zur Navigation springen

Umstrittener Oktoberfestbesuch : Wulff wollte Einfluss auf „Tatort“ nehmen

vom

Bettina Wulff im Zeugenstand: Die Noch-Frau des Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff sagt in Hannover im Korruptionsprozess aus. Nicht nur das aktuelle Verhältnis zu ihrem Mann ist Thema - auch seine Meinung über ARD-Krimis.

shz.de von
erstellt am 12.Dez.2013 | 11:12 Uhr

Hannover | Im Korruptionsprozess gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat seine Ehefrau Bettina die gute Freundschaft ihres Mannes zu Filmfinancier David Groenewold bestätigt. Die 40-Jährige sagte am Donnerstag als Zeugin im Landgericht Hannover aus. Zu Beginn nahm Bettina Wulff auf Nachfrage des Richters Stellung zum aktuellen Verhältnis zu ihrem Mann, von dem sie inzwischen getrennt lebt. „Wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis, wir sehen uns regelmäßig.“ 

Bettina Wulff hatte ihren Mann 2008 zum Münchner Oktoberfest begleitet, Groenewold übernahm dabei einen Teil der Kosten. Wulff setzte sich später für eines seiner Filmprojekte ein. Bettina Wulff berichtete, die Idee zum gemeinsam Wiesn-Besuch sei Anfang 2008 entstanden. „David hat vorgeschlagen, er würde uns gerne einladen“, sagte die 40-Jährige. Es sei schwierig gewesen, private Termine im Kalender ihres Mannes unterzubringen. „Private Termine waren immer sekundär, primär standen die offiziellen im Vordergrund.“ Aus der privaten Idee sei später ein offizieller Termin geworden.

Ihrem Mann habe am Herzen gelegen, mit der Schauspielerin Maria Furtwängler beim Oktoberfest über ihren Einfluss auf die „Tatort“-Drehbücher zu reden, „dass man vielleicht das Land Niedersachsen auch ein bisschen freundlicher darstellen könnte da“. Die Episoden seien immer „so düster“ gewesen. „Da haben wir uns ein bisschen darüber geärgert.“

Der Richter: Frank Rosenow

Weiße Haare, schlichte schwarze Brille und ein leicht amüsiertes Lächeln im Gesicht: Frank Rosenow ist Vorsitzender Richter der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts Hannover. In seinem Richteralltag hat er oft mit Mördern oder Drogenkriminellen zu tun, die Bandbreite menschlicher Schicksale ist ihm nicht fremd. Der Korruptionsprozess gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff ist ein Fall unter vielen für Rosenow - aber einer, auf den sich alle Blicke richten werden.

Der Jurist gilt als gelassener Verhandlungsführer, der auch bei brenzligen Themen Ruhe ausstrahlt. Trotz allen Lächelns lässt er im Gerichtssaal nie Unklarheit darüber aufkommen, wer der Herr des Verfahrens ist. Rosenow arbeitet seit 1990 in der niedersächsischen Justiz, zunächst am Landgericht Stade, später am Oberlandesgericht Celle und seit 2010 in Hannover.

Der Richter kann auch sehr unkonventionell und pragmatisch agieren: Größere Schlagzeilen machte er, als er 2012 in einem Prozess einen Wachtmeister losschickte, um für einen alkoholkranken Zeugen zwei Flachmänner mit Weinbrand zu kaufen. Der Mann sollte so seine Entzugserscheinungen mildern, um besser auf Fragen antworten konnte. „Was für eine Schnapsidee“, titelte später die lokale Presse.

Die Ankläger: Clemens Eimterbäumer und Anna Tafelski

Clemens Eimterbäumer ist der Chefermittler in Sachen Wulff: Er leitet bei der Staatsanwaltschaft Hannover die Zentralstelle für Korruptionsstrafsachen. Der 43-jährige Jurist übernahm diesen Posten 2011, anderthalb Monate bevor die ersten Vorwürfe gegen den damaligen Bundespräsidenten Wulff auftauchten.

In der Aufklärung von Korruptionsstraftaten gilt der Jurist nach Angaben aus seinem Haus als ausgesprochener Spezialist. Allerdings gerieten die Wulff-Ermittlungen auch immer wieder in die Kritik: Zum einen, weil sie extrem detailliert geführt wurden und sich mehr als ein Jahr hinzogen. Zum anderen, weil der Kern der Anklage immer mehr zusammenschrumpfte. Für Ärger sorgte ferner, dass laufend Details der Ermittlungen in die Öffentlichkeit gelangten.

Oberstaatsanwalt Eimterbäumer begann seine Karriere 1998 bei der Staatsanwaltschaft Hannover, dort baute er die Abteilung für Finanzermittlungen mit auf. Später folgten Stationen als Richter in Bückeburg, Stolzenau und Celle.

Anna Tafelski (30), zweite Vertreterin der Staatsanwaltschaft im Wulff-Prozess, arbeitete als Richterin in Verden und Nienburg, bevor sie in die Abteilung für Vermögensermittlungen und Geldwäsche der Staatsanwaltschaft Hannover wechselte.

Die Verteidiger: Bernd Müssig und Michael Nagel

Rechtsanwalt Bernd Müssig hat nicht nur Christian Wulff als prominenten Mandanten: Für Max Strauß holte er in zweiter Instanz einen Freispruch heraus, als dieser sich in einem Steuer-Strafprozesses wegen Geldzahlungen von Rüstungslobbyist Karlheinz Schreiber verantworten musste. Müssig verteidigte auch Bundeswehroberst Georg Klein, der in Afghanistan das Bombardement von Tanklastern befahl, bei dem bis zu 142 Menschen starben.

Der 52 Jahre alte Müssig lehrt neben seiner Tätigkeit als Anwalt als Professor an der Uni Bonn. Außerdem hat er zahlreiche Bücher zum Strafrecht, zum Strafprozessrecht und zur Rechtstheorie veröffentlicht.

Verteidiger Michael Nagel aus Hannover ist seit knapp 20 Jahren als Anwalt tätig. Einer seiner Fälle, der Schlagzeilen machte, war der eines jungen Mannes, der nach einem Urlaubsflirt mit einem britischen Mädchen acht Monate in der Türkei in Untersuchungshaft saß. Nagel legte das Mandat nieder, als sein Mandant ein Buch über sein Schicksal veröffentlichte.

Der Jurist Nagel lehrt wie sein Co-Verteidiger Müssig auch an der Uni, er ist Honorarprofessor in Hannover. Bevor er Jura und Philosophie studierte, absolvierte Nagel zunächst eine Banklehre.

Der Filmfinanzierer: David Groenewold

David Groenewold hat das Rampenlicht geliebt. Lässiges Flanieren über rote Teppiche samt Blitzlichtgewitter gehörte für den Filmfinanzier viele Jahre zum Geschäft. Doch die Zeiten sind vorbei. Seitdem die Staatsanwaltschaft Hannover im Februar 2012 Ermittlungen gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff und seinen Freund Groenewold eingeleitet hat, ist es ruhig um den Netzwerker geworden.

Mit den Medien kommunizieren seither meist die Anwälte des 40-Jährigen. Auch das Thema hat sich verändert. Heute geht es nicht mehr erfolgreiche Filmprojekte wie „Neues vom Wixxer“ oder „Zettl“, sondern den Vorwurf, Wulff und dessen Frau Bettina 2008 zu einem Oktoberfestbesuch eingeladen zu haben. Wulff und Groenewold hatten sich 2003 im Goslar kennengelernt, wo Groenewold die Dreharbeiten des TV-Mehrteilers „Das Wunder von Lengede“ besuchte.

Der in Berlin geborene Groenewold entwickelte früh eine Leidenschaft für den Film. Sein Vater, ein Steueranwalt, finanzierte den legendären Film „Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ (1981) mit. Nach dem Studium an der London School of Economics und einer Stellung bei einer US-Bank zog David Groenewold ins Showbusiness. Er wurde Assistent bei der Late-Night-Show von David Letterman, dann ging er zum Film. Im Gegensatz zu jenen Investoren, die Geld nach Hollywood schickten, wollte er das Geld nach Deutschland lenken.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen