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Pro und Contra : Zauberhafter Februar – furchtbarer Februar

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Die einen mögen ihn, die anderen hassen ihn. Ein leidenschaftliches Pro und Contra zum Wintermonat Februar.

shz.de von
erstellt am 04.Feb.2016 | 18:49 Uhr

Warum ich den Februar liebe

Für eine gute Argumentation braucht man manchmal berühmte Hilfe mit intellektuellem Gewicht. Für mein Lob auf den Februar hole ich sie mir bei Hermann Hesse: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“ Moment – der Februar ist doch gar kein Anfang, sondern nur der unscheinbare zweite Monat? Falsch, ganz falsch. Nicht nur für Chinesen, die in erst am 8. Februar ihr Neujahrsfest feiern.

Der Januar ist bei uns nämlich nur ein Übergangsmonat ohne Relevanz. Weihnachten ist vorbei, Silvester auch. Nichts glitzert mehr, aber kalt und nass und dunkel ist es immer noch. Wer so ambitioniert war, „gute Vorsätze“ fürs neue Jahr zu fassen, braucht volle 31 Tage, um festzustellen, dass er oder sie auch ohne übertriebene Selbstoptimierung eigentlich ganz okay ist. Und das Leben schön. Dann kommt der zauberhafte Februar - und das Jahr fängt wirklich an.

Im Februar ist alles Vorfreude: Die Tage werden langsam, aber deutlich länger. In den Blumenläden warten schon Tulpen und Narzissen. Der Februar hat übrigens tolle Menschen hervorgebracht. Eine eher zufällige Auswahl: Thomas Edison, Kurt Cobain, Yoko Ono, mich.

Wenn Sie in Schleswig-Holstein wohnen, werden Sie wahrscheinlich nicht Karneval feiern – außer Sie sind in Marne. Wer mal im Februar zum Beispiel im Rheinland war, weiß: Richtig gefeiert macht Karneval Spaß. Das innere Kind rauslassen, Kontrolle abgeben, singen und tanzen: Diese Ratschläge könnten auch in einem Achtsamkeits- oder Glücksseminar fallen. Der Karneval markierte außerdem schon das Ende des Winters, als er als noch gar nicht als christliches Fest erfunden war. Alle treiben schon seit Jahrtausenden ein bisschen verrückt die Wintergeister aus. Gut so. Tschüss, Dunkelheit. Hallo Frühling.

Hallo Frühling, ich wäre dann so weit.

Ein von Barbara Maas (@bamafle) gepostetes Foto am

Und zu dem ganzen Glück schenkt uns der Februar in Schaltjahren auch noch Zeit. Einen ganzen Tag, 2016 wieder. Das ist doch nett von ihm, oder?

Barbara Maas

Februar, der schrecklichste Monat des Jahres

Der Februar ist ein Monat, den die Menschheit nicht braucht. Zumindest nicht die Menschheit in Schleswig-Holstein..

Andernorts mag das anders sein. In Alpennähe zum Beispiel. Da ist der Februar der beste Skifahrmonat. Nicht so schneeunsicher wie der Dezember, nicht so saukalt wie der Januar, nicht so matschepampig wie oft der März. Andernorts weiß man das. In Berlin etwa oder in Meckpomm gibt es im Februar Winterferien. Dann kann man sich diesen scheußlichen Monat am Sonnenhang schönschwingen. Hierzulande ist das unbekannt. Februar ist in SH Leidenszeit. War schon immer so.

Im Südwesten der Republik ist der Februar auch nicht so schlimm. Dort besteht Hoffnung, denn bald ist März. Und dann ist dort nicht nur kalendarisch Frühjahresbeginn, sondern rund um Freiburg oder am Bodensee auch im echten Leben. So mit warm und Eis und länger draußen sitzen. Zwischen Süderlügum und Norderstedt bedeutet Februar dagegen: Tiefster Winter. Denn es folgen noch drei weitere Wintermonate. März, April und Mai.

Und dann die Februar-Dunkelheit. Sonnenaufgang ist immer noch nach acht. Sonnenuntergang vor fünf. Dabei ist die Wintersonnenwende schon fast sechs Wochen her. Die Dunkeldepression bleibt. Einziger Lichtblick im Wortsinne: Hier zahlt man die Dunkelheit quasi auf ein Sparkonto, das man Ende Juni und Anfang Juli mit Zinsen wieder ausbezahlt bekommt. Dann sitzen wir bis Mitternacht im Hellen auf der Terrasse, während der Münchner schon um zehn aus dem stockdusteren Biergarten vertrieben wird.

Ach, wäre es doch nur schon Juni.

Joachim Dreykluft

 

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