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Ostsee vor Mecklenburg-Vorpommern : Wie man einen Schnabelwal aus der Bucht lockt

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Der Sowerby-Zweizahnwal, der seit mehr als einer Woche in der Ostsee herumirrt, soll sich selbst aus dem Gewässer befreien. Mit etwas Hilfe.

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2015 | 14:26 Uhr

Stralsund | Der als Irrgast in einer Ostseebucht schwimmende Schnabelwal soll jetzt mit sanfter menschlicher Hilfe zurück in seinen natürlichen Lebensraum finden. Forscher des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund wollen mit akustischen Signalen den vier Meter langen Sowerby-Zweizahnwal aus der flachen Wohlenberger Wiek bei Wismar locken. „Wir wissen nicht, ob es funktioniert“, sagte Michael Dähne, Kurator für Meeressäuger am Deutschen Meeresmuseum.

Der letzte und einzige Nachweis eines Sowerby-Zweizahnwal in deutschem Ostseegewässer stammt aus dem Jahr 1913. Ostseeweit gab es seit 1880 insgesamt elf Nachweise. Sowerby-Zweizahnwale bevorzugen Wassertiefen von 500 bis 2000 Metern.

Die Forscher wollen dem Wal seine eigenen Laute vorspielen. Erstmals war es den Stralsunder Forschern vor einer Woche gelungen, den Gesang und Echoortungsklicks eines Sowerby-Zweizahnwals aufzunehmen. „Es ist das weltweit erste Tondokument mit Lauten eines Sowerby-Zweizahnwals.“ Ein erster Rettungsversuch mit Hilfe von Greenpeace war am Wochenende gescheitert. Zusammen mit den Umweltschützern hatten die Meeresbiologen versucht, das weibliche Tier mit seiner Lieblingsspeise – Tintenfischen – aus der Wiek zu locken. Auf jegliche Versuche, den Meeressäuger zu treiben oder durch direkten Kontakt zu leiten, werde verzichtet. Eine solche „invasive“ Methode würde den Wal nur noch weiter stressen, sagte Dähne.

Sowerby-Zweizahnwale wurden bislang nur selten lebend gesichtet. Ihr Lebensraum ist der Atlantik und die Nordsee, wo sie auf Jagd nach Tintenfischen in bis zu 800 Meter abtauchen, wie der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Harald Benke, sagte.

Seit anderthalb Wochen schwimmt nun ein Exemplar in der Wohlenberger Wiek, einer Bucht in der Ostsee. Das Tier hatte sich in der Nähe eines Anlegers festgeschwommen und war von beherzten Anglern gedreht und in etwas tieferes Wasser zurückgeschoben worden. Ein erster Rettungsversuch könnte Ende der Woche gestartet werden. „Die Wetterbedingungen müssen stimmen“, sagte Dähne. So müsse die See relativ ruhig sein, auch dürfe es nicht stark regnen. Regen wäre eine starke akustische Reizung für den Wal.

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