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Gesellschaft für deutsche Sprache : Wort des Jahres 2016 ist „postfaktisch“

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Jedes Jahr wird ein Begriff zum Wort des Jahres gekürt, der die öffentliche Diskussion am meisten bestimmte.

Wiesbaden | Das Wort des Jahres 2016 ist „postfaktisch“. Das gab die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am Freitag in Wiesbaden bekannt. Der Begriff bezeichnet die Vorherrschaft von Gefühlen und Ressentiments anstelle von Fakten in der öffentlichen Meinung. In politischen und gesellschaftlichen Diskussionen gehe es zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten, erklärte die GfdS. Insofern stehe das Wort für einen tiefgreifenden politischen Wandel. Immer größere Bevölkerungsschichten seien aus Widerwillen gegen „die da oben“ bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen zu akzeptieren. Die Entscheidung der Jury sei einstimmig ausgefallen, sagte der Vorsitzende der Gesellschaft, Professor Peter Schlobinski. In seiner englischen Übersetzung „post-truth“ hat es die Vokabel schon zum „International Word of the Year“ gebracht.

Alljährlich wird damit der Begriff gekürt, der nach Ansicht der Experten die öffentliche Diskussion in den vergangenen Monaten am meisten bestimmte.

Auf Platz zwei der Liste der Gesellschaft landete das Kunstwort „Brexit“, mit dem der geplante Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) bezeichnet wird. Das vorangegangene Referendum sei zugleich ein „Triumph postfaktischer Politik“ gewesen, denn die Befürworter seien mit zum Teil gezielten Fehlinformationen vorgegangen. Auf Platz drei wählten die Experten den Begriff „Silvesternacht“, mit dem nach den massenhaften Übergriffen auf Frauen vor allem in Köln nun neue, unerfreuliche Assoziationen verbunden seien.

Hier die Top Ten:

1. postfaktisch 2. Brexit 3. Silvesternacht 4. Schmähkritik 5. Trump-Effekt 6. Social Bots 7. schlechtes Blut 8. Gruselclown 9. Burkiniverbot 10. Oh wie schön ist Panama.

Rund 1300 Fundstellen in Medien und 700 externe Vorschlägen galt es zu bewerten, erklärte die GfdS. Entscheidend sei den Angaben zufolge nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks, sondern vielmehr seine Signifikanz, Popularität und sprachliche Qualität. Die Jury wählt stets eine Rangliste der insgesamt zehn wichtigsten Wörter des Jahres aus.

Die Aktion der Gesellschaft läuft seit 1977 alljährlich. Eine andere Jury aus Sprachwissenschaftlern und Journalisten kürt zudem jedes Jahr ein „Unwort“. Am 10. Januar wird die Entscheidung für 2016 bekanntgegeben. Das Jugendwort des Jahres wurde im November 2016 gekürt. Es ist „fly sein“.

Die Top-Wörter der letzten zehn Jahre

Jahr  Wort Bedeutung
2015 Flüchtlinge Flüchtlingskrise in Europa.
2014 Lichtgrenze Bezeichnet die zum Mauerfall-Jubiläum installierte Beleuchtung der ehemaligen innerdeutschen Grenze.
2013 GroKo Abkürzung für die Große Koalition in Berlin.
2012 Rettungsroutine Bezeichnet die unzähligen Maßnahmen gegen die Eurokrise.
2011 Stresstest Bezeichnet Belastungstests von Banken während der Finanzkrise.
2010 Wutbürger Mediales Schlagwort. Bezeichnet Wut und Empörung gegen als Willkür betrachtete politische Entscheidungen.
2009 Abwrackprämie Bezeichnet die staatliche Umweltprämie in Höhe von 2500 Euro für den Neukauf eines Autos.
2008 Finanzkrise Bezeichnet die globale Banken- und Finanzkrise als Teil der Weltwirtschaftskrise ab 2007.
2007 Klimakatastrophe Bezeichnet die Folgen von unkontrollierbarer globaler Erwärmung und die Folgen des menschengemachten Klimawandels
2006 Fanmeile Geprägt wurde der Begriff durch die großen Fanfeste (u.a. in Berlin) zur Fußball-WM 2006

 

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erstellt am 09.Dez.2016 | 10:15 Uhr

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