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Facebook, Gentechnik, Flüchtlingsdebatte : Wo der Ethikrat Probleme in der Gesellschaft sieht

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Gentechnik und digitale Sammelwut: Der Ethikrat erklärt, wie globale Probleme derzeit die Menschheit verändern. Auch die zunehmend reißerische Redekultur wird kritisiert.

shz.de von
erstellt am 17.Jun.2016 | 07:51 Uhr

Bei der Jahrestagung des Deutschen Ethikrats am Mittwoch in Berlin diskutieren mehr als 500 Menschen unter anderem über die neuen Möglichkeiten im Zugriff auf das menschliche Erbgut. Peter Dabrock wurde im April zum Vorsitzenden des Gremiums gewählt, das Bundesregierung und Bundesrat berät. Er spricht an, welche globalen Probleme den Ethikrat derzeit beschäftigen.

Eingriffe ins Erbgut - mit Risiken und Nebenwirkungen?

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Foto: Frank May, dpa
 

Bei medizinischen Eingriffen in das menschliche Erbgut rät der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, zu Zurückhaltung. Diese müssten so vorsichtig vorgenommen werden, dass sie bei Auftreten von Komplikationen wieder umkehrbar sind, sagte der Theologe aus Erlangen. „Es wird immer dort ethisch problematisch, wo etwas irreversibel in der Keimbahn verändert wird.“ In diesem Bereich müssten weltweite Lösungen gefunden werden - andernfalls könnten tödliche Nebenwirkungen auftreten. Andere Nebenwirkungen zeigten sich gegebenenfalls erst nach Jahrzehnten, sagte Dabrock. Auch dann müssten die Eingriffe noch rückgängig gemacht werden können.

Facebook und Google - eine „Herausforderung für die Demokratie“

<p>Die Deutschlandzentralen für Google und Facebook haben ihren Sitz in Hamburg.</p>

Die Deutschlandzentralen für Google und Facebook haben ihren Sitz in Hamburg.

Foto: Julian Stratenschulte dpa/lni
 

Auch in Bezug auf die Datensammelwut großer Digitalkonzerne wie Google und Facebook fordert Dabrock eine weltweite politische Lösung. „Das Internet ist eine globale Veranstaltung.“ Schon jetzt stelle der Einfluss dieser Unternehmen eine „Herausforderung für die Demokratie“ dar, weil diese zum Teil mehr Macht hätten als die Staaten selbst. Deshalb müssten Politiker auf der ganzen Welt gemeinsam Rahmenbedingungen schaffen, die die Datensouveränität des Einzelnen wieder herstellen. „Diese Sensibilität auf der Ebene der internationalen Politik gibt es einfach noch nicht.“

Flüchtlingsdebatte - „Wir haben immer mehr Lautschreier“

 

In aktuellen Debatten wie jener um die Flüchtlingskrise beklagt der Theologe von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zudem eine Verrohung der Sitten - und fordert mehr Bereitschaft zum Kompromiss. „Wir haben immer mehr Lautschreier.“ Und immer weniger Gruppen wollten wahrhaben, dass es in einer komplexen Welt nur selten einfache Lösungen gibt. „Der Stil bringt noch nicht die Lösung, aber Stillosigkeit erschwert jeden Lösungsweg.“

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