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Hagen in Nordrhein-Westfalen : Wieder illegales Autorennen: Zwei Kinder bei Unfall schwer verletzt

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Eine Mutter und ihre Kinder wurden Opfer eines illegalen Autorennens. Ein Sechsjähriger kämpft noch um sein Leben.

shz.de von
erstellt am 20.Mai.2016 | 13:04 Uhr

Hagen | Bei einem illegalen Autorennen in Hagen in Nordrhein-Westfalen sind fünf Menschen schwer verletzt worden, darunter zwei Kinder. Ein sechsjähriger Junge schwebte am Freitagmorgen noch in Lebensgefahr. Er sei nach dem Frontalzusammenstoß am Donnerstagabend mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik gebracht worden, teilte die Polizei mit. „Wir machen uns sehr große Sorgen“, sagte der Leiter der Verkehrsdirektion der Hagener Polizei, Michael Hoffmann, am Freitag.

Zwei 33 und 46 Jahre alte Autofahrer hätten sich am Donnerstagabend in der Nähe der Fernuni Hagen ein Rennen geliefert. Als eine 76 Jahre alte Autofahrerin mit ihrem Kleinwagen am Fahrbahnrand losfuhr, wollte der 46-Jährige den Ermittlungen zufolge ausweichen und geriet dabei in den Gegenverkehr.

 

Er kollidierte frontal mit dem Wagen einer 37 Jahre alten Mutter, die mit ihrer elfjährigen Tochter und ihrem sechsjährigen Sohn unterwegs war. Alle erlitten schwere Verletzungen. Das Auto der Frau wurde durch die Wucht des Aufpralls gegen den neben ihr fahrenden Wagen eines 30-Jährigen geschoben. Dieser rammte daraufhin eine Verkehrsinsel, stürzte mit seinem Wagen um und wurde ebenfalls schwer verletzt.

 

Der 46-Jährige brach sich bei der Kollision ein Bein. Der zweite am Autorennen beteiligte Fahrer (33) flüchtete unverletzt von der Unfallstelle, stellte sich aber Stunden später im Beisein eines Anwalts der Polizei. Nach ersten Erkenntnissen geht die Polizei davon aus, dass sich die beiden Fahrer zufällig an einer Ampel begegneten und sich dann spontan ein Rennen lieferten. Die Polizei stellte die Führerscheine der beiden mutmaßlichen Raser sicher.

Illegale Autorennen kosteten in den vergangenen Jahren bundesweit mehrere Menschenleben gekostet. Nach Angaben der Polizei wurden allein in Nordrhein-Westfalen 2015 rund 230 Strafanzeigen wegen illegaler Autorennen erstattet.

Tote und Verletzte bei illegalen Autorennen – eine Chronik:

Mai 2016 in Hagen

Bei einem illegalen Autorennen in Hagen in Nordrhein-Westfalen werden fünf Menschen schwer verletzt, darunter zwei Kinder. Zwei 33 und 46 Jahre alte Autofahrer hatten sich in der Nähe der Fernuni Hagen ein Rennen geliefert. Als eine 76 Jahre alte Autofahrerin mit ihrem Kleinwagen am Fahrbahnrand losfuhr, wollte der 46-Jährige den Ermittlungen zufolge ausweichen und geriet dabei in den Gegenverkehr. Beide Raser stehen derzeit vor Gericht.

Mai 2016 in Berlin-Tegel

Nach einem Autounfall werden zwei Schwerverletzte aus einem brennenden Wagen gerettet. Ein Mercedes und ein BMW waren nebeneinander eine Straße entlanggerast. Möglicherweise lieferten sich die Fahrer ein illegales Rennen, bis der Mercedes gegen einen Baum krachte und in Brand geriet.

Februar 2016 in Berlin

In der Nähe der Berliner Gedächtniskirche fahren zwei junge Raser ein tödliches Rennen. Eines der Autos stößt mit einem Geländewagen zusammen, dessen 69 Jahre alter Fahrer stirbt.

Januar 2016 in Ludwigshafen

Bei einem illegalen Rennen verliert ein Fahrer die Kontrolle über seinen Wagen und prallt gegen einen Baum. Auf dem Rücksitz des Autos stirbt eine 22 Jahre alte Frau, zwei weitere Mitfahrer werden schwer verletzt.

Dezember 2015 in Karlsruhe

Zwei Autofahrer liefern sich ein Rennen, bis es zum Unfall kommt. Beide Wagen rammen mehrere unbeteiligte Autos. Sechs Menschen werden verletzt, zwei von ihnen schwer.

Juli 2015 in Köln

Ein BMW stößt bei hohem Tempo mit einem Mini zusammen. Der BMW-Fahrer verliert die Kontrolle über sein Fahrzeug, überschlägt sich mehrmals, kollidiert mit Ampelanlagen und trifft schließlich einen 26-jährigen Radfahrer. Drei Tage lang kämpfte der Radler gegen den Tod. Doch er erlag seinen schweren Kopfverletzungen. Alles deutet auf ein vorangegangenes Rennen hin. Der Unfallverursacher, ein 27-jähriger Student, wird im Mai 2016 zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Dreieinhalb Jahre wird dem Mann der Führerschein entzogen.

April 2015 in Köln

Zwei junge Männer rasen durch die Innenstadt. Bei Tempo 100 verliert einer der beiden die Kontrolle über seinen Wagen. Das Auto erfasst eine 19 Jahre alte Radfahrerin, die tödlich verletzt wird. Im Prozess waren die Verursacher des Unfalls Mitte April zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Nach Auffassung des Landgerichts hatten die Angeklagten sich spontan über eine Strecke von mehreren Kilometern ein Kräftemessen geliefert. Mehrere Zeugen hatten ausgesagt, die beiden Autos seien mit hohem Tempo und quietschenden Reifen unterwegs gewesen.

März 2015 in Köln

Einer von zwei Rasern fährt mit seinem Wagen über eine rote Ampel und rammt ein Taxi. Ein Fahrgast stirbt später an seinen schweren Verletzungen.

April 2015 in Leverkusen

Während ein Radfahrer bei Grün die Straße überqueren will, fahren ein BMW und ein Opel viel zu schnell auf die Kreuzung zu. Der BMW erfasst den 20-Jährigen und verletzt ihn schwer.

Januar 2012 bei Freiburg

Nahe Freiburg sterben zwei Menschen nach einem illegalen Autorennen - eine unbeteiligte 27-Jährige und einer der Raser.

Fahrern bei illegalen Autorennen geht es einer Verkehrspsychologin zufolge häufig darum, mangelndes Selbstvertrauen auszugleichen. „Es geht darum zu zeigen, dass man der Tollere, der Stärkere, der Bessere ist“, sagte Daniela Rechberger am Freitag. Bei den Fahrern solcher Autorennen handele es sich mehrheitlich um Männer zwischen 18 und 27 Jahren, sagte Rechberger. „Es kommt aber auch immer mal wieder vor, dass sich ältere Männer Rennen liefern.“ So auch in Hagen: Dort waren die Beteiligten 33 und 46 Jahre alt.

Obwohl die Fahrer illegaler Rennen mit viel zu hohem Tempo durch die Städte rasten, hätten sie das Gefühl, alles unter Kontrolle haben, sagte die Verkehrspsychologin. „Das Risiko wird völlig ausgeblendet.“ Beeindrucken ließen sich die Männer nur durch Blitzer und Polizeikontrollen. „Nur wenn sie das Risiko, erwischt zu werden, als halbwegs hoch einschätzen, können sie davon abgehalten werden, Rennen zu fahren.“

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