendwann ins Dschungelcamp?

Nein nein nein, neeein!

Die zwölfte Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ startet am Donnerstag, 9.2., um 20.15 Uhr auf ProSieben.

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