Neue Spekulationen um Malaysia-Airlines-Flug : Wrackteil auf La Reunion gefunden – Hinweis auf MH370?

Fernsehbilder zeigen das Wrackteil, das am Mittwochmorgen auf der Insel angespült wurde.
Fernsehbilder zeigen das Wrackteil, das am Mittwochmorgen auf der Insel angespült wurde.

Im März 2014 verschwindet Flug MH 370. Jetzt wird ein mit Muscheln überzogenes Wrackteil auf der Insel La Reunion im Indischen Ozean gefunden. Gehört es zu der verschollenen Malaysia-Airlines-Maschine?

shz.de von
30. Juli 2015, 11:25 Uhr

Paris/Saint André | Flugzeugexperten arbeiten mit Hochdruck an der Identifizierung des auf der Insel La Reunion im Indischen Ozean angespülten Flugzeugwrackteils. Ermittler halten es für gut möglich, dass es zu der vor mehr als 16 Monaten spurlos verschwundenen Malaysia-Airlines-Maschine mit der Flugnummer MH370 gehört.

Analysen und Modellrechnungen über den möglichen Absturzort bestätigten dies, teilte die australische Regierung am Donnerstag mit. Der Ozeanograf David Griffin sagte dem australischen Rundfunksender ABC, Meeresströmungen und Winde könnten schwimmende Teile Tausende Kilometer weit zur Insel La Réunion vor der Küste Afrikas bringen. Zudem wollen US-Ermittler auf Fotos ein Merkmal entdeckt haben, das eindeutig auf eine Boeing 777 hinweise, berichtete der US-Sender CNN am Donnerstag.

Die Boeing 777 war am 8. März 2014 mit 239 Menschen an Bord auf dem Weg von Kuala Lumpur nach nach Peking spurlos verschwunden. Zwei Drittel der Fluggäste waren Chinesen. Die Piloten hatten sich 40 Minuten nach dem Start zum letzten Mal beim Tower gemeldet, ohne Hinweis auf Probleme. Weniger als eine Stunde nach dem Start verschwand die Maschine vom Radar. Das Flugzeug wurde seither ohne Erfolg gesucht.

Auf Twitter sind erste Bilder des Teils zu sehen:

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="en" dir="ltr">A piece of missing airplane <a href="https://twitter.com/hashtag/MH370?src=hash">#MH370</a> may have been found, 6,000 km from where it was last seen. <a href="http://t.co/5ueOtdvW28">http://t.co/5ueOtdvW28</a> <a href="http://t.co/20vH9LrhHJ">pic.twitter.com/20vH9LrhHJ</a></p>&mdash; Discovery Canada (@DiscoveryCanada) <a href="https://twitter.com/DiscoveryCanada/status/626453618384871424">29. Juli 2015</a></blockquote></center>

Die Untersuchungen des Teils würden in Australien mit „sehr großem Interesse“ verfolgt, sagte Verkehrsminister Warren Truss dem Radiosender ABC. „Sollte sich herausstellen, dass das Wrackteil von MH370 stammt, würde das die Analysen und Modellrechnungen bestätigen, dass das Wrack im südlichen Indischen Ozean abgestürzt ist“, teilte das Ministerium für Infrastruktur in Canberra mit. „Wir müssen uns jetzt wirklich die Größe und Form anschauen, und ob irgendwelche Markierungen darauf sind, etwa Nummern von Bauteilen oder Seriennummern“, sagte ein Ministeriumssprecher im Rundfunk.

Satellitenauswertungen hatten ergeben, dass das Flugzeug noch rund sieben Stunden weitergeflogen war und vermutlich im Indischen Ozean knapp 2000 Kilometer westlich von Perth an der australischen Westküste abstürzte, nachdem der Treibstoff ausgegangen war.

Der französische Luftsicherheitsexperte Xavier Tytelman sprach von einer unglaublichen Ähnlichkeit zwischen dem gefundenen Wrackstück und einem Teil eines Ruders einer Boeing 777. Auf seinem Twitter-Account und seinem Blog veröffentlichte er eine Skizze dazu. „In einigen Tagen werden wir eine sichere Antwort haben“, schrieb Tytelman.

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="fr" dir="ltr">Similitudes incroyables entre le flaperon d&#39;un <a href="https://twitter.com/hashtag/B777?src=hash">#B777</a> et le débris retrouvé ce matin à <a href="https://twitter.com/hashtag/LaReunion?src=hash">#LaReunion</a>... <a href="https://twitter.com/hashtag/MH370?src=hash">#MH370</a> ? <a href="http://t.co/GDkzRLwi2h">pic.twitter.com/GDkzRLwi2h</a></p>&mdash; Xavier Tytelman (@PeurAvion) <a href="https://twitter.com/PeurAvion/status/626391215349612544">29. Juli 2015</a></blockquote>

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Die für Lufttransporte zuständige Gendarmerie auf der zu Frankreich gehörenden Insel La Reunion eröffnete nach den Berichten ein Untersuchungsverfahren. Derzeit werde in alle Richtungen ermittelt.

Malaysia Airlines wollte sich an Spekulationen über den Fund zunächst nicht beteiligen. „Im Moment wäre es für die Airline zu früh, über die Herkunft des Objekts zu spekulieren“, teilte Malaysia Airlines am Donnerstag in Kuala Lumpur mit.

Die Mehrheit der Passagiere von MH370 stammte aus China. Angehörige äußerten sich skeptisch über den Fund. Viele fürchten, es handele sich nur um ein Gerücht und warten auf eine offizielle Bestätigung. „Es ist so weit weg, wo sie das Teil gefunden haben“, wunderte sich Liu Dongliang, dessen Bruder an Bord der Maschine war. „Die Nachricht kommt nicht von einer offiziellen Quelle, deswegen bezweifle ich, das es wahr ist.“ Auch Chen Pu, dessen Frau in dem Flugzeug war, sagte: „Es ist wieder ein Gerücht wie so viele Gerüchte davor. Ich glaube es nicht und würde empfehlen, keine Gerüchte zu verbreiten.“

Das laut Augenzeugen mit Muscheln besetzte Wrackteil soll etwa nach Seriennummern abgesucht werden. Neben möglichen Verbindungen zur MH370 sollen auch eventuelle Spuren zu zwei Flugzeugabstürzen in den Jahren 2006 und 2009 untersucht werden.

Seit einem Jahr wird in MH370 in einem etwa 93 Kilometer breiten und 650 Kilometer langen Korridor vermutet. Meeresströmungen könnten das Wrackteil jedoch die 6700 Kilometer nach Reunion transportiert haben. Offenbar lag es lange im Wasser.

Suchgebiet
dpa
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Es gibt verschiedene Theorien, was mit dem Flugzeug passiert ist:

Kann das Verschwinden mit einem technischen Defekt erklärt werden?

An Bord war zwar eine Ladung mit gut 200 Kilogramm hoch brennbaren Batterien. Ein Brand hätte womöglich die beiden Kommunikationssysteme zerstören können - aber die Piloten hätten zuvor im Cockpit Alarm gehört und über Funk eine Notsituation gemeldet, sagen Piloten. Hätten toxische Dämpfe oder ein Druckabfall Passagiere und Crew bewusstlos gemacht, hätte die Maschine nach dem letzten Radarkontakt nicht zwei abrupte Kursänderungen nehmen können.

Kann die Maschine von Terroristen entführt worden sein?

Als die Kursänderungen eine Woche nach dem Verschwinden enthüllt wurden, sagte Malaysias Regierungschef Najib Razak: „Diese Bewegungen deuten auf absichtliches Eingreifen durch jemanden an Bord hin.“ Die Ermittler haben alle Passagiere und Besatzungsmitglieder unter die Lupe genommen. Niemand hatte Terror-Sympathien oder -Verbindungen, auch die beiden Iraner nicht, die mit gefälschten europäischen Pässen an Bord waren. Sie träumten vom besseren Leben in Europa. Keine Terrororganisation hat sich je zu einem Anschlag bekannt.

Was ist mit der US-Bundespolizei FBI?

Das FBI taucht immer bei Verschwörungstheorien auf: Die USA seien hinter etwas her gewesen, das an Bord war, meint der chinesische Blogger He Xin. Die US-Botschaft in Kuala Lumpur sah sich sogar genötigt zu dementieren, dass das Flugzeug auf dem US-Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean landete. Ex-Airline-Chef und Buchautor Marc Dugain kombiniert diese Theorien zu seiner Version: Hacker manipulierten die Bordcomputer von außen und lenkten die Maschine auf den US-Stützpunkt, vor dem das US-Militär die Maschine abschoss.

Kann die Maschine aus Versehen abgeschossen worden sein?

Das behauptet der britische Autor Nigel Cawthorne in einem Buch. Bei einer damals stattfindenden thailändisch-amerikanischen Militärübung im Südchinesischen Meer sei scharfe Munition verwendet worden. Die Geschichte vom stundenlangen Flug in Richtung Süden sei erfunden worden, um sicherzustellen, dass das Wrack an falscher Stelle gesucht und nie gefunden wird. Seriöse Experten zweifeln nicht an den Angaben der Satellitenfirma Inmarsat, die Stunden nach dem Verschwinden Daten von der Maschine auffing.

Hat der Pilot selbst die Maschine ins Verderben gelenkt?

Das halten mehrere erfahrene Unfallermittler für die wahrscheinlichste Variante. Sie äußern sich in einer Dokumentation des Senders National Geographic: Der Pilot dirigiert den Kopiloten unter einem Vorwand aus dem Cockpit, nimmt eine Sauerstoffmaske, löst in der Kabine einen Druckabfall aus, der alle ins Koma versetzt und fliegt Richtung Süden, bis die Maschine mit leeren Tanks abstürzt. Warum würde aber jemand auf Suizid-Mission die Maschine so lange fliegen lassen?

Was gibt es noch für Theorien?

Im Internet kursieren verschiedene Theorien. Zwei Beispiele: Ein Schurkenstaat habe die Maschine gekapert, wolle sie mit Atomwaffen ausstatten und eines Tages auf eine US-Stadt lenken. Der US-Autor Jeff Wise vermutet die Maschine dagegen in russischen Händen und spekuliert wild über abwegige Motive.

 
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