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Zwischenbericht der BFU : Wirbelschleppe eines A380 brachte Business-Jet fast zum Absturz

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Sind Luftwirbel in der Luftfahrt unterschätzte Gefahren? Der Fall eines Airbus A380 könnte Folgen haben.

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2017 | 17:12 Uhr

Braunschweig | Es war der Luftwirbel eines Airbus A380, der Anfang des Jahres beinahe den Absturz eines deutschen Business-Jets über dem Arabischen Meer ausgelöst hätte. Das bestätigt der Zwischenbericht, den die Braunschweiger Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) jetzt über den Vorfall veröffentlicht hat. Das Vorkommnis wirft Fragen über Mindestabstände auf.

Der Fall, der für Menschen mit Flugangst einem Horror-Szenario gleichkommt, ereignete sich wie folgt: Zwei Flugzeuge, ein Airbus vom Typ A380 und die zweistrahlige Challenger vom Typ 604, flogen mit dem vorgegebenen Höhenabstand von etwa 300 Metern in entgegengesetzter Richtung übereinander hinweg. 48 Sekunden später und schon mehr als 27 Kilometer voneinander entfernt, geriet das kleinere Flugzeug in eine Wirbelschleppe des Airbus. Die 20-Tonnen-Maschine stürzte mehr als 2500 Meter tief, wurde aber von den Piloten abgefangen und in Muskat im Golfstaat Oman gelandet. Vier nicht angeschnallte Passagiere und eine Stewardess wurden verletzt, das 17 Jahre alte Flugzeug wurde schwer beschädigt und aus dem Dienst genommen.

Grund für die Turbulenzen, die beinahe zum Absturz geführt hätten, war die so genannte Wirbelschleppe. Jedes Flugzeug erzeugt solch unsichtbare Turbulenzen, die für nachfolgende Maschinen gefährlich werden können. Die Stärke hängt von Größe, Gewicht und Geschwindigkeit der Maschine ab. Durch die enorme Größe des größten Passagierflugzeugs der Welt, hieß es immer, dieses Phänomen solle bei A380 längerfristig beobachtet werden. Wirbelschleppen entstehen vor allem am Flügelende. Dort treffen der Unterdruck der Tragflächenoberseite und der Überdruck der Unterseite aufeinander. Dieser Druckunterschied ist die Voraussetzung dafür, dass ein Flugzeug fliegt. Deshalb lassen sich die Turbulenzen nicht vermeiden.

Die Luftwirbel breiten sich korkenzieherförmig hinter den Flügeln aus und können minutenlang bestehen bleiben. Nachfolgende Maschinen müssen daher ausreichend Abstand nach hinten und nach unten halten. Fliegt ein kleines Flugzeug in einen solchen Wirbel hinein, kann es auf den Rücken gedrückt werden oder sich - wie im aktuellen Fall - mehrmals um die Achse drehen. Deshalb beträgt der vertikale Sicherheitsabstand, den Flugzeuge einhalten müssen, 300 Meter.

Mit den derzeit international geltenden Abstandsregeln werden täglich tausende Flüge durchgeführt und ein solches Ereignis wird als eine absolute Ausnahme betrachtet. Dennoch führen solche Extremfälle in der Luftfahrt meist zu Konsequenzen. In dem Zwischenbericht werden zunächst aber nur gesicherte Fakten wiedergegeben. Erst der Abschlussbericht etwa ein Jahr nach dem Ereignis benennt die Ursache. Die BFU-Experten prüfen derzeit unter anderem, ob der Sicherheitsabstand zwischen den Flugzeugen zu gering sein könnte. Sollten sie zu diesem Schluss kommen, könnten sie eine Sicherheitsempfehlung geben, die Maschinen breiter zu staffeln. „Wir müssen jetzt klären, welche Maßnahmen verhindern könnten, dass so etwas wieder passiert“, erklärte BFU-Sprecher Germout Freitag.

Wirbelschleppen richten überdies auch am Boden Schäden an. Im Westen des größten deutschen Flughafens in Frankfurt/Main kommt es immer wieder dazu, dass Dachziegel von starken Wirbelschleppen herausgerissen werden. Der Flughafenbetreiber Fraport zahlt den Hausbesitzern in der definierten Einflugschneise auf Antrag die Dachsicherung, die im Schnitt 12.000 Euro kostet. In den vergangenen Monaten wurden jeweils bis zu drei Zwischenfälle gemeldet, bei denen die Schleppen als Schadensursache zumindest nicht ausgeschlossen werden konnten.

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