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Hubschrauber-Kollision in Argentinien : Zehn Tote bei Dreharbeiten für Reality-Show „Dropped“

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Bei Dreharbeiten für die französische Reality-Show starb auch die erst 25-jährige Olympia-Siegerin von 2012, Camille Muffat.

La Rioja | Zehn Menschen sind bei der Kollision von zwei Hubschraubern in der Luft im Norden Argentiniens ums Leben gekommen. Die beiden Helikopter stießen am Montagnachmittag nach Medienberichten bei gutem Wetter in der Nähe von Villa Castelli zusammen. Es gab keine Überlebenden. Der Ort liegt in der Provinz La Rioja, 1100 Kilometer nordwestlich von Buenos Aires.

Auf Videoaufnahmen des Unglücks ist zu sehen, wie die Helikopter zunächst nebeneinander fliegen, sich dann nähern und schließlich zusammenstoßen. „Es gab eine große Explosion und dann war alles in Flammen gehüllt“, zitierte die Zeitung „Nueva Rioja“ eine Augenzeugin.

Acht der Opfer seien Franzosen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf die Behörden. Darunter ist auch die französische Schwimm-Olympiasiegerin Camille Muffat. Die 25-Jährige gewann bei den Olympischen Spielen in London 2012 Gold über 400 Meter Freistil. Auch der Boxer und Bronzemedaillegewinner von Olympia 2008 in Peking, Alexis Vastine, und Seglerin Florence Arthaud kamen bei dem Unfall ums Leben. Die verstorbenen Sportler waren Teilnehmer der Reality-Show „Dropped“. Auch die beiden argentinischen Piloten und ein französisches Fernseh-Team starben bei dem Unglück.

Die beiden Maschinen waren nur 400 Meter entfernt vom Startpunkt kollidiert und zu Boden gestürzt. Die Hubschrauber vom Typ Eurocopter wurden von erfahrenen Piloten geflogen - sie arbeiteten früher für die Luftwaffe. In der Region sind jedoch plötzliche Windstöße üblich. Die Feuerwehr brauchte zwei Stunden, um den Brand zu löschen.

Die Leichen konnten erst am Dienstagmorgen (Ortszeit) geborgen werden. Zuvor musste die Ankunft von Flugunfallexperten abgewartet werden, die aus dem 500 Kilometer entfernten Córdoba anreisten, wie die zuständige Behörde mitteilte. Aus den Wracks wurden auch sechs Handys und drei Kameras geborgen, sagte der Polizeichef von La Rioja, Luis Antonio Páez.

In Frankreich nahm die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung auf, wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Justizkreise meldete. Die Pariser Behörde für Flugunfälle BEA schickte am Dienstag nach eigenen Angaben zwei Ermittler nach Argentinien, um die Aufklärung der Unfallursache zu unterstützen.

Die Aufnahmen der Survival-Reality-Show hatten im September 2014 in La Rioja begonnen und standen sich kurz vor ihrem Abschluss. Der örtliche Bürgermeister Andrés Navarrete sagte dem Radiosender La Red, das Team habe bereits zweimal in der Gegend gedreht, am Montag sollte der dritte Dreh beginnen. Die Region war durch die Rallye Dakar bekanntgeworden. Bei der Überlebenssendung werden Teilnehmer in einsamen Landschaften ausgesetzt und mehrere Tage sich selbst überlassen. Die Dreharbeiten wurden abgebrochen, die Teams der Produktionsgesellschaft Adventure Line Production (ALP) sollten nach Frankreich zurückkehren. TF1 wollte „Dropped“ in diesem Jahr erstmals ausstrahlen.

Der ehemalige Stürmer der französischen Nationalmannschaft, Sylvian Wiltord, trauerte bei Twitter um seine Mitstreiter. Er war zuvor ausgeschieden und bereits nach Frankreich zurückgekehrt. „Ich bin traurig über den Tod meiner Freunde, ich zittere, ich bin entsetzt, ich habe keine Worte, ich kann nichts sagen,“ schrieb er.

Der internationale Schwimmsport trauert um Muffat. „Das sind niederschmetternde Neuigkeiten, ein Leben wurde viel zu früh genommen“, twitterte die amerikanische Lagen-Olympiasiegerin Jessica Hardy.

Ihre Teamkollegin, die viermalige Olympiasiegerin Janet Evans würdigte Muffat als „unglaubliche Athletin und Inspiration für uns alle“.

Auch Ungarns Lagen-Weltmeisterin Katinka Hosszu äußerte sich erschüttert: „Ich kann es nicht glauben.“

„Camille war eher schüchtern, aber wenn es etwas zu lachen gab, war sie immer dabei“, sagte Freistilstaffel-Olympiasieger Amaury Leveaux über seine Teamkollegin. Muffat hatte ihre Karriere im vergangenen Jahr überraschend beendet.

Frankreichs Präsident François Hollande reagierte erschüttert auf das Unglück. Der plötzliche Tod sei ungeheuer traurig, hieß es in einer vom Élysée-Palast am Dienstag herausgegebenen Erklärung Hollandes. Der Staatschef sicherte den Angehörigen der Opfer seine Unterstützung zu. Auch der französische Premierminister Manuel Valls kündigte Unterstützung für die Familien der Opfer an. „Ganz Frankreich trauert heute Morgen“, schrieb der Regierungschef am Dienstag über den Kurznachrichtendienst Twitter. Valls sprach von immensem Schmerz nach der Tragödie.

Der Programmleiter der norwegischen Version von „Dropped“, Dag Otto Lauritzen, teilte dem Fernsehsender NRK mit: „Das ist tief tragisch, und ich habe einen Schock bekommen, als die Nachricht kam.“ Als die Norweger eine Folge in La Rioja aufgezeichnet hätten, habe er die Sicherheit als gut erlebt.

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erstellt am 10.Mär.2015 | 16:39 Uhr

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