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Zum Weltnichtrauchertag : Wie ich einmal Raucher werden wollte

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Mit dem Rauchen aufhören? Von wegen. Mit dem Qualmen anfangen lautete mal das Motto von unserem Redakteur Hendrik Mulert. Erinnerungen zum Weltnichtrauchertag.

Flensburg | Ich weiß gar nicht, wie ich es sagen soll. Vor allem am heutigen Weltnichtrauchertag fällt das schwer. Also gut: Vor ein paar Jahren wollte ich mit dem Rauchen anfangen. Klingt komisch, ist aber so. Dass das nicht gesund ist, war mir auch damals vollkommen klar. Aber Kettenraucher wollte ich ja eh nicht werden.

Es war im Frühsommer 2004, als ich – mit Anfang 20 – mit Freunden an einem See im niedersächsischen Göttingen saß und den lauwarmen Abend genoss. Das Fleisch brutzelte auf dem Grill, auch das kühle Bier schmeckte mal wieder gut. Dann steckte sich einer von uns eine Zigarette an, um die „Luchten“ anschließend in der Runde anzubieten. Er kannte das schon. Wir Nichtraucher griffen sehr selten zu. Ich eigentlich nie. An diesem Abend schon. Und mir schmeckte es. Ich fühlte mich plötzlich, als ob ich zum Rauchen geboren war, es nur viel zu spät gemerkt hatte. Ich war frei. Ich war wie der Marlboro-Mann. Er zündete nach getaner Arbeit in der Prärie eine Kippe an und blickte cool und zufrieden in den Sonnenuntergang. Dass ich nicht falsch verstanden werde: Cowboy werden war nicht mein Ziel. Welche Erwartungen ich ans Rauchen hatte? Keine Ahnung.

Warum auch immer, mein Entschluss stand fest: Ich werde Gelegenheitsraucher. Es sollte so sein wie am besagten Abend, die Gemütlichkeit durch eine Zigarette vollkommen werden – sozusagen als I-Tüpfelchen. Und klar: Ab und zu könnte ich dann ja auch tagsüber zur Zigarette greifen. Es war der perfekte Plan.

Zigaretten waren schnell gekauft. Die Packung fand ihren Platz in meiner Umhängetasche. Ich war also bestens vorbereitet, wenn mich die Lust aufs Qualmen packen sollte. Aber da lag das Problem: Irgendwie wollte ich nicht so recht. Auch nicht bei folgenden Grillabenden. Tagsüber sowieso nicht. Nach ein paar Wochen fühlte ich mich unter Druck gesetzt. Die Schachtel war zwar schon geöffnet, aber nur deshalb, weil ich die Kippen in abendlichen Runden angeboten hatte. Und das war schon peinlich genug. Denn ich zündete mir selbst nur zu ungern eine an. Ich fühlte mich unwohl mit den Dingern im Mund. Und dann wollte auch der pelzige Geschmack nicht weggehen. Vor allem morgens nach dem Aufwachen war das echt unangenehm.

Der Sommer neigte sich dem Ende zu – meine Zigarettenlust war vollends erloschen. Obwohl ich es immer wieder versuchte. Aber selbst im Urlaub wollte es nicht klappen. Ich kam einfach nicht mehr auf den Geschmack. War ich etwa doch nicht fürs Rauchen geboren worden? Wohl nicht.

Wenig später hatte ich es geschafft. Oder eben gerade nicht. Wie auch immer: Als nur noch eine Zigarette aus der Schachtel guckte, überkam mich ein befreiendes Gefühl. Es war vorbei. Kein Druck mehr. Und das Beste: Mein Kumpel – der vom See – übernahm den Job für mich. Er zündete sich meine letzte Kippe an. Einmal zog ich dann doch noch mal. Aber da wurde mir wieder deutlich: Das ist nichts für mich. Schade eigentlich. Oder auch nicht. Gemütliche Abende hatte ich seitdem aber trotzdem.

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erstellt am 31.Mai.2014 | 11:46 Uhr

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