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Eurovision Song Contest : Xavier Naidoo singt doch nicht beim ESC 2016 für Deutschland

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„Wir haben das falsch eingeschätzt“: Der NDR zieht seinen Vorschlag überraschend zurück. Naidoo will weiter „Einsatz für Liebe“ zeigen.

Xavier Naidoo wird im kommenden Jahr nicht beim Eurovision Song Contest (ESC) in Stockholm für Deutschland singen. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) zog am Samstag seinen entsprechenden Vorschlag zurück, wie der Sender mitteilte. Er reagiert damit auf die heftige Kritik an dem Plan.

ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber: „Die laufenden Diskussionen könnten dem ESC ernsthaft schaden. Aus diesem Grund wird Xavier Naidoo nicht für Deutschland starten. So schnell wie möglich werden wir entscheiden, wie der deutsche Beitrag für den ESC in Stockholm gefunden wird."

Der Sender, der den Wettbewerb für die ARD betreut, hatte am Donnerstag angekündigt, dass Naidoo für Deutschland beim ESC im Mai antrete. Die Zuschauer sollten im Februar nur noch das Lied bestimmen.

Gegen die Grand-Prix-Teilnahme des umstrittenen Sängers hatte sich heftiger Widerstand geregt. Im Internet liefen mehrere Petitionen gegen die ARD-Pläne, Naidoo konkurrenzlos für den ESC antreten zu lassen. Naidoo hat mehrfach Diskussionen ausgelöst - etwa, als er am Tag der Deutschen Einheit 2014 vor rechtspopulistischen Reichsbürgern sprach, die Deutschland nicht als souveränen Staat anerkennen. 2011 hatte Naidoo in der ARD erklärt: „Wir sind nicht frei. Wir sind immer noch ein besetztes Land.“

2012 rief der Text des Liedes „Wo sind sie jetzt“ von Naidoo und Kool Savas Ärger hervor. Dort geht es in sehr vulgärer Sprache um Kindermorde - Passagen wurden als schwulenfeindlich kritisiert, Homosexuelle würden mit Pädophilen gleichgesetzt.

„Xavier Naidoo ist ein herausragender Sänger, der nach meiner Überzeugung weder Rassist noch homophob ist. Es war klar, dass er polarisiert, aber die Wucht der Reaktionen hat uns überrascht. Wir haben das falsch eingeschätzt“, teilte Schreiber mit. Der Eurovision Song Contest sei ein fröhliches Event, bei dem die Musik und die Völkerverständigung im Mittelpunkt stehen sollten. Dieser Charakter müsse unbedingt erhalten bleiben.

Die Reaktion von Xavier Naidoo auf die Absage:

Der Sänger gibt sich kämpferisch. „Meine Leidenschaft für die Musik und mein Einsatz für Liebe, Freiheit, Toleranz und Miteinander wird hierdurch nicht gebremst“, erklärte der 44-Jährige am Samstag in einer Mitteilung.

Naidoo machte gleichzeitig klar, dass der Entschluss, nicht für Deutschland beim Grand Prix zu singen, einseitig gefasst worden sei. „Wenn sich nun kurz nach unserer vertraglichen Einigung mit dem NDR und dem Abschluss aller Vorbereitungen die Planungen der ARD durch einseitige Entscheidung geändert haben, dann ist das ok für mich.“

Die ARD sei vor einigen Monaten auf ihn zugekommen und habe ihn gebeten, für Deutschland beim ESC anzutreten, erklärte Naidoo. „Das war der alleinige Vorschlag der ARD“, fügte er hinzu. „Ich habe nach reichlicher Überlegung schließlich zugesagt, weil dieser Wettbewerb ein ganz besonderes Ereignis für mich gewesen wäre.“

Noch am Samstag hatte sich der Konzertveranstalter Marek Lieberberg („Rock am Ring“) mit deutlichen Worten hinter Naidoo gestellt. Mit Blick auf die Vorwürfe gegen den Sänger aus Mannheim meinte Lieberberg: „Ich bin zutiefst erschüttert über die unglaubliche Hetze, die widerliche Heuchelei und den blinden Hass, für die es keinerlei Berechtigung gibt!“ Er habe in mehr als 20 Jahren nie das Gefühl gehabt, dass bei Naidoo „auch nur der Hauch eines antisemitischen, rassistischen, xenophobischen oder nationalistischen Sentiments existiert“.

Dass Naidoo nun doch nicht beim ESC antreten wird, wird bei Twitter wie folgt kommentiert:

Aber nicht jeder Nutzer ist mit der NDR-Entscheidung zufrieden:

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erstellt am 21.Nov.2015 | 14:17 Uhr

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